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Brandstiftung in Utzenstorf BE Erneute Brandserie in der Region Solothurn? Es wäre die dritte

  • Am Wochenende hat es in bei Utzenstorf BE, an der Grenze zum Kanton Solothurn, mehrfach gebrannt.
  • Die Berner Kantonspolizei spricht bei allen drei Bränden von Brandstiftung.
  • Der Nachbarkanton Solothurn hat jüngst schon zwei Brandserien erlebt; die grenznahen Brände vom Wochenende wären die dritte Serie in Folge.
  • Warum brennt es immer wieder? Eine Studie liefert einzelne Antworten.

Am Freitagmorgen brannte in Utzenstorf BE ein Holzschopf. Ein weiteres Feuer an einem Gebäude wurde durch eine Drittperson vorzeitig gelöscht. Am Freitagnachmittag brannte in Wiler bei Utzenstorf BE ein Einfamilienhaus. «Brandstiftung steht im Vordergrund», teilt die Berner Kantonspolizei mit.

Der Brand wurde rasch gelöscht, aber eine Person musste leicht verletzt mit der Ambulanz ins Spital. Die Berner Gemeinden liegen an der Grenze zum Kanton Solothurn. Ob ein Zusammenhang zwischen den Bränden besteht, wird ermittelt.

Auch wenn die Brände auf Berner Kantonsgebiet gelegt wurden, verfolgt man das Geschehene im Nachbarkanton Solothurn aufmerksam. Hier hat man bereits Erfahrungen mit zwei Brandserien.

Zwei Brandserien im Kanton Solothurn

2022 sorgte der sogenannte «Feuerteufel» im Kanton Solothurn für Unruhe. Der heute 36-jährige Täter war Feuerwehrmann. Er wurde in erster und zweiter Instanz wegen zwölf Bränden zu elf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Noch beschäftigt das Urteil das Bundesgericht, weil er bestreitet, die Brände gelegt zu haben.

Gebrannt hat es damals im Solothurner Wasseramt. Diese Region befindet sich in der Nähe der aktuellen Berner Brände. Die Verunsicherung in der Bevölkerung war im Wasseramt damals gross.

Anfang dieses Jahres hat ein anderer Solothurner Feuerwehrmann gestanden, 14 Brände gelegt zu haben. Der 24-jährige Schweizer wurde in acht Fällen verdächtigt. Dann fanden die Ermittler heraus, dass er für mindestens 14 Brandstiftungen verantwortlich sein soll, zwischen Februar 2024 und Januar 2026.

Brandserie 2024 bis 2026

Gebrannt haben Gebäude und Autos in Solothurn, Langendorf und Bellach. Der mutmassliche Brandstifter war nach dem Brand im Januar 2026 festgenommen worden. Ein Gerichtsprozess steht noch aus.

Wieso brennt es immer wieder?

Motive für Brandstiftung gebe es viele, sagte der forensische Psychiater Nikolaus Bausch im Januar gegenüber SRF. Er unterscheidet zwischen nachvollziehbaren Motiven, wie Wut, Rache, kriminelle oder politische Absichten, Aufmerksamkeitssuche oder Langeweile, und krankhaften Motiven, wie Suchtprobleme, Wahnzustände oder Pyromanie.

Im Schnitt zwei Brandstiftungen am Tag

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Unscharfer Blick auf die Front eines Feuerwehrfahrzeugs.
Legende: Brandstiftung und Brandserien verunsichern die Bevölkerung. Nicht alle Brandstiftungsfälle können aufgeklärt werden, zeigt die Schweizer Statistik. Keystone / Uwe Anspach

Im Schnitt gibt es in der Schweiz rund zwei Brandstiftungen am Tag.

Im Jahr 2024 gab es schweizweit 679 Brandstiftungen, heisst es in der Polizeilichen Kriminalstatistik des Bundes. 46 Prozent davon wurden aufgeklärt. 2025 waren es 772 Brandstiftungen, 37 Prozent wurden aufgeklärt.

Es droht Gefängnis

Brandstiftung ist gemäss Artikel 221 im Strafgesetzbuch strafbar. Hier heisst es: «Wer vorsätzlich zum Schaden eines andern oder unter Herbeiführung einer Gemeingefahr eine Feuersbrunst verursacht, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.»

Und: «Bringt der Täter wissentlich Leib und Leben von Menschen in Gefahr, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren.»

Wenn nur ein geringer Schaden entsteht, kann jemand zu Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe verurteilt werden.

Studien zu Schweizer Brandserien gibt es kaum. Eine Masterarbeit der Universität Luzern hat 2013 die geografische Verhaltensanalyse zu Serienbrandstiftern in der deutschsprachigen Schweiz untersucht. Analysiert wurden 19 Brandserien in sieben Kantonen, in den Jahren 2003 bis 2013. Allerdings fehlen Daten aus den grossen Kantonen Zürich und Bern.

Die Studie hält fest, dass die Mehrheit der Täter (knapp 82 Prozent) für die Brandstiftungen weniger als fünf Kilometer zurückgelegt hatte. Und dass in 19 Prozent der Fälle ein Feuerwehrmann der Täter war.

Männer, Alkoholeinfluss, Versicherungsbetrug

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Die Studie «Geografische Verhaltensanalyse zu Serienbrandstiftern in der deutschsprachigen Schweiz» der Universität Luzern hat Brandserien von 2003 bis 2013 untersucht. Sie kommt zu diesem Schluss:

  • Bei den erfassten Serientätern, die selber Feuer legten, handelte es sich um 19 Männer und 2 Frauen.
  • Das Alter aller Serienbrandstifter lag zum Zeitpunkt der ersten Brandstiftung innerhalb der untersuchten Tatserie zwischen 17 Jahren und 49 Jahren.
  • Unter den Tätern befanden sich 17 Schweizer und 4 Ausländer.
  • Nicht alle Kantone machten Angaben zu Besonderheiten der Täter oder deren Brandserien. Dennoch fiel auf, dass sich unter den 21 analysierten Serienbrandstiftern 4 Feuerwehrleute befanden (knapp 20 Prozent aller Fälle).
  • Aufgefallen ist ferner, dass 7 der 21 Serienbrandstifter (33.3 Prozent) zur Tatzeit nachweislich unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen standen.
  • In 24 Prozent war die Brandstiftung Versicherungsbetrug; in 19 Prozent wollte sich der Täter bei seiner eigenen Tat als Helfer oder gar als Feuerwehrmann profilieren oder das Feuer beobachten.
  • 9 von 11 Tätern (81.8 Prozent) legten im Durchschnitt ihrer eigenen Einzeltaten weniger als fünf Kilometer zu ihren Tatorten zurück. Meist seien die Tatorte zu Fuss erreichbar gewesen.

Man solle aber nicht alle Feuerwehrleute unter Generalverdacht stellen, warnt die Studie. Und die Ermittlungen von Brandserien seien zeitintensiv und oft auch Glücksache.

«Aus den Auswertungsergebnissen der untersuchten Serienfälle geht hervor, dass Serienbrandstifter weder leicht typisierbar, noch in ihrem Wesen, ihrer Motivlage oder ihrem Verhalten leicht erfassbar sind. Schon gar nicht sind sie leicht durchschaubar.»

Regionaljournal Aargau Solothurn, 19.5.2026, 6:31 Uhr ; 

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