- Der Pharmakonzern Roche hat in Basel ein neues Forschungszentrum eingeweiht.
- In den Labors arbeiten rund 250 Forscherinnen und Forscher unter anderem an der Entwicklung von sogenannten Organoiden.
- Mit diesen Modellen soll das Verständnis für die Funktionsweise von Organen und die Entstehung von Krankheiten verbessert werden, so Roche.
Es klingt unheimlich, soll aber die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigen. Im neuen Forschungslabor von Roche, dem Institute of Human Biology (IHB), werden künstliche menschliche Organe gezüchtet: beispielsweise Gehirn-Teile oder Mini-Därme. Ein solcher Mini-Darm entsteht in zwei Wochen und ist nur ein paar Zentimeter gross.
Diese sogenannten Organoide sind lebende Modelle, konkret 2D- oder 3D-Nachbildungen von menschlichem Gewebe und Organen, die Forscherinnen und Forscher aus menschlichen Stammzellen herstellen. Ein Roboter sei in der Lage, automatisch tausende von Organoiden zu Forschungszwecken bereitzustellen, wie IHB-Co-Direktor Matthias Lütolf bei einer Führung durch das Gebäude erklärte.
Weniger Tierversuche nötig
Mit diesen Organoiden sollen nicht nur Medikamente schneller zum Patienten kommen, sondern auch die Zahl der Tierversuche verringert werden, so Roche. Denn die im Basler Labor gezüchteten Organe stellen die Biologie des Menschen, aber auch Krankheiten, genauer nach als Tiermodelle.
Die Eröffnung des Institute of Human Biology unterstreicht unser klares Bekenntnis zur Schweiz.
Das neue Institut sei aber auch ein Bekenntnis zum Standort, betont Roche-CEO Thomas Schinecker: «Die Eröffnung des Institute of Human Biology unterstreicht unser klares Bekenntnis zur Schweiz als globalen Innovationsstandort.»
Roche investiere derzeit 1.4 Milliarden Franken in die Standortentwicklung in Basel und Kaiseraugst AG. Das Gebäude in Basel hat alleine rund 100 Millionen Franken gekostet. Beim Forschungszentrum handelt es sich um ein totalsaniertes Gebäude aus dem Jahr 2000.
Auf der anderen Seite streicht der Basler Pharmakonzern in der Region aber auch Arbeitsplätze. So gab Roche vor ein paar Wochen bekannt, dass die Produktion des Antibiotikums Rocephin in Kaiseraugst eingestellt werde. Rocephin war einer der ersten Blockbuster des Konzerns.
Diese gegenteilige Entwicklung zeigt deutlich, dass Roche konsequent auf Forschung setzt. Mit dem neuen Zentrum für Humanbiologie setzt der Konzern ein weiteres starkes Zeichen.
Die Investitionen von Roche in den Standort Schweiz begrüsst auch Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider. Die Innenministerin war bei der Eröffnung des Instituts dabei und betont im SRF-Interview: «Die Pharmabranche ist wichtig für das Land, aber auch für die Patientinnen und Patienten.»
Das Verhältnis von Roche und der Schweiz sei, um es in der Business-Sprache zu sagen, ein klarer Win-Win, so Baume-Schneider in ihrer Rede zur Eröffnung.
Bundesrat, Kantone und Branche an einer Life-Science-Strategie
Damit dieses Verhältnis auch in Zukunft gut bleibe, arbeite der Bundesrat derzeit mit der Pharmabranche und den Kantonen an einer Life-Science-Strategie. Dabei geht es auch um das umstrittene Thema Medikamentenpreise. Erste Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr vorliegen.