Das Lorrainebad im Norden der Stadt Bern, auch bekannt als kleine Schwester des Freibads Marzili: weniger imposant, ohne Bundeshaus im Rücken, dafür Züge, die im 30-Sekunden-Takt über die Köpfe der Sonnenbadenden rattern.
Flussbad mit langer Geschichte
Wegen Algen und Karpfen im Schwimmbad zieht es die meisten Badenden in die Aare, die hier jedoch wesentlich langsamer zieht. Wenige Meter unterhalb des Bads steht ein Stauwehr. Der vorherrschende Stil im Lorrainebad: mehr alternativ als Schickimicki.
Das Lorrainebad gilt als eines der ältesten Flussbäder der Schweiz. 1892 wurde das Bad erbaut – es hat eine bewegte Geschichte hinter sich.
Zuerst als Schulbad geplant
-
Bild 1 von 5. In den 1880er-Jahren versuchte die Schulkommission Lorraine regelmässiges Schulbaden in der Aare einzuführen. Aber das Baden in der offenen Aare war in diesem Abschnitt zu gefährlich. Im Jahr 1892 schuf der Lorraineleist eine Badeanlage, das heutige Lorrainebad. Bildquelle: Zvg/Stadtarchiv Bern, SAB_1003_3: Album Nr. 3 1912 – 1942, S. 4.
-
Bild 2 von 5. In den Anfangszeiten badeten Frauen und Männer noch getrennt. Bildquelle: Zvg/Fere Scheidegger.
-
Bild 3 von 5. Das ganze Abwasser aus der Stadt floss in die Aare und somit auch in das Bad. Deshalb musste das Schulbaden eingestellt werden. Zwischen 1911 und 1918 wurde ein künstlicher Damm aufgeschüttet. Durch diese Abtrennung entstand das Schwimmbecken. Hier ein Bild datiert mit 1929. Bildquelle: Zvg/Stadtarchiv Bern.
-
Bild 4 von 5. Seit 1949 ist das Becken vollständig von der Aare abgetrennt und wird vom Grundwasser gespiesen. Das Bild stammt aus dem Jahr 1962. Bildquelle: Zvg/Walter Nydegger/Stadtarchiv Bern.
-
Bild 5 von 5. In den Jahren 1999 und 2005 führten Hochwasser dazu, dass der Boden des Schwimmbeckens mit Schlamm und Sand bedeckt ist. Laut Stadt Bern begünstigt dies das Wachstum von Algen. Bildquelle: Zvg/VLL-Archiv.
Nun steht am 8. März eine Abstimmung an. Die Stadtberner Stimmbevölkerung entscheidet über einen Baukredit von 22.3 Millionen Franken für die Sanierung des Lorrainebads.
Das Bad befinde sich in einem schlechten baulichen Zustand, heisst es in der Abstimmungsbotschaft. Es gibt Risse im Damm zur Aare hin, dasselbe bei den Stützmauern bei den Liegewiesen. Deshalb müsse es umfassend saniert werden.
Aufwendige Baustelle wegen schwieriger Erschliessung
Nach der Sanierung soll das Schwimmbecken wieder mit der Aare verbunden sein. So wird es von Flusswasser durchströmt und wieder ein «echtes» Flussbad. Die Stützmauern und der Damm sollen saniert werden, wie auch die Garderoben und Toiletten. Ausserdem wird die Technik erneuert sowie einheimische Bäume und Sträucher gepflanzt.
Aufwendig an dieser Sanierung ist insbesondere die Erschliessung: Das Bad ist vom Quartier und von der Aare her nur über einen Fussweg erreichbar. Diese Wege müssten verbreitert werden, damit auch schweres Material transportiert werden kann.
Die Bauarbeiten würden im Herbst 2027 beginnen und voraussichtlich bis zum Frühjahr 2029 dauern. Im Stadtparlament haben 64 Politikerinnen und Politiker Ja gesagt zur Sanierung, 6 stimmten dagegen. Die SVP Stadt Bern hat die Nein-Parole beschlossen, alle anderen Parteien wollen die Sanierung.
Politischer Streit um Kosten
«Die Stadt Bern in ihrer finanziellen Lage kann sich eine solch umfassende Sanierung nicht leisten», sagt Janosch Weyermann, SVP-Stadtrat. Eine Teilsanierung wäre aus seiner Sicht sinnvoller.
«Das Bad ist inzwischen in einem recht desolaten Zustand, und wir sind kurz davor, dass es aus Sicherheitsgründen geschlossen wird. Deshalb muss man das Bad jetzt sanieren», sagt dagegen SP-Stadtparlamentarier Johannes Wartenweiler.
Am 8. März wird die Stadtberner Stimmbevölkerung darüber entscheiden, ob das Lorrainebad im Norden Berns für 22.3 Millionen Franken saniert werden soll.