Darum geht es: Dort, wo heute Äcker und Wiesen das Bild prägen, soll ein neues Industriegebiet entstehen. «Wil West» ist ein gemeinsames Projekt der Kantone St. Gallen und Thurgau. Die Rede ist von bis zu 3000 neuen Arbeitsplätzen in den kommenden zwanzig bis dreissig Jahren. Auch ein neuer Autobahnanschluss ist geplant. Eine erste Vorlage hatten die St. Galler Stimmberechtigten vor vier Jahren abgelehnt.
Deshalb wird ein zweites Mal über «Wil West» abgestimmt: Im Herbst 2022 erlitt das Projekt «Wil West» überraschend Schiffbruch. Damals wurde über eine Vorfinanzierung von 35 Millionen abgestimmt. SVP, SP und Grüne brachten das Vorhaben damals zu Fall. Kritisiert wurden Landverlust und mangelnde Nachhaltigkeit. Die Vorlage wurde überarbeitet. Weniger versiegelte Böden, mehr Grünraum, nachhaltige Bauweise, weniger Autoverkehr und weniger Parkplätze. Der direkte Autobahnanschluss bleibt Teil des Projekts. Die Federführung hat neu der Kanton Thurgau.
Darüber stimmt St. Gallen nun ab: Es geht um den Verkauf von rund 125'000 Quadratmeter Land. Dieses liegt zwar grösstenteils auf Thurgauer Gebiet, ist aber im Besitz der St. Galler. Es gehörte einst zum Gutsbetrieb der Klinik Wil. Der Verkaufspreis beträgt etwas mehr als 20 Millionen Franken. In der Staatskasse soll am Ende gut die Hälfte davon bleiben. Rund 7.5 Millionen Franken will der Kanton St. Gallen für neue Ackerflächen ausgeben. Vom Preis abgezogen wird auch die Mehrwertsteuer von 2.4 Millionen Franken.
Das sagen die Befürworter: «Wil West» sei für die Zukunft der Ostschweiz wichtig, sagen die Regierungen von St. Gallen und Thurgau. Man könne so langfristig gegen die Agglomeration Zürich bestehen. Es würden attraktive Arbeitsplätze geschaffen, die einer Abwanderung von Fachkräften entgegenwirken. Ackerflächen würden überkompensiert. Der Landpreis von rund 20 Millionen wird als marktgerecht eingestuft. Hinter der Vorlage stehen FDP, SP und Mitte/EVP.
Das sagen die Gegner: SVP und Grüne stemmen sich gegen den Landverkauf. Sie prangern den Verlust von wertvollem Kulturland an. Für sie ist der Kaufpreis mit rund 20 Millionen Franken zu tief angesetzt. Befürchtet wird auch eine Zunahme des Verkehrs in der Region. Das Nein-Komitee der SVP spricht zudem von einer Missachtung eines Volksentscheids, weil das Projekt «Wil West» bereits einmal an der Urne gescheitert ist.