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Brand in Crans-Montana Vermittler Kurth: «Runder Tisch ist gerechter und effizienter»

Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana sollen sich Opfer, Hinterbliebene, Versicherer und Behörden an einen runden Tisch setzen. Als Leiter der Runde hat der Bundesrat jüngst den ehemaligen Neuenburger Regierungsrat Laurent Kurth eingesetzt. Vor zwei Jahren gab der 58-jährige Ökonom und Sozialdemokrat das Regierungsamt auf und steht heute vor der grössten Herausforderung seiner Karriere. Das Ziel ist es, unabhängig von Strafverfahren finanzielle Entschädigungen für die 41 Verstorbenen und 115 Verletzten aussergerichtlich zu regeln. Es geht um Dutzende Millionen Franken.

Laurent Kurth

Leiter Bewältigung der Brandkatastrophe von Crans-Montana

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Der ehemalige Neuenburger Regierungsrat Laurent Kurth leitet die Rundtischgespräche zur Bewältigung der Brandkatastrophe von Crans-Montana. Der Gesundheitsökonom Kurth ist heute Verwaltungsratspräsident der öffentlich-rechtlichen Gesundheitsinstitution Unisanté, zu der diverse Westschweizer Einrichtungen im Gesundheitswesen gehören. In seiner Zeit als Neuenburger Finanzdirektor war der latent defizitäre Staatshaushalt seine Hauptsorge. Am Ende war der Sozialdemokrat sogar bereit, das Spital seiner Heimatstadt La Chaux-de-Fonds zu schliessen. Die Linke war in Rage. Bürger buhten ihn öffentlich aus. Das Volk stimmte am Ende gegen die Schliessung.

SRF News: Herr Kurth, wie sehen Sie Ihre Rolle im Prozess?

Laurent Kurth: Ich bin Facilitator und sicher kein Richter. Genau deshalb hat mich der Bundesrat eingesetzt – um zu vermeiden, dass Opfer oder Opferfamilien Fälle einzeln einklagen. Ich soll Opfer, Versicherer und Behördenvertreter an einem Tisch versammeln. Die Parteien sollen sich darauf einigen, wer wie viel bezahlt und wer was bekommt. Das ist gerechter und effizienter, als wenn Gerichte jeden Fall einzeln entscheiden.

Ich habe die Fähigkeit, einen ruhigen Kopf zu bewahren.

Die hohe Opferzahl kann die Justiz überfordern und Dinge verzögern. Gegenüber den Opfern ist das unverantwortlich. Ich möchte von allen Parteien so unabhängig wie möglich agieren. Sollte aber einmal eine Verhandlungslösung auf dem Tisch liegen, dann bin ich Verfechter dieser Einigung.

Was sind Ihre Stärken in den Verhandlungen?

Ich habe viele politische, finanzielle und institutionelle Krisen erlebt. Deswegen habe ich die Fähigkeit, einen kühlen Kopf zu bewahren, Abstand zu gewinnen und zu akzeptieren, dass sich die Dinge nach einer Weile plötzlich klären können, auch wenn man selbst den Ausgang nicht sofort sieht. Ich bin es gewohnt, Differenzen anzusprechen und Leute zu überzeugen, sich einer Lösung anzuschliessen.

Was ist Ihr Ziel?

Am Ende sollen die Beteiligten sagen: Diese Lösung ist vielleicht nicht ideal, aber besser, als Streitigkeiten anzufechten. Ich möchte materielle Fragen wieder nüchtern ansprechen, aber auch Raum für Emotionen lassen, damit sich alle angesprochen und respektiert fühlen.

Ein Erfolg ist nicht garantiert, ein Scheitern möglich.

Es ist meine Aufgabe, eine gerechte und wenn möglich, schnelle Lösung zu finden, in der sich jede Person in ihrer Rolle, in ihrer Verantwortung und auch in ihrem Schmerz anerkannt fühlt, um dann weitermachen zu können.

Wer wird am runden Tisch teilnehmen?

Wer und wie viele am runden Tisch sitzen werden, ist ebenso offen wie die Frage, welche Regeln und Vertraulichkeitsklauseln bei den Verhandlungen gelten werden. Sicher ist, dass es mit hypothetisch 200 Personen unmöglich ist, Ergebnisse zu erzielen. Wir müssen also Wege finden, um in kleineren Gruppen zu diskutieren, in denen sich dennoch alle angemessen vertreten fühlen.

Ist eine Einigung nicht eine Mission Impossible?

Ein Erfolg ist nicht garantiert, ein Scheitern möglich. Die Gefahr des Scheiterns soll alle Beteiligten zu einer Verhandlungslösung animieren. Der Bundesrat rechnet mit Verhandlungen bis 2030 oder 2031. Es könnte sein, dass die Verhandlungen schon in drei Monaten beendet sind, weil Einigungen unmöglich scheinen. Ich gehe für mich momentan von einer unbestimmten Dauer aus. Sollte der runde Tisch tatsächlich scheitern und Gerichte über Entschädigungen entscheiden müssen, dürfte das bis 2040 dauern, vielleicht sogar noch länger.

Das Gespräch führte Philippe Reichen.

Mann in Anzug spricht gestikulierend bei Meeting.
Legende: Reisen zu Opfern-Familien im Ausland, etwa nach Italien, plant Laurent Kurth keine. Keystone/Laurent Gillieron

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Echo der Zeit, 29.4.2026, 18 Uhr ; 

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