Aller Anfang ist schwer. Wer frisch in die Schweiz zieht, ist oft froh um Unterstützung von anderen Menschen, die auch aus dem Ausland hergezogen sind. In der Region Basel gibt es heute viele Gruppen und Angebote, die Neuzuziehenden helfen sollen – das war aber nicht immer so.
Vor dem Internet war alles auf Papier. Dort konnte man sich mit der Telefonnummer anmelden und sein Wissen anbieten.
Als Kathy Hartmann-Campell im Jahr 1982 für die Liebe aus den USA nach Basel zog, gab es kaum Unterstützungsangebote oder Gruppen für Expats. «Network Basel» sei ein solches erstes Netzwerk – es war eine Telefonliste auf Papier.
Die Gruppe habe sich über diese Telefonliste vernetzt. «Dort konnte man sich anmelden und sein Wissen über Basel anbieten. Zum Beispiel darüber, wo man welche Lebensmittelspezialitäten findet», erinnert sich Hartmann-Campell.
Internationale Arbeitskräfte seien um das Jahr 2000 erstmals auf dem Radar der Behörden gelandet. Das Basler Stadtmarketing habe sie damals gebeten, bei einer Pharmafirma einen Workshop über Expat-Integration zu leiten. Das Thema hat Kathy Hartmann-Campell nicht mehr losgelassen. Bis heute gibt sie Kurse über Schweizer Kultur für Ausländer. Und sie ist Gründerin und Präsidentin von BaselConnect, einer Expat-Organisation mit über 2000 Mitgliedern.
Heute gibt es viele solche Gruppen und Angebote in der Region. Einige von ihnen sind nur für Frauen, wie der «American Women’s Club in Basel» oder der «Professional Women’s Club». Andere orientieren sich an gemeinsamen Hobbys, wie Chorgesang, oder es gibt mehrere englischsprachige Theatergruppen.
Centrepoint ist einer der grössten englischsprachigen Vereine in der Region Basel. Er hat rund 600 Mitglieder und ein Vereinslokal an bester Lage in der Altstadt.
Ein Drittel der Mitglieder hat einen Schweizer Pass. Es sind entweder Schweizerinnen und Schweizer, die gerne mehr Englisch sprechen möchten – oder Expats, die nun eingebürgert sind.
Das Vereinsleben wird von Ehrenamtlichen getragen. Es bietet den Mitgliedern Ausflüge und Wanderungen an, aber auch Konversationsgruppen in verschiedenen Sprachen, eine Fotografie-Gruppe oder einen Stricktreff.
«Die Leute werden Mitglied, weil wir so viele Aktivitäten haben, und sie bleiben, weil sie die Community lieben», sagt der Präsident Jan-Willem van Wijck.
Mehr Angebote online
Es gibt nicht nur viel mehr Gruppen, wo sich Expats physisch treffen können, sondern auch mehr Angebote im Internet und auf sozialen Medien. «Ich glaube, unter dem Strich ist es einfacher geworden», sagt auch Kathy Hartmann-Campell. Sie höre heute von weniger Fällen, in denen etwa eine Ehe zu Bruch gehe, weil die Integration in der Schweiz zu schwierig sei.
Das Wissen von Expats wurde nicht weitergegeben.
Ein solches Onlineangebot hat die Kanadierin Meaghan Renner während der Corona-Pandemie aufgezogen. «Als ich frisch nach Basel kam, hatte ich den Eindruck, dass alle Expats nochmals ganz von vorn anfangen müssen.» Wissen, das für Expats hilfreich sein kann, sei nicht weitergegeben worden. Das wollte Renner ändern.
Zusammen mit einer Freundin gründete Meaghan Renner die Website «You belong in Basel». Die Seite ist auf Englisch und sammelt Tipps und Tricks zum Alltag in der Schweiz. Getragen wird sie von einer Community aus Wahlbaslerinnen und -baslern, die ihre Entdeckungen in Artikeln an andere Zugezogene weitergeben.
Die Telefonlisten der Basler Expats aus den Achtzigerjahren gibt es also immer noch. Sie haben heute einfach eine andere Form und sind für alle einfach auffindbar im World Wide Web.