Pendlerinnen und Pendler in Winterthur müssen sich am Dienstagmorgen auf Ausfälle einstellen. Das Fahrpersonal von Stadtbus Winterthur will morgen von 4.30 Uhr bis 8.30 Uhr in einen Warnstreik treten. Das hat die Personalversammlung am Sonntag einstimmig beschlossen, wie die Gewerkschaft VPOD am Montagmorgen mitteilte.
Die Gewerkschaft bemängelt die Arbeitsbedingungen bei Stadtbus Winterthur (SBW). Sie verweist auf sehr lange Dienstschichten, verkürzte Ruhezeiten sowie unregelmässige Arbeitszeiten. Das Fahrpersonal arbeite am Limit. Rund 260 Personen arbeiten im Fahrdienst des städtischen Busbetriebs.
«Unter diesen Bedingungen können wir unsere Arbeit nicht mehr so ausführen, wie es unserem Anspruch und der Verantwortung gegenüber den Fahrgästen entspricht», wird ein Mitarbeiter von SBW in der Mitteilung der Gewerkschaft zitiert.
Gesprächsangebot abgelehnt
Tatsächlich seien die Gespräche seit der Kündigung des Gesamtarbeitsvertrags im August 2025 schwieriger geworden, schreibt Stadtbus Winterthur in einer Mitteilung. Dennoch habe man verschiedene Anliegen der Gewerkschaft erfüllen können. Den Dienstplan für das laufende Jahr habe der VPOD für gut befunden.
SBW hält den angekündigten Warnstreik deshalb für nicht gerechtfertigt. Noch am vergangenen Freitag habe der zuständige Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) dem VPOD neue Gesprächstermine angeboten. Die Gewerkschaft habe das Angebot aber abgelehnt.
Fritschi zeigt sich auf Anfrage überrascht über das Vorgehen der Gewerkschaft. Er sei viel im Austausch mit dem Fahrpersonal. «Die Unzufriedenheit, wie sie der VPOD beschreibt, wurde mir in persönlichen Gesprächen so nie kommuniziert», sagt Fritschi.
Er sei aber immer noch gesprächsbereit. Heute Nachmittag wolle er verkünden, dass Busfahrerinnen und Busfahrer eine Entschädigung für den Pikettdienst erhalten. Diese Massnahme sei so oder so geplant gewesen, werde nun aber aus Aktualitätsgründen vorgezogen.
Zeitpunkt kurz vor den Wahlen brisant
In wenigen Tagen – am kommenden Sonntag – sind in Winterthur Gesamterneuerungswahlen. Stefan Fritschi kandidiert fürs Stadtpräsidium. Er ist überzeugt, dass der Zeitpunkt der Streikankündigung nicht zufällig gewählt wurde. «Damit wird jetzt mit grosser medialer Aufmerksamkeit Wahlkampf betrieben», sagt Fritschi.
Das bestreitet Micha Amstad vom VPOD. «Der Entscheid wurde vom Personal basisdemokratisch und einstimmig gefällt.» Zwischen dem Fahrpersonal und SBW brodle es schon lange. «Das geht so nicht mehr weiter.»
Aber auch die Gewerkschaft ist nach wie vor offen für einen Dialog, um einen Streik am Dienstag abzuwenden. «Dafür müssen aber Gespräche über substanzielle Massnahmen geführt werden», sagt Amstad vom VPOD.
Streiks im öffentlichen Verkehr sind in der Schweiz äusserst selten. 2022 streikte das Personal des öffentlichen Verkehrs in Genf. Es forderte den vollen Teuerungsausgleich.