Fahnenschwingen, Alphornklänge, farbenfrohe Trachten und Jodelchöre an jeder Strassenecke. Das 32. Eidgenössische Jodlerfest füllt die Basler Innenstadt mit Menschen – trotz den höchsten Temperaturen seit Messbeginn.
Das Jodlerfest brachte einen Teil Schweizer Tradition nach Basel, der den Baslerinnen und Baslern nicht (mehr) geläufig sein dürfte. Heute gibt es nur noch zwei Jodelclubs in der Stadt, zu Spitzenzeiten waren es etwa 20. Feiert Jodeln in Basel nun ein Comeback? Und was bleibt von diesem Grossanlass in Erinnerung?
1. Die Rekordhitze
Bereits kurz nach der Eröffnungsfeier am Freitagnachmittag misst das Thermometer Rekordtemperaturen von über 38 Grad. Am Samstag sind es sogar 39 Grad. Die Alphornbläser und Jodlerinnen haben Respekt vor der Hitze, wissen sich aber zu helfen.
«Wir trinken einfach Panaché statt Bier», sagt eine Jodlerin gegenüber SRF. «Wir schauen gut zueinander», sagt jemand anderes. Sobald der bewertete Wettvortrag vorbei ist, werden die schwarzen Trachtenschuhe gegen Sandalen ausgetauscht.
Gerade ältere Leute haben sich wegen der Hitze entschuldigt.
Trotzdem hat die Sanität deutlich mehr zu tun als sonst. Zwischen Freitag und Sonntag fährt sie rund 300 Einsätze, das sind 50 Prozent mehr als gewöhnlich. Um die vielen Notfälle behandeln zu können, steht auch Personal im Einsatz, das eigentlich frei hätte.
Gemessen an den hohen Temperaturen sei das Fest aber reibungslos über die Bühne gegangen, sagt der Vizepräsident des Organisationskomitees, Thomas von Arx. Ein paar Kühlschränke seien wegen der Hitze ausgefallen, ansonsten gäbe es keine grösseren Pannen zu vermelden.
2. Weniger Gäste
Die Hitze hat Auswirkungen auf die Besucherzahlen. Besonders während des Festumzugs durch die Innenstadt bleiben die sonnigen Abschnitte der Route eher dünn besetzt, unter anderem die Mittlere Brücke. «Gerade ältere Leute, auch in meinem Umfeld, haben sich entschuldigt, weil sie bei dieser Hitze nicht nach Basel kommen mögen», sagt von Arx.
Ich glaube schon, dass den Basel-Städtern unser Brauchtum gut tut.
Die erhofften Besucherinnenzahlen hätten sie trotz der hohen Temperaturen erreicht, sagt Thomas von Arx gegenüber SRF. Besonders am Abend sei das Jodlerdorf auf dem Petersplatz jeweils sehr gut besucht gewesen. Das OK sei zufrieden und erleichtert: «Es war eine so tolle Stimmung und wir haben gestern am Umzug viel Dankbarkeit gespürt.»
3. Der Stadt-Land-Graben
Bereits im Vorfeld wurden die kulturellen Unterschiede zwischen Stadt und Land thematisiert – und die Frage, ob die Alpen-Folklore überhaupt zu Basel passt. Diesen Gegensatz nimmt auch das Motto des Jodlerfests auf, es lautet: «Stadt und Land mitenand».
«Das ist ein unglaublich passendes Motto, vor allem in Zeiten, in denen man häufig von diesem Stadt-Land-Graben redet», findet Conradin Cramer, der Regierungspräsident von Basel-Stadt.
Auch die oberste Jodlerin zieht nach drei Tagen in Basel ein positives Fazit: «Den Stadt-Land-Graben hat man an diesem Fest ganz sicher nicht gemerkt. Und das ist auch richtig so! Wir können dann nachher wieder andere Meinungen haben», sagt die Präsidentin des eidgenössischen Jodlerverbands, Karin Niederberger.
Die «Ländlerin» Karin Niederberger aus Malix GR dürfte erfüllt nach Hause fahren: «Ich glaube schon, dass den Basel-Städtern unser Brauchtum gut tut», sagt sie zu SRF. Und auch der «Städter» Conradin Cramer gibt sich zufrieden: «Es ist berührend, was uns hier geschenkt worden ist. Und wir haben der Schweiz gezeigt, was unsere Basler Gastfreundschaft bedeutet.»
Wer weiss, vielleicht kann der heiss debattierte Stadt-Land-Graben durch gemeinsames Schwitzen überwunden – oder zumindest überbrückt werden.