Die Schweizer Stimmbevölkerung hat die SRG-Initiative, die die Medien-Abgabe auf 200 Franken pro Jahr senken und die Unternehmen gänzlich von der Abgabe befreien wollte, an der Urne klar abgelehnt. Dennoch kann sich das öffentliche Medienhaus nicht zurücklehnen. Was kommt jetzt auf die SRG zu? Ein Überblick.
Neue SRF-Leitung
Schon im letzten Herbst hat SRF-Direktorin Nathalie Wappler angekündigt, ihren Posten auf den 1. April 2026 aufzugeben. Bis spätestens Ende März muss deshalb eine neue SRF-Chefin, ein neuer SRF-Chef gefunden werden. Die Entscheidung soll bald kommuniziert werden. Klar ist: Wer immer die Leitung des Deutschschweizer Radio und Fernsehens übernimmt, wird keine einfache Aufgabe haben – es stehen grosse Sparrunden an.
Von 335 auf 300 Franken
Schon 2024 hat der Bundesrat beschlossen, die SRG-Gebühren von heute 335 Franken pro Jahr auf 300 Franken schrittweise bis 2029 zu senken – als «Gegenprojekt» zur SRG-Initiative. Zusätzlich werden 80 Prozent der Unternehmen in der Schweiz von der SRG-Abgabe befreit. Diesen Entscheid hat der Bundesrat auf dem Verordnungsweg gefällt. Er benötigt deshalb kein Votum der Bevölkerung.
Damit ist es beschlossene Sache: 270 Millionen Franken muss die SRG bis in drei Jahren laut eigenen Schätzungen einsparen, das sind rund 17 Prozent der Einnahmen. «Das ist erheblich», sagt Bundesrat Rösti, «ich gehe aber davon aus, dass mit der 300-Franken-Lösung viele Einsparungen etwa in der Administration oder der Informatik möglich sind, wo es das Publikum nicht unmittelbar spürt».
Stellenabbau
Schon im letzten Jahr hat die SRG begonnen, Stellen abzubauen. Rund 250 Vollzeitstellen beschäftigt das Medienhaus weniger als noch vor einem Jahr. Bis im Jahr 2029 sollen es insgesamt 900 Stellen sein, die wegen der Gebührensenkung auf 300 Franken wegfallen.
Die SRG werde künftig «schlanker, effizienter, digitaler und beweglicher», sagte SRG-Generaldirektorin Susanne Wille gegenüber Tamedia: «Entscheidend ist für mich die Frage: Wie können wir trotz Sparauftrag ein starkes Programm machen und das Vertrauen der Bevölkerung in unser Angebot aufrechterhalten und stärken?» Die SRG organisiert derzeit die Unternehmensstruktur neu, zentralisiert Einheiten wie Sport und Fiktion und führt Fernseh- und Radioredaktionen enger zusammen.
Neuer Leistungsauftrag
Nicht nur das Geld wird die SRG in den nächsten Jahren beschäftigen – auch ihr Leistungsauftrag wird neu verhandelt. Ab 2029 bekommt die SRG eine neue Konzession, in der definiert wird, was sie erfüllen soll oder darf. Medienminister Albert Rösti hat bereits bekundet, die SRG solle sich künftig stärker auf ihre Kerngebiete fokussieren, auf Information, Kultur und Bildung und weniger auf Sport und Unterhaltung. Auch das heutige digitale Angebot der SRG könnte unter Druck geraten.
Über die Konzession entscheidet der Bundesrat, doch die Parteien haben sich bei der Diskussion darüber bereits in Stellung gebracht: Die SVP will die SRG inhaltlich zurückbinden, die linken Parteien sind für ein breiteres Angebot des Service public.