In der Schweiz stehen rund 50 Windräder zur Energiegewinnung. Für einen weiteren Ausbau, wie er geplant ist, müssten etwa zehnmal mehr Windräder bis in vier Jahren installiert werden. Der Energiekonzern Axpo schlägt deshalb vor, dass der Bund mehr Entscheidungsbefugnisse erhalten soll. Das könnte so weit gehen, dass er den Kantonen vorschreiben kann, wo Windparks gebaut werden könnten.
Im Windeignungsgebiet Boxloo in Rossrüti bei Wil SG plant die Axpo einen Windpark mit drei Windturbinen. Dort steht seit April ein 125 Meter hoher provisorischer Messmast. Mir ihm werden Daten gesammelt, unter anderem Windgeschwindigkeiten.
Bei einem Kontrollbesuch vor Ort sagt Cédric Aubert, Leiter Windportfolio Schweiz der Axpo, die vielen Kantone seien eine Herausforderung für den Ausbau der Windenergie in der Schweiz.
«Wenn jeder macht, was er will, könnte die Gefahr oder das Risiko bestehen, dass wir nicht genügend Strom produzieren. Wenn die Kantone keine verpflichtenden Ziele haben, werden wir nicht genügend Projekte und Winterstrom haben», erklärt Aubert.
So hat im Kanton Zürich beispielsweise der Regierungsrat letztes Jahr 15 mögliche Gebiete für Windkraftanlagen wieder aufgegeben.
Vorschlag Runder Tisch
Die Axpo schlägt deshalb einen Runden Tisch zur Windenergie vor mit Vertretern von Bund, Kantonen, Gemeinden und weiteren Beteiligten. Dabei solle der Bund kontrollieren, ob die Kantone ihre Ziele für den Ausbau der Windenergie erreichen. Und wenn dies zu wenig nützt, soll der Bund den Kantonen vorschreiben können, wo Windparks gebaut werden könnten.
Zumindest die Kantone, denen die Axpo gehört, zeigen dafür eine gewisse Offenheit. Martin Neukom, grüner Regierungsrat des Kantons Zürich sagt dazu: «Die Kantone mögen es grundsätzlich nicht, wenn man ihnen Kompetenzen wegnimmt, das ist klar. Wenn man aber in den nächsten fünf Jahren sieht, dass es wirklich nicht funktioniert auf kantonaler Ebene, dann darf man auch darüber nachdenken, dass das vielleicht auf Bundesebene gelöst werden sollte.»
Die nächsten Jahre dürften also darüber entscheiden, ob die Kantone ihre Zuständigkeit bei der Windenergie an den Bund verlieren. Auch das Parlament hat bereits die Bewilligungsverfahren für Windkraftanlagen gestrafft. Fortschritte gibt es aber erst, wenn es zu weniger Einsprachen kommt, die die Projekte verzögern. Das gelingt aber nur, wenn transparent informiert und die Bevölkerung beteiligt wird.