Baselbieter Polizeiangehörige sind unzufrieden: Unregelmässige Arbeitszeiten, Überstunden und zunehmende Gewalt prägen ihren Alltag, doch ihr Lohn ist tief. Frust hat eine Verbandsumfrage schon 2024 dokumentiert und die Personalbefragung des Kantons letztes Jahr tat es erneut. Laut dem Personalverband der Polizei Basel-Landschaft (PVPBL) sind seine Leute verwaltungsintern am wenigsten zufrieden mit Lohn und Zulagen.
Wohl Schweizer Premiere
Jetzt haben Polizistinnen und Polizisten genug: Sie lancieren eine Volksinitiative und eine Petition. Das dürfte das erste Mal sein, dass ein Schweizer Polizeikorps so die Bevölkerung um Unterstützung für mehr Lohn ersucht.
«Die Polizei ist ja für das Volk da, und schliesslich geht es um die Sicherheit der Bevölkerung», sagt PVPBL-Präsident Ivo Corvini. Bei Unzufriedenen sei die Leistung meistens nicht so gut. Das Volksbegehren solle nun politisch Druck machen.
Beschlossen wurde der Schritt am Mittwoch an der Generalversammlung des PVPBL, der 600 Mitglieder hat. Die Initiative ist nicht ausformuliert und nennt keine Zahlen. Sie fordert vom Kantonsparlament, dass die Polizeilöhne «so rasch wie möglich substanziell erhöht werden» sollen.
Polizei-Kita vorgeschlagen
Die Petition schlägt derweil konkrete Massnahmen vor, wie die Gesundheit der Polizeiangestellten besser geschützt wird und wie ihr Beruf besser mit Familie und Freizeit unter einen Hut zu bringen ist. Auf dieser Liste steht neben einer offenen Führungskultur, flexiblen Schichten und Teilzeitjobs auch für Kader unter anderem auch eine Kinderbetreuung in Polizeigebäuden.
Bei uns weiss man nie, wann man Feierabend hat
«Bei uns weiss man nie, wann man Feierabend hat», sagt Anna Riesen; sie ist seit elf Jahren Polizistin. «In einer normalen Kita geht das einfach nicht. Es gibt kaum Kitas, wo man Kinder vor sechs Uhr bringen und nach 18 Uhr abholen kann.» Diese üblichen Zeiten seien mit ihrem Beruf schlicht nicht zu vereinbaren.
Selbst innerhalb der Baselbieter Sicherheitsdirektion werde die Polizei nicht fair behandelt, kritisiert Adrian Butz, der seit 34 die Polizeiuniform trägt: «In der Staatsanwaltschaft ist man ab 60 vom Pikett befreit – warum geht das bei uns nicht?» Er würde gerne bis zur Pensionierung aktiv sein, aber nicht mehr ständig Nachtdienste schieben.
Nachbarkanton macht vorwärts
Das Baselbiet drohe Boden zu verlieren: Angesichts eines dreistelligen Unterbestandes gönnt Basel-Stadt seiner Polizei eine Arbeitsmarktzulage und arbeitet an besseren Bedingungen. Das ganze Paket sei gerade für Jüngere wichtig, also matchentscheidend für neue Anstellungen, mahnt Butz. Die Umsetzung werde Zeit brauchen, doch gerade deshalb erwarte er jetzt ein «klares Bekenntnis» der Baselbieter Politik zu ihrer Polizei.
Eine gute, gut ausgebildete Polizei muss auch etwas kosten.
Auch Max Hofmann, Generalsekretär des Verbandes Schweizerischer Polizeibeamter, warnt, es brauche attraktive Bedingungen für die Rekrutierung. Baselland bezahle im interkantonalen Vergleich eher tiefe Löhne. «Die Bevölkerung muss wissen: Eine gute, gut ausgebildete Polizei muss auch etwas kosten.»
Der Kanton Baselland nimmt auf Anfrage noch nicht Stellung zu den Forderungen. Eine interne Analyse sei gemacht, aber noch nicht fertig ausgewertet. Die Ergebnisse sollen im Frühsommer publiziert werden.
Baselbieter Polizistinnen und Polizisten haben jetzt begonnen, Unterschriften zu sammeln. Das tun sie ausdrücklich in der Freizeit und ohne Uniform.