- Im Zoo Zürich tapsen seit wenigen Tagen zwei junge Brillenbären durchs Gehege.
- Die beiden Männchen Auki und Amaru kamen Ende Januar zur Welt.
- Für die neunjährige Bärin Rica ist es der erste Nachwuchs.
Sie dürften für viele «Jöö»-Rufe sorgen: die beiden jungen Brillenbären Auki und Amaru. Sie tapsen seit einigen Tagen durch den Sangay-Bergnebelwald im Zoo Zürich.
Zu erkennen sind die beiden Bären an ihrem dunklen Fell und – wie der Name bereits verrät – an den hellen Ringen, die wie Brillengestelle die Augen umrahmen.
Geboren wurden die beiden Männchen bereits Ende Januar. Die ersten drei Monate verbrachten sie aber mit ihrer Mutter Rica in der Wurfbox hinter dem Gehege, denn bei der Geburt waren sie blind, fast haarlos und hilflos. Neugeborene Brillenbären wiegen nur zwischen 320 und 370 Gramm, ausgewachsen werden die Männchen bis zu 175 Kilogramm schwer. Laut Zoodirektor Severin Dressen entwickelten sich die beiden Jungbären inzwischen sehr gut.
Nun klettern sie über Äste, folgen ihrer Mutter durchs Gehege und erkunden ihre neue Umgebung. In den kommenden zwei Jahren lernen sie von ihrer Mutter Rica, wie sie Nahrung finden und sich sicher in den Bäumen bewegen. Die Tiere ernähren sich vor allem pflanzlich und fressen nur selten Fleisch.
Bedrohte Bären aus den Anden
Der Vater der Jungtiere kam vor zwei Jahren aus den USA nach Zürich. Laut dem Zoo bringt er Erbanlagen mit, die im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm bisher fehlten. Für die Reservepopulation gelte das als wertvoll.
Brillenbären sind die einzigen Grossbären Südamerikas und gelten als bedroht. Sie leben gewöhnlich in den Berg- und Nebelwäldern der Anden sowie in Gras- und Buschlandschaften der Hochanden.
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Bild 1 von 3. Brillenbären können sich an verschiedene Lebensräume anpassen, von tropischen Wäldern bis zu trockenem Buschland. Bildquelle: Keystone / Gaetan Bally.
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Bild 2 von 3. Brillenbären können über 30 Jahre alt werden. 2022 feierte die Brillenbärin Sisa im Zoo Zürich ihren 30. Geburtstag und galt damit als älteste Vertreterin ihrer Art in Europa. Bildquelle: Keystone / Gaetan Bally.
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Bild 3 von 3. Das Gehege im Zoo teilen sich die Bären mit Weissrüssel-Nasenbären. Bildquelle: Keystone / Gaetan Bally.
Doch ihr Lebensraum schrumpft. Wälder weichen Viehzuchtweiden, Strassen und Gasleitungen. Zudem jagen Menschen die Tiere, weil sie Felder plündern oder als Bedrohung gelten.
Auch Fleisch, Fell und Gallenblasen treiben die Wilderei an. Wie die Natur- und Umweltschutzorganisation WWF schreibt, würden die Gallenblasen der Tiere häufig in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet, da sie bei Kopfschmerzen, Magen- und Darmbeschwerden helfen sollen, oder als potenzsteigerndes Mittel oder Antiseptikum angewendet würden.
Brillenbären bringen nur alle paar Jahre ein bis zwei Junge zur Welt. Fachleute schätzen den Bestand auf weniger als 25'000 Tiere.