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Alkoholverzicht Der Leber eine Pause gönnen: Aktion im Kanton Schwyz

Während der Fasnachtszeit klappt es nicht. Während der Fastenzeit schon: Im Kanton Schwyz läuft die «Alkoholfreizeit».

Ein Holdrio hier – ein Bierchen da. Für viele gehört zur Fasnacht Alkohol dazu. Und die Fasnacht beginnt in der Zentralschweiz ja bekanntlich nicht erst mit dem Schmutzigen Donnerstag; bereits im Januar gibt es Bälle und andere vorfasnächtliche Anlässe. In dieser Zeit auf Alkohol verzichten? «Nein danke», sagen sich da die meisten.

Fasnachtsfiguren trinken Alkohol.
Legende: In Brunnen wurde die Fasnacht 2026 wieder zünftig gefeiert. Mitunter natürlich auch feuchtfröhlich. Keystone/ Urs Flüeler

Das hat auch Gesundheit Schwyz festgestellt, die Fachstelle für Gesundheitsförderung und Prävention. Deshalb sei es schwierig, im Kanton Schwyz den Leuten den «Dry January» – also den alkoholfreien Januar – beliebt zu machen, sagt Christa Rudolf von Rohr von Gesundheit Schwyz. Seit letztem Jahr gibt es deshalb die «Alkoholfreizeit». Sie startet nach der Fasnacht und dauert die ganze Fastenzeit.

«Ziel ist es, dass die Teilnehmenden die Möglichkeit erhalten, zu erleben, was passiert, wenn man eine Zeit lang keinen Alkohol trinkt», sagt Christa Rudolf von Rohr.

Stabiler durchs Leben

Einer, der bei dieser Aktion mitmacht, ist Yves Michlig: «Nach den für die Leber anstrengenden Festtagen und der Fasnachtszeit will ich mir etwas Gutes tun.» Er sei nun schon zum zweiten Mal dabei und habe gute Erfahrungen gemacht.

Es macht mich emotional stabiler.
Autor: Yves Michlig Teilnehmer «Alkoholfreizeit»

Die Schlafqualität sei besser geworden und: «Auch wenn man öfter denkt, dass ein Gläschen Wein am Abend zur Entspannung beiträgt – ich habe die gegenteilige Erfahrung gemacht. Ich lernte, mich anders zu regulieren – also nicht mehr über Genussmittel. Es macht mich emotional stabiler.»

Mineralwasser wird in ein Glas eingeschenkt.
Legende: Wasser statt Alkohol: Die Teilnehmenden der «Alkoholfreizeit» im Kanton Schwyz ziehen eine positive Bilanz. Keystone/Tom Weller

Zahlen aus dem Jahr 2022 zeigen: Die Menschen im Kanton Schwyz liegen mit ihrem Alkoholkonsum über dem Schweizer Durchschnitt. Sowohl der Anteil an Rauschtrinkern hat in den letzten fünf Jahren zugenommen, als auch jener an Personen, die chronisch zu viel trinken.

Yves Michlig betont, dass sein Alkoholkonsum generell nicht bedenklich sei. Sich des Alkohols ganz zu enthalten, sei aber, vor allem in Gesellschaft, schwierig. Natürlich sei er anfänglich deswegen hochgenommen worden.

Er musste immer wieder Fragen beantworten wie: «Warum trinkst du nicht, hast du ein Problem?» Die ersten zwei, drei Male habe er den Impuls gehabt, sich zu rechtfertigen. Heute gehe er in einer solchen Situation zum Gegenangriff über: «Ich frage dann: Wie ist es denn bei dir? Musst du trinken?»

Es wird mit Bierkrügen angestossen.
Legende: In Gesellschaft keinen Alkohol zu trinken ist oft nicht einfach, weil dabei auch dumme Sprüche fallen. Keystone/Jan Woitas

Der gesellschaftliche Druck zu trinken, sei ein wiederkehrendes Problem, sagt Christa Rudolf von Rohr. «Wir geben den Tipp, dass die Leute erzählen sollen, dass sie beim Projekt ‹Alkoholfreizeit› mitmachen.» Das helfe.

Teilnehmer Yves Michlig kann dies nur bestätigen: «Es entstehen interessante Gespräche. Bei vielen dient Alkohol zur Lebensbewältigung, und sie wissen, dass sie das anders regulieren sollten, machen es jedoch nicht.»

Die «Alkoholfreizeit» gibt Yves Michlig die Gelegenheit, alte Gewohnheiten zu hinterfragen. Und auch wenn er gerne zum Essen ein Glas Wein hat, bis zum Ende der Fastenzeit tut es für ihn nun ein «Blööterliwasser».

Yves Michlig ist übrigens einer der wenigen Männer, die bei der Aktion im Kanton Schwyz mitmachen. Letztes Jahr haben dreimal mehr Frauen teilgenommen als Männer. Und dies, obwohl Männer schweizweit mehr und öfters trinken als Frauen.

Regionaljournal Zentralschweiz, 18.2.2026, 17:30 Uhr ; 

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