Die Produkte: Novartis fokussiert auf vier therapeutische Kernbereiche (Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen; Immunologie; Neurologie; Onkologie). Roche forscht ebenfalls in diesen Gebieten. Anders als Novartis will Roche aber Fuss fassen bei den sogenannten Abnehmpräparaten. Allerdings gibt es noch kein fertiges Medikament. Roche will in diesem Bereich aber in Zukunft zu den grössten Anbietern aufsteigen, nach der US-Firma Eli Lilly und der dänischen Novo Nordisk. Novartis fokussiert ausschliesslich auf Medikamente, Roche hat eine Diagnostik-Sparte (Tests wie Corona-Tests).
Die Zukunft: Beide Pharmakonzerne stehen unter ständigem Druck, neue Medikamente zu lancieren, um auslaufende Patente zu kompensieren. Bei Novartis akzentuiert sich die Situation in diesem Jahr aber besonders: In den kommenden Monaten laufen so viele Patente aus wie nie zuvor in der Unternehmensgeschichte. Auch die Preisreduktionen in den USA haben einen Einfluss. Gemäss dem Novartis-Chef ist der Effekt der Preisreduktionen in diesem Jahr aber noch gering und im Umsatzwachstum von fünf bis sechs Prozent durchschnittlich bis im Jahr 2030 berücksichtigt. Längerfristig könnten aber andere und zahlreichere Medikamente betroffen sein. Prognosen gibt es derzeit nicht. Auch Roche ortet längerfristig die Gefahr von Umsatzeinbussen.
Die Dividenden: Die Dividende bei Novartis soll um 20 Rappen auf 3.70 Franken steigen. Bei Roche soll sie um 10 Rappen auf 9.80 Franken erhöht werden, sofern die Generalversammlung zustimmt. Beide Konzerne erhöhen die Dividende seit Jahren. Bei Novartis wäre es das 29. Mal in Folge.
Die Unternehmens-Kulturen: Die Kulturen der Firmen sind unterschiedlich und haben mit der Besitzerstruktur zu tun. Hinter Roche stehen mehrheitlich immer noch die Erben der Gründerfamilien, während bei Novartis institutionelle Anleger das Sagen haben. Sichtbar werden die kulturelle Unterschiede auch an der Jahresmedienkonferenz: Novartis stellte sich dieses Jahr nur in einer halbstündigen Telefonkonferenz den Fragen von Medienschaffenden, Roche lädt traditionell halbjährlich persönlich vor Ort ein. Anwesend ist die gesamte Konzernleitung. Dieses Jahr machte der Roche-Chef wegen der Preisdiskussionen in den USA den Pharmastandort Schweiz zum Thema und lobbyierte so für Roche und die Branche.
Der Umgang mit den USA: Bei Roche kommen mehr als die Hälfte der Medikamenten-Umsätze aus den USA. Auch Novartis macht fast die Hälfte des Umsatzes in den USA. Beide Konzerne investieren in den USA, um allfälligen Zöllen zu entgehen. Roche hat mit US-Präsident Donald Trump einen Vertrag ausgehandelt, dessen Details nicht veröffentlicht werden. Es geht um tiefere Medikamentenpreise, vor allem für neue Medikamente. Ohne diesen Vertrag hätte Roche in Basel Stellen abbauen müssen, wie der Konzernchef letzte Woche betonte. Ob die tieferen Preise in anderen Ländern kompensiert werden über höhere Preise ist Gegenstand politischer Diskussionen. Der Novartis-Chef gab sich vor Journalisten zuversichtlich, dass pragmatische Lösungen mit Regierungen gefunden würden. Die Interessen der beiden Firmen, so unterschiedlich sie auch auftreten, sind bezüglich Preisdiskussionen die gleichen.