Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Allergien im Hoch Viele leiden unter Pollenallergien – das können Sie tun

Tränende Augen, ein Kratzen im Hals. Die vielen Pollen in der Luft haben mit dem aktuellen Wetter zu tun – und dem Klimawandel.

Darum geht es: Derzeit ist die Luft mit sehr vielen Blütenpollen belastet – man sieht den gelben Staub überall auf Autos oder Gartenmöbeln. Vor allem die blühenden Birken und Eschen sorgen bei vielen Allergikern aktuell für Probleme. Denn gerade Birkenpollen sind besonders klein und dringen deshalb tief in die Atemwege ein. Linderung ist kaum in Sicht: Bereits hat die Saison der blühenden Gräser begonnen. Schlechte Aussichten also für Menschen, die umgangssprachlich unter «Heuschnupfen» leiden – denn drei Viertel aller Allergiepatientinnen und -patienten leiden vor allem unter Gräserpollen.

Schon seit Anfang Februar fliegen die Pollen

Box aufklappen Box zuklappen
Nahaufnahme von Haselnusskätzchen vor blauem Himmel.
Legende: Seit Anfang April blühen die Birken. Imago

Auf der Website des Allergiezentrums Schweiz lässt sich minuziös mitverfolgen, welche Pollen wann fliegen. Und in der Tat: Schon Anfang Februar begann die Hasel zu blühen, mit Höhepunkt etwa Mitte Februar, je nach Region in der Schweiz. Die Haselpollen wurden von Erle und Esche abgelöst.

So richtig hoch ist die Belastung der Luft mit den kleinen gelben Biestern aber wieder seit Beginn der Birkenblüte. Sie kam wegen des trockenen Wetters ab Anfang April so richtig in Gang. Am 8. April etwa wurden in Luzern über 2100 Pollen pro Kubikmeter Luft gemessen. Ab 300 Pollen pro Kubikmeter spricht man von «sehr starkem» Pollenflug. Inzwischen hat bereits die Blüte von Gräsern begonnen, auf die ebenfalls viele Menschen allergisch reagieren. Deshalb heisst die Pollenallergie im Volksmund auch «Heuschnupfen».

Ein besonderes Jahr 2026: «Die Pollenbelastung ist aktuell wirklich sehr hoch», sagt Karin Hartmann, stellvertretende Chefärztin Dermatologie und Leiterin der allergologischen Poliklinik der Uni Basel. Das habe mit dem trockenen und warmen Wetter zu tun. Und: Wegen der Klimaerwärmung und der wärmeren Winter fliegen die Pollen während eines immer längeren Zeitraums. «Es wird wärmer, dadurch verlängert sich die Pollensaison.» Das spüren auch die spezialisierten Ärzte und Kliniken. Sie berichten derzeit von besonders vielen Anfragen für Abklärungen wegen Heuschnupfens.

Der Einfluss des Klimawandels

Box aufklappen Box zuklappen

Die Temperaturen steigen auf unserem Planeten: Im Durchschnitt sind 1.5 Grad Erhöhung gegenüber der vorindustriellen Zeit praktisch schon erreicht – und in Europa und der Schweiz ist die Temperaturzunahme sogar fast doppelt so hoch. Das hat Folgen: So breitet sich etwa die Birke – auf die vergleichsweise viele Menschen allergisch reagieren – in immer höhere Lagen aus. Zudem gibt es immer mehr ausländische, allergene Pflanzen in der Schweiz: wie beispielsweise den Olivenbaum, die Zypresse oder das Glaskraut. Auch wachsen hierzulande immer mehr invasive Pflanzen, die teils sehr starke Allergien auslösen können, wie etwa Ambrosia, die erst im August und September blüht.

