Ab heute Montag werden die Anwälte der Angeklagten und später auch die der Familien der Opfer der Brandkatastrophe in Crans-Montana die Bilder der Überwachungskameras der Bar «Le Constellation» sehen können. Die Aufnahmen sind zum Zeitpunkt des Brandes in der Neujahrsnacht aufgenommen worden, bei dem 41 Menschen, darunter 20 Minderjährige, ums Leben gekommen sind.
Es handelt sich um Videomaterial, das von den Ermittlern aus den Aufzeichnungen von insgesamt 14 Kameras zusammengetragen wurde. Die Kameras befanden sich im Innern der Bar und in den Strassen um die Diskothek.
Diese Bilder sind entscheidend, um zu ermessen, was diese Jugendlichen in den weniger als zwei Minuten erlebt haben, die sie das Leben gekostet oder lebenslange Verletzungen verursacht haben.
Sie dokumentiert vor allem die acht entscheidenden Minuten, in denen sich die Tragödie in der Kellerbar ereignet hat: zwischen 1:20 Uhr und 1:28 Uhr am 1. Januar 2026, bis der Strom unterbrochen wurde.
Schockierendes Videomaterial
Die aufgezeichneten Videos zeigen, wie sich das Feuer ausbreitet und wie die Gäste verzweifelt versuchten, zu fliehen. Hinzu kommen Fotos, die die Polizei nach dem Brand in der Bar gemacht hat. Mehrere davon «zeigen die Körper der Verstorbenen», heisst es in einer Verfügung der Walliser Staatsanwaltschaft, wie «Le Matin Dimache» und die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichten.
Die betroffenen Familien würden die Bilder in einer zweiten Phase ab dem 30. April sehen können, wie mehrere Anwälte erklärten. Einige Familienangehörige verweigerten sich diesen Bildern, andere Angehörige von verstorbenen Opfern wollen die Tatsachen hingegen unbedingt sehen.
Die Genfer Anwältin Catherine Hohl-Chirazi, die eine Opferfamilie vertritt, sagte gegenüber dem «Matin Dimanche»: «Diese Bilder sind entscheidend, um zu ermessen, was diese Jugendlichen in den weniger als zwei Minuten erlebt haben, die sie das Leben gekostet oder lebenslange Verletzungen verursacht haben.»
Ablauf der Ereignisse verstehen
Die Anwälte und Angehörigen der Verstorbenen werden sich die Bilder der Videoüberwachung ansehen können, die das Feuer im Inneren der Bar zeigen. Aufgrund des «äusserst sensiblen Charakters» dieser Aufnahmen hat die Walliser Justiz besondere Vorsichtsmassnahmen getroffen, um ein Durchsickern dieses Bildmaterials zu verhindern. Die Visionierung wird in kleinen Gruppen bei der Kantonspolizei in Sitten stattfinden.
Die Bilder sollen es ermöglichen, den Ablauf der Ereignisse und die Rolle der Beteiligten besser zu verstehen, sagte die Anwältin Sophie Haenni dem «Matin Dimanche».
Zudem sind für den Monat Mai «neue Verhöre angesetzt», auch mit dem Barbetreiber-Ehepaar Moretti. Das sagte der italienische Anwalt Alessandro Vaccaro der Agentur Ansa, der die Familie von Emanuele Galeppini, eines Golfchampions aus Genua, vertritt, der in Crans ums Leben kam.