In Winterthur haben Busfahrerinnen und Busfahrer heute Morgen gestreikt. Es war eine kleine Premiere für Winterthur, so einen Streik hat es noch nie gegeben. Die Busfahrerinnen und -fahrer legten ihre Arbeit wegen unzumutbarer Arbeitsbedingungen nieder, wie die Gewerkschaft VPOD mitteilte.
Nur rund 20 von 60 Bussen waren auf dem Stadtnetz von Winterthur im Einsatz. Es kam zu Verspätungen und Ausfällen.
SRF-Regionalredaktorin Elisabetta Antonelli war vor Ort und sagte: «Die Streikenden kritisieren zum Beispiel lange Dienstschichten oder fehlende Entschädigungen bei Einsätzen auf Abruf. Auch dass sie zu kurze Ruhezeiten haben, bemängeln sie. Sie streiken auch, weil sie sich offenbar nicht gehört fühlen.»
Die Busfahrerinnen und Busfahrer hatten bereits 2024 eine Petition eingereicht – die wirkungslos blieb. Am Morgen um 4:30 Uhr versammelten sich rund 100 Leute im Busdepot Winterthur. Die Stimmung sei zu Beginn locker gewesen, dann immer aufgeheizter, berichtete SRF-Redaktorin Antonelli.
-
Bild 1 von 4. Busfahrerinnen und Busfahrer haben heute Morgen in Winterthur gestreikt. Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
-
Bild 2 von 4. Eine Premiere für Winterthur: Solche Streiks gibt es in der Schweiz nur selten. Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
-
Bild 3 von 4. Der zuständige Stadtrat Stefan Fritschi war auch vor Ort und diskutierte mit den Streikenden. Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
-
Bild 4 von 4. Mittlerweile ist der Streik wieder beendet und der Fahrplan wird regulär hochgefahren. Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
Gegen 8:30 Uhr wurde der vorübergehende Streik beendet und der Fahrplan wieder regulär hochgefahren. Davor verhandelten Vertreter der Gewerkschaft VPOD beim Depot mit Stadtrat Stefan Fritschi ergebnislos. Weitere Verhandlungen sollen folgen. Für Donnerstag ist ein Gespräch mit dem Stadtrat angesetzt.
Stadtrat Stefan Fritschi signalisierte Bereitschaft zur Diskussion.
«Der zuständige Stadtrat Stefan Fritschi kam um 6:00 Uhr hierher. Er sagte, er wolle hören, wo der Schuh drückt», so Redaktorin Antonelli. Es habe sich sofort eine Menschentraube um ihn herum gebildet. Die Mitarbeitenden hätten ihn sogleich mit ihren Fragen und ihrem Unmut konfrontiert. «Stefan Fritschi signalisierte Bereitschaft zur Diskussion und stellte bereits in Aussicht, dass die Busfahrerinnen und -fahrer Entschädigungen für den Pikettdienst erhalten sollen.»
Die Verhandlungen blieben jedoch ohne Ergebnis. Der VPOD droht nun mit einem ganztägigen Streik, falls bis Mittwoch nächster Woche keine Einigung erzielt wird.
Der Hintergrund
Hintergrund ist ein seit längerem schwelender Konflikt um die Arbeitsbedingungen. Der VPOD kritisiert kurzfristige sogenannte Springertage mit möglichen Minusstunden, zu tiefe Nachtzuschläge sowie Mängel bei Ersatzdiensten und Dienstplanung. Zudem müssten sich Angestellte an Schäden beteiligen, ohne ausreichende rechtliche Grundlage.
Der Stadtrat lässt uns keine andere Wahl
Ein Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, erklärte: «Wir Busfahrer haben in den letzten Jahren unhaltbare Arbeitsbedingungen ausgehalten, um den Nahverkehr in dieser Stadt zu sichern. Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem es so nicht weitergeht. Der Stadtrat lässt uns keine andere Wahl, als in den Streik zu treten.»
Stadtbus Winterthur hatte am Montag erklärt, man bedauere die Unzufriedenheit, halte den Warnstreik jedoch für nicht gerechtfertigt. Verschiedene Anliegen seien bereits erfüllt, für weitere Lösungen in Aussicht gestellt worden. Stadtrat Stefan Fritschi (FDP), dessen Departement die Technischen Betriebe führt, bot laut Stadt Gespräche an. Der VPOD habe diese abgelehnt und zunächst die Erfüllung von Forderungen verlangt.