«Es ist krass zu sehen, dass dunkelhäutige Menschen in Zoos ausgestellt wurden und die weissen Leute sie anschauen konnten, als wären sie Tiere», sagt Bezirksschüler Nelson. Er steht vor einem Plakat der Wanderausstellung «Wir und die Andern», die im Oberstufenschulhaus Unterkulm AG gezeigt wird.
Die 14- und 15-jährigen Jugendlichen der Bezirksschule im Aargauer Wynental haben sich im Unterricht darauf vorbereitet, im Rahmen der «Aktionswoche gegen Rassismus». Es sei schlimm, wie bestimmte Menschen früher wie Tiere behandelt und zur Schau gestellt wurden, findet Schülerin Tanja.
Die Ausstellung behandelt nicht nur Geschichtliches, sondern auch Alltagsrassismus. Was ist verboten? Was sagt die Bundesverfassung zu Diskriminierung und Menschenwürde? Oder wie urteilte ein Gericht, als ein Pflegeheim eine Person nicht anstellte, weil deren Hautfarbe die Bewohnerinnen und Bewohner «erschrecken» könnte?
Es sei gut, dass in der Schweiz niemand diskriminiert werden dürfe, so Nelson. Er bezweifelt aber, dass die Gesetze immer eingehalten werden. «Es gibt immer noch einige Leute, die in der alten Zeit leben.»
Herausfordernde Vielfalt im Wynental
Die Woche gegen Rassismus findet jedes Jahr um den 21. März statt, dem internationalen Tag für die Beseitigung der Rassendiskriminierung. Im Aargau und anderen Kantonen oder Städten gibt es dazu Aktionen wie Ausstellungen, Lesungen oder Filmvorführungen.
Wie andere Regionen ist das Wynental ein Tal der Gegensätze: Ländliche Dörfer kontrastieren mit grösseren Gemeinden wie Reinach oder Menziken, wo je knapp 10’000 Personen leben. In den Nachbargemeinden ist der Ausländeranteil hoch, es treffen verschiedene Kulturen aufeinander.
Gerade hier sei es sehr wichtig, auf Rassismus aufmerksam zu machen, findet Natalie Ammann, Leiterin der regionalen Integrationsfachstelle Aargau Süd. «Es ist eine ländliche Gegend, die aber auch eine industrielle Vergangenheit hat, welche die Zusammensetzung der Bevölkerung prägt.»
Diese Vielfalt im Wynental sei schön, aber auch eine Herausforderung: «Es ist nicht einfach, ein Zusammenleben in Vielfalt auf gute Art zu gestalten. Darum ist es wichtig, dass man sich damit auseinandersetzt und es aktiv fördert.» Und solange in der Gesellschaft Diskriminierung existiere, gebe es kein friedliches Zusammeneben.
Kritisch hinschauen lernen
Die Aktionswoche im Wynental thematisiert deshalb nicht nur Rassismus. Kinder und Jugendliche sollen lernen, kritisch hinzuschauen. Dass sie überlegen, wo es in ihrem Umfeld Vorurteile, Klischees oder Diskriminierung gibt und was sie dagegen tun können. Niemand sei gegen Stereotypen gefeit, sagt Natalie Ammann.
Sie finde es gut, dass solche Themen im Unterricht behandelt würden, sagt Schülerin Tanja. Die Schicksale jenischer Kinder, die ihren Eltern weggenommen wurden, beschäftigen sie. Nelson findet die historische Entwicklung interessant. Bei grösseren rassistischen Auseinandersetzungen auf dem Pausenplatz würde er wahrscheinlich schon eingreifen.
Und Kollege Micha ergänzt, es sei wichtig, dass Rassismus und Diskriminierung in der Schule besprochen würden. «So kann man es leichter erkennen. Man kann es zwar nicht aufhalten, aber dagegen argumentieren.» Er selber werde wegen Autismus anders behandelt. Deshalb werde er angeschnauzt. «Aber eigentlich könnte man an jedem Menschen herummotzen.»