Vor hundert Jahren galt der Luchs in der Schweiz als ausgestorben. Doch in den 1970er-Jahren begann ein Wiederansiedelungsprogramm – mit Erfolg: Heute sind Luchse in verschiedenen Teilen des Landes wieder verbreitet.
Im Wallis breitet sich die Raubkatze aber einigen offenbar zu stark aus: Die Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere bereitet ein offizielles Gesuch zur Regulation des Luchses vor, wie der zuständige Staatsrat Christophe Darbellay (Die Mitte) dem Walliser Boten bestätigte.
Gefährden Luchse den Rehbestand?
Es geht dabei nicht primär um den Schutz von Nutztieren, sondern um Wildtiere. Der Bestand an Rehen und Gämsen habe drastisch abgenommen, zitiert der Walliser Bote eine anonyme Wildbeobachterin. Sie vermutet, dass dies an der dauerhaften Präsenz von Luchs und Wolf liegen könnte.
Es sind immer verschiedene Faktoren, die zusammenspielen.
Den Eindruck, dass es weniger Schalenwild gibt, teilt auch Alexandra Lengen, die Präsidentin des Oberwalliser Jägerverbands. «Wir stellen fest, dass vermehrt Luchse gesichtet werden», sagt sie gegenüber SRF.
Gleichzeitig werde das Schalenwild rarer. Einen Zusammenhang will sie aber nicht bestätigen. «Es sind immer verschiedene Faktoren, die zusammenspielen.»
Fakt ist: Der Bestand an Luchsen hat im Wallis in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Stiftung Kora für Raubtierökologie und Wildtiermanagement zählte im Oberwallis 2020 noch drei Luchse. Heute sind es mindestens 13. Im Unterwallis schätzte Kora die Zahl der Luchse 2017 auf rund 20, fünf Jahre später dann schon auf über 40.
Für Naturschützer noch lange nicht problematisch
Fakt ist aber auch: Der Luchs steht auf der «Roten Liste der stark gefährdeten Säugetiere in der Schweiz» des Bundesamts für Umwelt. Und aus Sicht des Grünen Politikers und Geschäftsleiters von Pro Natura Wallis, Jérémy Savioz, sind die Luchsbestände noch lange nicht problematisch.
Der Luchsbestand ist noch sehr dünn.
Er schätzt, dass sich erst ein paar Dutzend Luchse im Wallis aufhalten. «Der Luchsbestand ist noch sehr dünn», sagt er auf Anfrage. Und es gebe überhaupt keinen Beweis, dass der Luchs für den Rückgang an Rehen verantwortlich sei.
Aus seiner Sicht braucht es den Luchs für gesunde Wälder. Seine Präsenz halte das Wild in Bewegung und schütze so die Wälder vor zu starkem Verbiss. Zudem würden Jäger immer noch 1000 Rehe pro Jahr schiessen. Wenn, dann sei die Jagd schuld am Verschwinden der Populationen, nicht der Luchs.
Darbellay will Gesuch noch im Sommer einreichen
Staatsrat Christophe Darbellay entgegnet dem, dass für die anstehende Jagdsaison die Rehjagd bereits stark eingeschränkt werde. Doch das alleine reiche nicht, um die Balance wiederherzustellen. Es brauche eine Luchs-Regulierung.
Doch auch Darbellay weiss, dass die Hürden für bewilligte Luchs-Abschüsse hoch sind. Der Kanton muss wissenschaftliche Beweise vorlegen, dass die Wildbestände durch das Raubtier schwerwiegend geschädigt sind.
Diese Beweise will der Kanton Wallis nun zusammentragen und bis Ende Sommer beim Bundesamt für Umwelt eine Abschussbewilligung für Luchse im kommenden Winter beantragen. Es wäre die erste solche Bewilligung in der Schweiz. Entsprechend dürfte der Bund das Gesuch besonders genau unter die Lupe nehmen.