Das sind die Symptome: Bei einer Pollenallergie («Heuschnupfen») reagiert das Immunsystem auf die an sich harmlosen Eiweisse der herumfliegenden Pollen von blühenden Pflanzen. Und weil die unterschiedlichen Pflanzen unterschiedliche Pollen mit unterschiedlichen Eiweissen aufweisen, reagiert nicht jede Patientin oder jeder Patient auf die gleichen Pollen gleich stark. Mögliche Symptome einer allergischen Reaktion sind Niesattacken, laufende oder verstopfte Nase, gereizte Augen, Kribbeln im Rachen, in der Nase oder in den Ohren. Auf welche Pollen genau man allergisch reagiert, kann der Arzt durch Tests herausfinden. Dies ermöglicht dann eine spezifische Behandlung.

Nützliche Links:

Das kann man tun: Um möglichst wenig mit Pollen in Berührung zu kommen, sollten sich Allergikerinnen und Allergiker derzeit möglichst wenig draussen aufhalten. Auch wird empfohlen, eine Sonnenbrille zu tragen und bei starker Allergie womöglich auch eine Gesichtsmaske. Vor dem Schlafengehen kann man mit einer Dusche die Pollen in den Haaren auswaschen. Nachts sollte man die am Tag getragenen Kleider nicht im Schlafzimmer deponieren und das Fenster geschlossen halten. Zudem empfiehlt Dr. Karin Hartmann allenfalls die Anwendung von Augentropfen, Nasensprays oder die Einnahme von Antihistaminika. In diesem Bereich gibt es rezeptfreie Medikamente in der Apotheke, wo man auch von der Apothekerin oder dem Apotheker entsprechend beraten wird. Bei starker allergischer Reaktion sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Erfolgversprechende Immuntherapie

Box aufklappen Box zuklappen

Bei sehr starker allergischer Reaktion auf Pollen, womöglich kombiniert mit einer Asthma-Erkrankung, empfiehlt Dr. Karin Hartmann von der allergologischen Poliklinik in Basel eine ärztliche Abklärung. Möglich ist danach die Anwendung einer allergiespezifischen Immuntherapie oder eine Desensibilisierung. Dabei werden während längerer Zeit Spritzen, Tabletten oder Tropfen verabreicht, die das Immunsystem quasi umpolen sollen. «Der Erfolg dieser Therapien ist sehr gut, viele Patienten sprechen gut darauf an. Und manchmal verschwinden die Allergien ganz», betont Hartmann.

Informationen zur Pollensituation: Die aktuelle Situation der Pollenbelastung kann auf diversen Webseiten mitverfolgt werden – bei SRFmeteo oder noch detaillierter etwa beim Allergiezentrum Schweiz. Fachleute empfehlen, das persönliche Verhalten entsprechend anzupassen, wenn besonders viele Pollen fliegen, auf die man allergisch reagiert. So kann man Aufenthalte im Freien womöglich besser planen oder reduzieren. Auch kann man dann das Lüften der Wohnung so gestalten, dass in Phasen hoher Pollenbelastung weniger gelüftet wird – und man stattdessen womöglich regnerisches Wetter abwartet. Denn bei Regen werden die herumfliegenden Pollen aus der Luft gewaschen.

Immer mehr Menschen leiden unter Allergien

Box aufklappen Box zuklappen

«Man geht davon aus, dass vor 100 Jahren etwa ein Prozent der Bevölkerung von Pollenallergien betroffen war. Heute sind es bereits rund 20 Prozent», sagt Sonja Hartmann vom Allergiezentrum Schweiz. Die Zunahme wird auf die geänderten Lebensumstände – Bewegungsmangel, Übergewicht, Stress –, Umweltfaktoren – Luftverschmutzung, Schadstoffbelastung – sowie auf genetische Faktoren zurückgeführt (Allergien werden oft von den Eltern weitervererbt). Inzwischen geht man davon aus, dass in den Industrieländern rund ein Drittel der Bevölkerung unter mindestens einer Allergie leidet – neben Pollen etwa auf gewisse Lebensmittel.

Rendez-vous, 24.04.2026, 12:30 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel