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Bazl-Chef Christian Hegner «Rein militärische Überflüge lehnen wir ab»

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt ist für die Kontrolle der Fluggesellschaften, Flughäfen oder Skyguide verantwortlich. Nach über 10 Jahren als Direktor geht Christian Hegner in Pension. Die Weltlage fordert ihn bis zum letzten Arbeitstag.

Christian Hegner

Direktor des Bundesamtes für Zivilluftfahrt Bazl

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Seit 10 Jahren führt Christian Hegner das Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl. In diese Zeit fielen Corona, der Absturz des historischen Flugzeugs Ju-52 und auch der Absturz des FA-18. Ende März 2026. Nun geht Christian Hegner in Pension.

SRF: Aufgrund des Iran-Kriegs müssen militärische Überflüge der USA über die Schweiz bewilligt werden, wie viele Gesuche haben sie behandelt?

Christian Hegner: Wir hatten etwa ein Dutzend solcher Anfragen. Rein militärische Flüge, die in einem nahen Zusammenhang mit kriegerischen Handlungen stehen, lehnen wir ab. Wenn wir nicht wissen, was transportiert wird, gibt es keine Bewilligung, denn es könnten Waffen oder Raketen sein. Diese Entscheide fällen wir immer im Verbund mit dem Aussen- und dem Verteidigungsdepartement. In heiklen Fällen entscheidet der Bundesrat.

Gibt es Ausnahmen?

Ja, wenn es sich um humanitäre Flüge handelt. Ein gutes Beispiel sind Krankentransporte. Wenn verletzte Personen an einen Hub in Europa – Frankfurt am Main ist so einer für die Amerikaner – zurückgeflogen werden, kann es Sinn ergeben, den kürzesten Weg über die Schweiz zu nehmen. Ein oder zwei solcher Flüge haben stattgefunden.

Airlines wie die Swiss haben momentan Flüge in die Golfregion eingestellt. Das Bazl spricht Empfehlungen aus, aber keine Verbote?

Wenn wir etwas verbieten und nachher liegen wir falsch, könnte das zu Staatshaftungsansprüchen führen, weil die Fluggesellschaften Verluste gemacht haben. Grundsätzlich entscheiden die Airlines selbst, da sie nicht über unsichere Gebiete fliegen wollen.

Die Zahl der Passagiere, die sich bei uns beschweren, hat merklich zugenommen.

Das Bazl ist auch Beschwerdestelle bei Forderungen von Entschädigungen. Spüren Sie die Folgen von Flugausfällen und Verspätungen?

Ja, die Zahl der Passagiere, die sich bei uns beschweren, hat merklich zugenommen. Das liegt aber weniger an den aktuellen Krisen als vielmehr daran, dass nach der Corona-Zeit generell wieder viel mehr Leute fliegen.

Skyguide ist kein Sorgenkind, aber eine grosse Herausforderung.

Die Eidgenössische Finanzkontrolle bezeichnete die Situation bei der Flugsicherung Skyguide als «heikel». Was muss sich dort ändern?

Skyguide ist kein Sorgenkind, aber eine grosse Herausforderung. Das Wichtigste ist die Systemstabilität. Die ganze IT-Landschaft wird modernisiert. Man muss sich das wie eine Operation am offenen Herzen vorstellen, die während des laufenden Betriebs stattfindet. Das Management ist bestrebt, wesentliche Änderungen herbeizuführen, aber wir sind noch nicht in allen Belangen zufrieden.

Bei der Aufsichtsrolle geht es oft um Leben und Tod. Wie gehen Sie mit einem Fall um, wie etwa dem Tod des Flugbegleiters, als es zu Problemen mit den Atemmasken kam?

Diese Situation ist sehr problematisch, zumal der Mangel bereits bekannt war. Ein Programm zum Austausch der Masken lief schon seit einem Jahr, als der tragische Unfall passierte. Wir haben danach unsere Lehren gezogen und vor allem die Ausbildung und die Schulung im Umgang mit diesen Masken verbessert.

Sie gehen nun in Pension. Sie haben selbst ein Flugzeug gebaut?

Ja, der Bau kommt jetzt zum Abschluss. Der grosse Vorteil ist: Ich habe keinen Interessenkonflikt mehr und muss das Flugzeug nicht selbst für den Flugverkehr abnehmen. Bundesrat Albert Rösti hat meiner Nachfolgerin aber gesagt, sie solle es sehr genau prüfen – das ist ja auch in meinem eigenen Interesse, wenn ich dann selbst drinsitze.

Das Gespräch führte Karoline Arn.

Tagesgespräch vom 27.03.2026, 13 Uhr ; 

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