Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Brand in Crans-Montana Wenn Emotionen die Strafuntersuchung überholen

Vor einer Anhörung wurde das Barbetreiber-Paar von Angehörigen beschimpft. Ein Strafrechtler und ein Psychologe ordnen ein.

Darum geht es: Vor einer Anhörung in Sitten am Donnerstag sind das Betreiber-Ehepaar der ausgebrannten Bar von Crans-Montana und ihre Anwälte von Angehörigen der Brandopfer angegriffen und beschimpft worden. Den beiden Polizisten vor Ort gelang es nicht, die Morettis abzuschirmen. Es war eine angespannte Stimmung, Angehörige riefen: «Du hast meinen Sohn getötet.» Heftige Emotionen, die bereits am Anfang der juristischen Aufarbeitung auftauchen und diese gar beeinflussen können. Bekommen ein Fall und seine Beteiligten viel Aufmerksamkeit, kann es zur Vorverurteilung kommen und daraus können strafmildernde Umstände entstehen.

Das sagt der Psychologe: Eric Francescotti, Psychologe und Vizepräsident der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtspsychologie, hat sich die Bilder angesehen. Von einem Aufeinandertreffen hätte er abgeraten. «Das Drama von Crans-Montana ist noch nicht lange her. Ich denke und hoffe, dass es später einmal Zeit für ein Treffen geben wird.» Das Brandunglück sei mehr als eine Tragödie für die Hinterbliebenen. Dies, weil die Medien viel berichten würden und weil aussergewöhnlich viele Informationen aussergewöhnlich früh in der Öffentlichkeit gelandet seien. «Aber all diese Informationen geben manchen Menschen den Glauben oder die Gewissheit, dass sie die Wahrheit in gewisser Weise kennen. Die Wahrheit muss aber erst noch entdeckt werden», sagt Francescotti.

Menschenmenge mit Regenschirmen und Handys im Regen.
Legende: Der Besitzer der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana, Jacques Moretti, ist vor der Anhörung in Sitten am Donnerstag von Familienangehörigen der Opfer und Medienvertretern umgeben. Keystone/Alessandro della Valle

Das sagt der Strafrechtler: Konrad Jeker ist langjähriger Solothurner Strafverteidiger und Dozent an mehreren Universitäten. Aus seiner Sicht lief am Donnerstag so ziemlich alles schief. «Es kann nicht sein, dass da eine Meute wartet. Und die beschuldigten Personen waren ja vorgeladen, Sie müssen erscheinen.» Solche Szenen seien auch nicht gut für den Prozess und ein Urteil. «Wenn der Druck derart aufgebaut wird, dann ist das schwierig, das auszublenden und trotzdem noch ein völlig sachliches, kühles, objektives Urteil zu fällen.» Laut Jeker kann Bedrängen als Nötigung ausgelegt werden – und das Beschimpfen als Mörder sei auch strafbar.

Das sagen die Anwaltskammern: Die Anwaltskammern der Kantone Wallis, Waadt und Genf haben sich gemeinsam zu Wort gemeldet. Die Präsidenten der drei Anwaltskammern schreiben, sie verurteilten die verbalen und körperlichen Angriffe sowie die Drohungen, denen die Strafverteidiger ausgesetzt waren. Die Aufgabe der Anwälte bestehe darin, jede der Parteien zu vertreten, um ein faires Verfahren zu gewährleisten. Das Verfahren rund um die Brandkatastrophe finde in einem angespannten Klima statt. Das liege auch an der besonders intensiven Medienberichterstattung.

Angehörige gedenken der Opfer in Crans-Montana

Box aufklappen Box zuklappen
Nahaufnahme einer Person, die auf eine weisse Kerze schreibt.
Legende: Angehörige gedenken am Samstag, 14.02.2026 den Opfern der Brandkatastrophe. Keystone/ALESSANDRO DELLA VALLE

Auf Initiative von Angehörigen der Opfer der Brandkatastrophe in Crans-Montana ist am Samstag im Ferienort eine Gedenkfeier organisiert worden. Einige Dutzend Menschen versammelten sich in der Nähe der Bar «Le Constellation», um der Opfer zu gedenken.

Die Gedenkfeier um 10 Uhr begann mit einer Kranzniederlegung in der Nähe des Unglücksortes. Unter den Anwesenden befanden sich mehrere Angehörige und Verwandte sowie eines der Opfer.

Diana Forte, stellvertretende Missionschefin der italienischen Botschaft in der Schweiz, nahm ebenfalls an der Zeremonie teil. Sie wolle erneut die Solidarität und Anteilnahme Italiens gegenüber den Angehörigen der Opfer, sowohl der Verstorbenen als auch der Verletzten, zum Ausdruck bringen. «Für uns ist es sehr wichtig zu zeigen, dass wir nach wie vor da sind, so wie seit den ersten Tagen», erklärte sie Keystone-SDA. Eine Schweigeminute zum Gedenken an die 41 Verstorbenen und 115 Verletzten beendete die Zeremonie. Später waren die Menschen zu einem Gedenkessen in Vétroz VS eingeladen.

Seit mehreren Tagen kursierte in den sozialen Netzwerken ein Flyer, in dem dazu aufgerufen wurde, am Samstag in den Walliser Ferienort zu kommen, «um der Verstorbenen zu gedenken und unsere Verletzten nach dem tragischen Ereignis in Crans-Montana zu unterstützen». Die Veranstaltung stand im Zeichen der «Andacht, des Miteinanders und der Erinnerung» und stand allen offen.

10 vor 10, 13.2.2026, 21.50 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel