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Bessere Arbeitsbedingungen Baselbieter Polizeiangehörige fordern per Initiative mehr Lohn

Harter Job, schlecht bezahlt – jetzt sammelt der Polizeipersonalverband Unterschriften für bessere Arbeitsbedingungen.

Baselbieter Polizeiangehörige sind unzufrieden: Unregelmässige Arbeitszeiten, Überstunden und zunehmende Gewalt prägen ihren Alltag, doch ihr Lohn ist tief. Frust hat eine Verbandsumfrage schon 2024 dokumentiert und die Personalbefragung des Kantons letztes Jahr tat es erneut. Laut dem Personalverband der Polizei Basel-Landschaft (PVPBL) sind seine Leute verwaltungsintern am wenigsten zufrieden mit Lohn und Zulagen.

Wohl Schweizer Premiere

Jetzt haben Polizistinnen und Polizisten genug: Sie lancieren eine Volksinitiative und eine Petition. Das dürfte das erste Mal sein, dass ein Schweizer Polizeikorps so die Bevölkerung um Unterstützung für mehr Lohn ersucht.

Volksbegehren aus Polizeikreisen

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In der Thematik ist die Baselbieter Initiative neu, nicht aber im Vorgehen: Vor zwanzig Jahren gab es im Kanton Aargau eine Initiative aus dem kantonalen Polizeikorps, wie sich Max Hofmann erinnert. Er ist Generalsekretär des Verbandes Schweizerischer Polizeibeamter (VSPB).

Damals wurde nicht mehr Lohn verlangt, sondern eine höhere Dotierung. Konkret wollte diese Initiative in der Verfassung festschreiben lassen, dass pro 700 Einwohnerinnen und Einwohner ein Polizist oder eine Polizistin angestellt sein solle.

Hofmann begrüsst, dass mit Initiativen zurückhaltend umgegangen wird: Das Instrument bleibe besser wichtigen Anliegen vorbehalten, damit es sich nicht abnutze.

«Die Polizei ist ja für das Volk da, und schliesslich geht es um die Sicherheit der Bevölkerung», sagt PVPBL-Präsident Ivo Corvini. Bei Unzufriedenen sei die Leistung meistens nicht so gut. Das Volksbegehren solle nun politisch Druck machen.

Baselbieter Polizist mit Mikrofon
Legende: Im Baselbieter Polizeikorps macht sich Frust breit, weil der harte Job zu wenig abgegolten werde. (Archivbild) Keystone/Georgios Kefalas

Beschlossen wurde der Schritt am Mittwoch an der Generalversammlung des PVPBL, der 600 Mitglieder hat. Die Initiative ist nicht ausformuliert und nennt keine Zahlen. Sie fordert vom Kantonsparlament, dass die Polizeilöhne «so rasch wie möglich substanziell erhöht werden» sollen.

Polizei-Kita vorgeschlagen

Die Petition schlägt derweil konkrete Massnahmen vor, wie die Gesundheit der Polizeiangestellten besser geschützt wird und wie ihr Beruf besser mit Familie und Freizeit unter einen Hut zu bringen ist. Auf dieser Liste steht neben einer offenen Führungskultur, flexiblen Schichten und Teilzeitjobs auch für Kader unter anderem auch eine Kinderbetreuung in Polizeigebäuden.

Bei uns weiss man nie, wann man Feierabend hat
Autor: Anna Riesen Polizistin im Kanton Basel-Landschaft

«Bei uns weiss man nie, wann man Feierabend hat», sagt Anna Riesen; sie ist seit elf Jahren Polizistin. «In einer normalen Kita geht das einfach nicht. Es gibt kaum Kitas, wo man Kinder vor sechs Uhr bringen und nach 18 Uhr abholen kann.» Diese üblichen Zeiten seien mit ihrem Beruf schlicht nicht zu vereinbaren.

Selbst innerhalb der Baselbieter Sicherheitsdirektion werde die Polizei nicht fair behandelt, kritisiert Adrian Butz, der seit 34 die Polizeiuniform trägt: «In der Staatsanwaltschaft ist man ab 60 vom Pikett befreit – warum geht das bei uns nicht?» Er würde gerne bis zur Pensionierung aktiv sein, aber nicht mehr ständig Nachtdienste schieben.

Nachbarkanton macht vorwärts

Das Baselbiet drohe Boden zu verlieren: Angesichts eines dreistelligen Unterbestandes gönnt Basel-Stadt seiner Polizei eine Arbeitsmarktzulage und arbeitet an besseren Bedingungen. Das ganze Paket sei gerade für Jüngere wichtig, also matchentscheidend für neue Anstellungen, mahnt Butz. Die Umsetzung werde Zeit brauchen, doch gerade deshalb erwarte er jetzt ein «klares Bekenntnis» der Baselbieter Politik zu ihrer Polizei.

Eine gute, gut ausgebildete Polizei muss auch etwas kosten.
Autor: Max Hofmann Generalsekretär des Verbandes Schweizerischer Polizeibeamter

Auch Max Hofmann, Generalsekretär des Verbandes Schweizerischer Polizeibeamter, warnt, es brauche attraktive Bedingungen für die Rekrutierung. Baselland bezahle im interkantonalen Vergleich eher tiefe Löhne. «Die Bevölkerung muss wissen: Eine gute, gut ausgebildete Polizei muss auch etwas kosten.»

Baselbieter Polizistin bei einem Einsatzfahrzeug
Legende: Wer bei der Kantonspolizei Pikettdienst hat, muss zu jeder Tages- und Nachtzeit ausrücken. (Archivbild) Keystone/Georgios Kefalas

Der Kanton Baselland nimmt auf Anfrage noch nicht Stellung zu den Forderungen. Eine interne Analyse sei gemacht, aber noch nicht fertig ausgewertet. Die Ergebnisse sollen im Frühsommer publiziert werden.

Baselbieter Polizistinnen und Polizisten haben jetzt begonnen, Unterschriften zu sammeln. Das tun sie ausdrücklich in der Freizeit und ohne Uniform.

Regionaljournal Basel Baselland, 19.3.2026, 6:31 Uhr ; 

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