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Ankommen in Basel Von Telefonlisten zum WWW: Expat-Netzwerke früher und heute

Für Neuzugezogene in Basel gibt es heute viel mehr Angebote als vor 40 Jahren – und dank Internet und Social Media klappt die Vernetzung besser.

Aller Anfang ist schwer. Wer frisch in die Schweiz zieht, ist oft froh um Unterstützung von anderen Menschen, die auch aus dem Ausland hergezogen sind. In der Region Basel gibt es heute viele Gruppen und Angebote, die Neuzuziehenden helfen sollen – das war aber nicht immer so.

Vor dem Internet war alles auf Papier. Dort konnte man sich mit der Telefonnummer anmelden und sein Wissen anbieten.
Autor: Kathy Hartmann-Campell Expat-Expertin für die Region Basel

Als Kathy Hartmann-Campell im Jahr 1982 für die Liebe aus den USA nach Basel zog, gab es kaum Unterstützungsangebote oder Gruppen für Expats. «Network Basel» sei ein solches erstes Netzwerk – es war eine Telefonliste auf Papier.

Wer ist mit Expats gemeint?

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Mit dem Begriff «Expats» sind spezifisch qualifizierte Arbeitskräfte gemeint, die für einen Job in die Schweiz ziehen. Das können Musikerinnen, Forschende oder Zahnärzte sein. Expats werden häufig mit «international assignees», also internationalen Beauftragten, verwechselt. Diese werden häufig für 6 bis 24 Monate für eine spezifische Aufgabe, meist im Management, entsandt. Bei Expats ist das anders, denn es steht nicht bereits beim Stellenantritt fest, dass sie die Schweiz wieder verlassen. Viele bleiben auch hier.

Die Gruppe habe sich über diese Telefonliste vernetzt. «Dort konnte man sich anmelden und sein Wissen über Basel anbieten. Zum Beispiel darüber, wo man welche Lebensmittelspezialitäten findet», erinnert sich Hartmann-Campell.

Ältere Person mit weissem Haar und Brille lächelt, sitzt draussen in einem Café.
Legende: Seit 40 Jahren engagiert: Kathy Hartmann-Campell kennt die Basler Expat-Community wie ihre Westentasche. SRF/Lisa Garberson

Internationale Arbeitskräfte seien um das Jahr 2000 erstmals auf dem Radar der Behörden gelandet. Das Basler Stadtmarketing habe sie damals gebeten, bei einer Pharmafirma einen Workshop über Expat-Integration zu leiten. Das Thema hat Kathy Hartmann-Campell nicht mehr losgelassen. Bis heute gibt sie Kurse über Schweizer Kultur für Ausländer. Und sie ist Gründerin und Präsidentin von BaselConnect, einer Expat-Organisation mit über 2000 Mitgliedern.

Expats in der Region Basel

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Der Kanton Basel-Stadt hat keine eindeutigen Zahlen, wie viele sogenannte Expats im Kanton leben und arbeiten.

Das Bundesamt für Statistik zählte im Jahr 2024 47'000 ausländische Arbeitskräfte mit Wohnsitz in Basel. Viele davon hätten einen tertiären Bildungsabschluss, schreibt das zuständige Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt.

Das hilft dem Kanton, wettbewerbsfähiger zu sein. Basel habe auch mehrmals in einem Wirtschaftsranking der Bank UBS Spitzenwerte in der Kategorie «Humankapital» geholt.

«Gerade in wissens- und innovationsintensiven Branchen wie den Life Sciences sind Spezialistinnen und Spezialisten aus dem Ausland unverzichtbar», schreibt das Departement.

Heute gibt es viele solche Gruppen und Angebote in der Region. Einige von ihnen sind nur für Frauen, wie der «American Women’s Club in Basel» oder der «Professional Women’s Club». Andere orientieren sich an gemeinsamen Hobbys, wie Chorgesang, oder es gibt mehrere englischsprachige Theatergruppen.

Centrepoint ist einer der grössten englischsprachigen Vereine in der Region Basel. Er hat rund 600 Mitglieder und ein Vereinslokal an bester Lage in der Altstadt.

Leseraum mit Bücherregalen und Tisch mit Stühlen.
Legende: Das Vereinslokal von Centrepoint. In der Bibliothek gibt es einmal pro Woche einen Kaffeetreff für die Mitglieder. SRF/Lisa Garberson

Ein Drittel der Mitglieder hat einen Schweizer Pass. Es sind entweder Schweizerinnen und Schweizer, die gerne mehr Englisch sprechen möchten – oder Expats, die nun eingebürgert sind.

Das Vereinsleben wird von Ehrenamtlichen getragen. Es bietet den Mitgliedern Ausflüge und Wanderungen an, aber auch Konversationsgruppen in verschiedenen Sprachen, eine Fotografie-Gruppe oder einen Stricktreff.

Person in schwarzem Hemd steht neben einem Gemälde an einer weissen Wand.
Legende: Der Präsident von Centrepoint, Jan-Willem van Wijck, will Orte der Begegnungen schaffen. SRF/Lisa Garberson

«Die Leute werden Mitglied, weil wir so viele Aktivitäten haben, und sie bleiben, weil sie die Community lieben», sagt der Präsident Jan-Willem van Wijck.

Mehr Angebote online

Es gibt nicht nur viel mehr Gruppen, wo sich Expats physisch treffen können, sondern auch mehr Angebote im Internet und auf sozialen Medien. «Ich glaube, unter dem Strich ist es einfacher geworden», sagt auch Kathy Hartmann-Campell. Sie höre heute von weniger Fällen, in denen etwa eine Ehe zu Bruch gehe, weil die Integration in der Schweiz zu schwierig sei.

Das Wissen von Expats wurde nicht weitergegeben.
Autor: Meaghan Renner Gründerin «You belong in Basel»

Ein solches Onlineangebot hat die Kanadierin Meaghan Renner während der Corona-Pandemie aufgezogen. «Als ich frisch nach Basel kam, hatte ich den Eindruck, dass alle Expats nochmals ganz von vorn anfangen müssen.» Wissen, das für Expats hilfreich sein kann, sei nicht weitergegeben worden. Das wollte Renner ändern.

Person mit kurzem braunem Haar vor grauer Wand.
Legende: Meaghan Renner startete eine Art «Expat-Wikipedia» für die Region Basel. Meaghan Renner

Zusammen mit einer Freundin gründete Meaghan Renner die Website «You belong in Basel». Die Seite ist auf Englisch und sammelt Tipps und Tricks zum Alltag in der Schweiz. Getragen wird sie von einer Community aus Wahlbaslerinnen und -baslern, die ihre Entdeckungen in Artikeln an andere Zugezogene weitergeben.

Die Telefonlisten der Basler Expats aus den Achtzigerjahren gibt es also immer noch. Sie haben heute einfach eine andere Form und sind für alle einfach auffindbar im World Wide Web.

Regionaljournal Basel Baselland, 21.7.2026, 17:30Uhr ; 

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