Darum gehts: Einmal mehr zeigt ein neuer Bericht, dass der Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz sich verschlechtert hat. Was der neue Bericht des BAG ebenfalls hervorhebt: Diese Verschlechterungen haben bei Mädchen und jungen Frauen am stärksten zugenommen. Das betrifft sowohl psychische Probleme als auch körperliche Symptome.
Zunehmende Belastung: Zahlreiche Indikatoren weisen laut dem Bericht Kidshealth darauf hin, dass Mädchen, junge Frauen und sozial benachteiligte Gruppen eine stärkere Zunahme von Belastungen berichten. Dies ist etwa bei psychischen Auffälligkeiten wie depressiven Symptomen messbar, bei denen Frauen häufiger betroffen sind. Mädchen und junge Frauen gehen auch vermehrt wegen psychischer Erkrankungen und Suizidversuchen in eine Klinik.
Ausgeprägt ist in der oben gezeigten Grafik besonders die Zunahme seit 2017. Bei Mädchen und jungen Frauen beträgt sie 41 Prozent, bei Jungen und jungen Männern lediglich 5.9 Prozent. Auch somatische Beschwerden sind laut dem Bericht bei Jugendlichen häufig und tendenziell steigend. Mädchen und junge Frauen berichten häufiger von Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen.
Expertin mahnt zur Vorsicht: «Wir wissen aus anderen Studien, dass Mädchen etwa bei Stress und psychischer Belastung sehr viel höhere Werte berichten», sagt Filomena Sabatella. Sie ist Co-Leiterin der Gruppe klinische Psychologie im Kindes- und Jugendalter an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Trotzdem mahnt sie zur Vorsicht: «Möglich ist auch, dass Symptome, die abgefragt werden, sich bei weiblichen Jugendlichen klarer zeigen als bei männlichen Jugendliche.»
Depressionen und Ängste: Grundsätzlich aber kann Sabatella, die Kinder und Jugendliche therapeutisch behandelt, viele Erkenntnisse des Berichts aus der eigenen Praxis bestätigen. Mädchen und junge Frauen würden etwa häufig von familiären Belastungen berichten. Auch in der Schule oder Lehre würden Belastungen oftmals offensichtlich. «Viele berichten auch von depressiven Beeinträchtigungen und Essstörungen oder auch von Ängsten.» In der Therapie gehe es unter anderem darum, wie man mit diesen Belastungen umgehen könne.
Pandemie und Tiktok: Die Ursachen für die Zunahme bei psychischen Auffälligkeiten sind laut dem Bericht Kidshealth vielfältig. So erlebten Kinder und Jugendliche während und nach der Covid-Pandemie die Arbeit für die Schule als deutlich stressreicher. Auch hier berichten weibliche Befragte von einer höheren Belastung. Wo Mädchen und junge Frauen ebenfalls eine grössere Zunahme aufweisen, ist bei problematischer Social-Media-Nutzung. Auf digitalen Plattformen würden oft idealisierte Lebensentwürfe präsentiert, sagt Sabatella dazu. Kinder und Jugendliche könnten sich bei starker Nutzung tendenziell häufiger mit anderen vergleichen.
Geschlechtersensible Hilfe wird wichtiger: Vieles werde bereits getan, um jungen Menschen zu helfen, sagt Sabatella. In Bezug auf Mädchen und junge Frauen sei es wichtig, bei der Präventionsarbeit und bei Hilfsangeboten geschlechtersensibel zu arbeiten. Grundsätzlich werde in diversen Studien belegt, dass junge Menschen grundsätzlich stark psychisch belastet seien. «Ein Indikator dafür ist, dass immer mehr junge Menschen eine IV-Rente beziehen wegen einer psychischen Erkrankung.» Unabhängig vom Geschlecht sei es wichtig, weniger Druck auf Kinder und Jugendliche auszuüben. Denn der Leistungsdruck in der Schule und Lehre sei enorm gestiegen.