Aus Sicht von SP und Grünen wurde mit dem Nein eine Chance verpasst, die Klimakrise sozialverträglich und mit gezielten Investitionen anzugehen, wie sie in einer Mitteilung schreiben. «Jetzt muss die Rechte ihre Verantwortung wahrnehmen und uns zeigen, wie sie diese Ziele erreichen will, statt sich bei den Klimafragen ständig querzustellen», sagte Grünen-Präsidentin und Mitinitiantin Lisa Mazzone zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Das Netto-Null-Ziel sei beschlossen, daran ändere sich nichts.
Beide Parteien warnen davor, die Kosten des Nichthandelns zu unterschätzen. Wer heute zu wenig investiere, bürde künftigen Generationen eine umso grössere Last auf. Gleichzeitig sehen SP und Grüne in der Energiewende auch eine wirtschaftliche Chance: Geld, das heute für Erdöl und Gas ins Ausland fliesse, könne künftig stärker in der Schweiz investiert werden – in erneuerbare Energien, Versorgungssicherheit und Arbeitsplätze.
Konkrete Vorschläge liegen bereits auf dem Tisch.
Für die Grünen und die SP ist deshalb klar, dass die klimapolitische Debatte mit dem Nein nicht abgeschlossen ist. Sie wollen weiter Druck auf Parlament und Bundesrat ausüben, damit die Schweiz ihre Verpflichtungen einhält und beim Klimaschutz vorwärtsmacht. «Konkrete Vorschläge liegen bereits auf dem Tisch, etwa unsere im November eingereichte Solarinitiative», so Mazzone.
Wir Grünliberalen waren der Meinung, dass das Finanzierungsinstrument falsch war.
Auch GLP-Präsident Jürg Grossen nimmt Stellung zur Klimafonds-Initiative: «Das Volk hat Nein gesagt zum Instrument, das vorgeschlagen wurde für den Klimafonds. Wir Grünliberalen waren dagegen nicht als Klimaschutz-Gegnerschaft, sondern weil wir der Meinung waren, dass das Finanzierungsinstrument falsch war.» Deshalb wertet er das Nein nicht als Nein gegen den Klimaschutz, sondern gegen das Instrument.
Magdalena Erni, Co-Präsidentin der Jungen Grünen entgegnet: «Ich hätte mir gewünscht, dass die Grünliberalen konsequent zum ‹Grün› in ihrem Namen stehen und Ja stimmen zum Klimafonds.» Es sei klar, dass es hohe Investitionen für den Klimaschutz brauche. Trotzdem stimme sie mit Jürg Grossen überein, dass es kein Nein zum Klimaschutz sei.
Möglicherweise hat die Bevölkerung langsam genug von dieser Dramatisierung.
Christian Wasserfallen von der FDP ist der Meinung, die Diskussion um andere Abstimmungsthemen hätte überwogen. Inhaltlich müsse man aber festhalten: «Es handelt sich bereits um die zweite ziemlich radikale Initiative im Bereich Klimaschutz. Bereits vor einem Jahr haben die Jungen Grünen ihre Umweltverantwortungsinitiative deutlich verloren. Möglicherweise hat die Bevölkerung langsam genug von dieser Dramatisierung.» Die Massnahmen zum Netto-Null-Ziel müssten schliesslich auch wirtschaftlich und vor allem bezahlbar sein. «Und diese Forderungen waren einfach nicht bezahlbar.»
«Die Nein-Parole der GLP war wohl mitentscheidend für die Abstimmungsniederlage», sagt Lukas Golder vom Forschungsinstitut GFS Bern. «Wir haben in den Städten viele links-grün Wählende. Bei den anderen Vorlagen hatte dies das Gewicht ziemlich stark verschoben. Bei der Klimafonds-Initiative war das aber nicht so. Es ist eine sehr deutliche Niederlage.»