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Blockiert für Jahre? Neuer Widerstand gegen Ausbaupläne von Basler Pharmakonzern Roche

Die Baupläne sorgten bereits in der Politik für Kritik – jetzt sieht sich Roche zusätzlich mit einem möglicherweise langwierigen juristischen Verfahren konfrontiert.

Roche hat grosse Baupläne in Basel: Der Pharmakonzern will sein Südareal direkt am Rhein umgestalten. Mehrere Gebäude sollen abgerissen werden. Es soll ein Park und ein Besucherzentrum entstehen und langfristig könnte auch ein drittes Hochhaus, der Bau 3, dazukommen. Das Parlament hat diese Pläne im Herbst 2025 trotz reichlicher Kritik abgesegnet. Jetzt aber folgt ein juristisches Nachspiel, mit möglichen langwierigen Folgen für den Basler Weltkonzern.

Roche-Türme in Basel.
Legende: Das Roche-Areal wird seit Jahren stetig weiterentwickelt. Unter anderem wurden hier mit den beiden Roche-Türmen die höchsten Gebäude der Schweiz errichtet. REUTERS / Denis Balibouse

D’Souza will sich juristisch wehren. Es gehe ihm dabei auch um Grundsätzliches, wie er sagt. Der Anwohner kritisiert, dass Roche seiner Meinung nach mit dem Ja des Parlaments zum Bebauungsplan eine Art Freipass bekommen habe.

Wir leiden wirklich unter diesen Bauprojekten und den ganzen Begleiterscheinungen.
Autor: Michael D’Souza Rekurrent

«Wir leiden wirklich unter diesen Bauprojekten und den ganzen Begleiterscheinungen», sagt Anwohner Michael D’Souza. So wie ihm gehe es vielen weiteren Anwohnenden um das Roche-Areal.

D’Souza spricht von einer «Carte Blanche» für einen dritten Turm, den Bau 3. Die Diskussion über den Turm sei in der Parlamentsdebatte über den Bebauungsplan untergegangen. Denn diese habe sich auf zwei Dinge fokussiert: auf ein altes Industriegebäude, das Roche abreissen will (Bau 52), und auf die Frage, ob der Park nur für Roche-Mitarbeitende zugänglich sein soll.

Kritik am Verfahren: «Bebauungsplan soll keine Vision auf Vorrat sein»

Die Diskussion über den Bau 3 sei zu kurz gekommen, sagt D’Souza. Notabene geht es dabei um Pläne für ein Gebäude, das die bisherigen Roche-Türme überragen würde. Mit 221 Metern wäre es das höchste Hochhaus der Schweiz. Sollte es je gebaut werden.

Roche-Bebauungsplan abgesegnet – Baugesuch für Turm offen

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Visualisierung von möglichen Bauplänen
Legende: Gibt es in Zukunft einen dritten Roche-Turm? Anwohner wehren sich schon, obwohl sich Roche gar noch nicht festgelegt hat. Roche

Das Basler Parlament hat dem Bebauungsplan im Oktober 2025 zugestimmt.

Der Entscheid fiel trotz Widerstand aus Architekturkreisen und einer Petition mit über 600 Unterschriften. SP, Grüne und Basta scheiterten mit ihrem Vorhaben, den Bebauungsplan abzuändern.

Der Bebauungsplan bildet die juristische Grundlage für weitere Bautätigkeiten auf dem Areal. Gegen diesen Bebauungsplan geht der Anwohner Michael D’Souza nun juristisch vor. Sollte er den Fall bis vor Bundesgericht ziehen, könnte das ein jahrelanges Verfahren zur Folge haben.

Wenn Roche den neuen Turm (Bau 3) bauen will, muss das Unternehmen jedoch noch ein Baugesuch einreichen. Dieses müsste von den Behörden genehmigt werden. Gegen Baugesuche können Einsprachen gemacht werden.

Festzuhalten ist, dass Roche keinen Freipass erhalten hat. Für den Bau 3 müsste das Unternehmen ein Baugesuch stellen. Trotzdem hält D’Souza das Vorgehen für falsch. Mit dem Ja zum Bebauungsplan sei der Weg bereits vorgegeben. «Ein Bebauungsplan hat kurze und mittelfristige Bedürfnisse abzudecken und nicht langfristige Visionen auf Vorrat.»

Bau 3 ist Teil der langfristigen Vision. Aktuell gibt es dafür jedoch kein konkretes Projekt.
Autor: Stellungnahme Roche

Roche nimmt gegenüber SRF schriftlich Stellung. «Bau 3 ist Teil der langfristigen Vision. Aktuell gibt es dafür jedoch kein konkretes Projekt. Der Bedarf nach weiteren Arbeitsplätzen in Basel hängt von der Entwicklung von Roche im globalen Umfeld ab.»

In den Berichten des Basler Parlaments heisst es ausserdem, es werde keine zusätzlichen Büroflächen geben. Der neue Turm würde Ersatzflächen für jene Gebäude bieten, die mit der Transformation verschwinden. Deshalb würde auch kein zusätzlicher Verkehr entstehen.

Visualisierung von möglichen Bauplänen
Legende: Mit einer Höhe von rund 221 Metern wäre der dritte Turm noch höher als die beiden bestehenden Gebäude. Ob dieser dritte Turm aber je realisiert wird, ist völlig offen. Roche

Das Basler Baudepartement nimmt wegen des laufenden Verfahrens keine Stellung. Es teilt jedoch mit, dass es mit dem Rekurs gerechnet habe.

Könnte juristischer Spiessrutenlauf Ausbaupläne blockieren?

Formal hat der Rekurs keine aufschiebende Wirkung. Roche kann also weiterhin planen. Zumindest bis ein Gericht anders entscheiden würde. Mehrere Fachleute sagen aber gegenüber SRF, dass Roche blockiert sei, möglicherweise auf Jahre hinaus. Denn Anwohner Michael D’Souza kündigte an, notfalls bis vor Bundesgericht zu gehen.

Das Verfahren könnte demnach Jahre dauern. Denn Roche wird sich wohl hüten, bis dahin vollendete Tatsachen zu schaffen und trotz des laufenden Verfahrens mit dem Bau zu beginnen. Das würde kein gutes Bild abgeben – gerade auch, weil Teile der Politik in Basel zuletzt immer lauter gefragt haben, ob der Kanton den grossen Pharmafirmen nicht ohnehin schon zu sehr den Hof mache.

Regionaljournal Basel Baselland, 11.2.2026, 17:30 Uhr ; 

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