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Krise des Klimasystems Die Schweiz tut zu wenig gegen den Klimawandel

Eine neue Überblicksstudie zeigt, dass unser Land stärker betroffen ist als andere. Und dass es mehr tun müsste.

Weltweit sind die Temperaturen im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter bereits um rund 1.5 Grad gestiegen. In der Schweiz sind es sogar rund 3 Grad.

Dass es in der Schweiz und Europa schneller wärmer wird als auf dem Rest der Welt, hat verschiedene Gründe. Einer ist die verstärkte Austrocknung der Böden im Sommer, ein weiterer weniger grosse Flächen mit Schneebedeckung, wie Sonia Seneviratne, Klimaforscherin an der ETH Zürich, erklärt.

HitzewellenHäufiger, intensiver seit 1901 KälteBis -60% Frosttage seit 1961 Nullgradgrenze+300 bis 400 m seit 1961 Gletschervolumen-65% seit 1850 Vegetationsperiode+2 bis 4 Wochen seit 1961 Schneetage-50% unter 800 m/-20% um 2000 m seit 1970 Starkniederschlag12% intensiver, 26% häufiger seit 1901 TrockenheitDeutlich trockenere Sommer seit 1981 +2.9 °C(2.6-3.3 °C)

«Ein weiterer Grund für die stärkere Erwärmung in Europa ist der Rückgang der Luftverschmutzung.» Zwar sei dieser letzte Effekt nur klein – aber sauberere Luft lasse mehr Wärme auf die Erdoberfläche strahlen.

Alle diese Effekte habe die Wissenschaft lange unterschätzt. Deshalb sei es schneller wärmer geworden als noch vor zehn Jahren erwartet, so Seneviratne.

Ein Teil der Hitze aus den Ozeanen wird jetzt an die Atmosphäre abgegeben.
Autor: Sonia Seneviratne Klimaforscherin an der ETH Zürich

Hinzu komme, dass in den Jahren zwischen 2000 und 2010 viel zusätzliche Wärme in den Ozeanen gespeichert wurde. «Doch jetzt wird ein Teil dieser Hitze an die Atmosphäre abgegeben.»

Die bisherige CO₂-Reduktion reicht nicht

Die Schweiz ist also überdurchschnittlich stark betroffen vom Klimawandel. Allerdings trage sie – wie viele andere Industrieländer – auch eine überdurchschnittlich grosse Verantwortung dafür, sagt Anthony Patt, Professor für Klimapolitik an der ETH Zürich. «Wir konsumieren sehr viel und importieren viele Güter aus anderen Ländern. Für diesen CO₂‑Ausstoss sind wir verantwortlich.»

Beim Verkehr und bei den Gebäudeheizungen könnte man viel machen.
Autor: Anthony Patt Professor für Klimapolitik an der ETH Zürich

Zwar habe die Schweiz den Ausstoss von Treibhausgasen in den letzten Jahren reduziert, betont Patt. Doch das reiche nicht: Die Schweiz werde ihr Klimaziel für 2030 nur mit dem Kauf von Klimazertifikaten im Ausland erreichen.

Hier gehts zur Studie der Akademien der Wissenschaften:

Dabei wäre im Inland viel möglich: «Beim Verkehr und bei den Gebäudeheizungen könnte man viel machen», so Patt. Die Technologien dafür seien alle vorhanden. Doch in der Schweiz fehlten die für die Durchsetzung des technologischen Wandels notwendigen Massnahmen. Mit anderen Worten: Es fehlt am politischen Willen.

Manche Gebiete durch Extremwetter bedroht

Unterdessen muss sich die Schweiz an die wärmeren Temperaturen, und damit an extremere Wetterereignisse anpassen. Doch da gebe es Grenzen, warnt Christian Huggel, Professor an der Universität Zürich. «Man wird finanziell und technisch an Grenzen stossen.»

Die Schweiz wird sich also harte Fragen dazu stellen müssen, ob der Nutzen beispielsweise einer Massnahme gegen Hochwasser die hohen Kosten rechtfertigt – oder ob manche Gebiete womöglich aufgegeben werden müssen.

Energisches Handeln würde sich lohnen

Der Finanzmarkt (Banken und Versicherungen) würden die finanziellen Risiken des Klimawandels nach wie vor unterschätzen, sind die 60 Autorinnen und Autoren der neuen Übersichtsstudie der Akademien der Wissenschaften überzeugt.

Dabei würde sich energisches Handeln auch finanziell lohnen. Konkret könnten die schwerwiegendsten Folgen des Klimawandels noch abgewendet werden, wenn etwa Investitionen konsequent in klimafreundliche Infrastrukturen gelenkt und Subventionen für fossile Energieträger abgebaut würden.

Dabei kann helfen, dass sich klimafreundliche Technologien in den letzten Jahren schneller entwickelt haben und sie schneller günstiger geworden sind, als allgemein erwartet worden war.

Rendez-vous, 9.4.2026, 12:30 Uhr;liea

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