Die Angestellten von Stadtbus Winterthur sind im Streikmodus: Um bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen, haben die Busfahrerinnen und -fahrer heute Morgen ab 4:30 Uhr die Arbeit niedergelegt. Weil dies nichts brachte, drohen sie nun mit einem ganztägigen Streik.
Statt 64 Busse waren am Dienstagmorgen nur 21 Busse im Einsatz. Die Hauptlinien konnten bedient werden, wenn auch mit Wartezeiten. Viele Verbindungen fielen aber komplett aus. Die Passagiere mussten mit dem Velo oder zu Fuss zur Arbeit oder an den Hauptbahnhof.
Hintergrund des Streiks ist ein seit längerem schwelender Konflikt um die Arbeitsbedingungen fürs Fahrpersonal. Die Gewerkschaft VPOD kritisiert kurzfristig angekündigte «Springertage», mögliche Minusstunden, zu tiefe Nachtzuschläge sowie Mängel in der Dienstplanung. Zudem müssten sich Angestellte an Schäden beteiligen.
«Unhaltbare Arbeitsbedingungen»
«Wir Busfahrer haben in den letzten Jahren unhaltbare Arbeitsbedingungen ausgehalten, um den Nahverkehr in dieser Stadt zu sichern. Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem es so nicht weitergeht. Der Stadtrat lässt uns keine andere Wahl, als in den Streik zu treten», so ein anonymer Mitarbeiter.
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Bild 1 von 4. Busfahrerinnen und Busfahrer haben heute Morgen in Winterthur gestreikt. Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
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Bild 2 von 4. Die Streikenden fordern bessere Arbeitsbedingungen, zum Beispiel höhere Zuschläge für die Nacht- und Sonntagsarbeit – und bessere Lösungen, wenn sie einspringen müssen. Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
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Bild 3 von 4. Der zuständige Stadtrat Stefan Fritschi war auch vor Ort und diskutierte mit den Streikenden. Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
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Bild 4 von 4. Mittlerweile ist der Streik wieder beendet und der Fahrplan wird regulär hochgefahren. Bildquelle: SRF/Elisabetta Antonelli.
Gegen 8:30 Uhr wurde der vorübergehende Streik beendet und der Fahrplan wieder regulär hochgefahren. Die vier Stunden dauernde Aktion zeigte jedoch keinen Erfolg: Gewerkschafter diskutierten beim Busdepot lange mit dem zuständigen Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) – um dann ergebnislos auseinanderzugehen. Weitere Gespräche sollen aber folgen.
Frist bis Mittwoch nächster Woche
Das erste von wohl mehreren Gesprächen ist nun für Donnerstag angesetzt. Falls bis Mittwoch nächster Woche keine Einigung erzielt wird, droht das Personal aber mit einem ganztägigen Streik. Wann dieser stattfinden soll, ist noch offen.
Fritschi zeigte seine Gesprächsbereitschaft. Für gewisse Veränderungen brauche es aber politische Entscheide. Wunder dürfe man deshalb keine erwarten, sagte er vor den Medien.
Fritschi zeigte sich überzeugt, dass Stadtbus auch jetzt schon gute Arbeitsbedingungen biete. Schliesslich verdiene ein Einsteiger ohne Ausbildung einen Jahreslohn von 71'000 Franken. «Ich schliesse aber nicht aus, dass wir gewisse Verbesserungen erzielen können.»
«Lasse mich nicht unter Druck setzen»
Der FDP-Stadtrat betonte gleichzeitig, dass er sich «nicht unter Druck setzen» lasse – auch nicht mit einem Streik. «Streiken ist nicht lösungsorientiert. Es wird viel Geschirr zerschlagen.»
Er habe der Gewerkschaft deshalb angeboten, am Montag nach den kommunalen Wahlen vom 8. März ein erstes Gespräch zu führen. «Aber die Gewerkschaft wollte die Aufmerksamkeit», sagte er weiter. Dass der Streik nun ausgerechnet in der Woche vor den Wahlen stattfand, hat gemäss Fritschi sicher «einen Zusammenhang».
«Unter aller Kanone»
Mit dem Auftritt der Gewerkschaft VPOD und einigen Aktivisten ist Fritschi generell nicht glücklich. So seien etwa Busfahrer, die hätten fahren wollen, vom Arbeiten abgehalten worden. Zudem seien auch Aktivisten vor Ort gewesen, die nichts mit dem Fahrpersonal zu tun gehabt hätten. «Sie haben vermummt Stimmung gemacht.»
Diese Aktivisten hätten sich respektlos und «unter aller Kanone» ihm gegenüber verhalten. «Ich erwarte vom VPOD, dass er solche Leute nicht mehr beizieht.»