Das internationale Scheinwerferlicht richtet sich am Freitag auf den Bürgenstock, auf den Hotelkomplex oberhalb des Vierwaldstättersees im Kanton Nidwalden. Wer genau für die Unterzeichnung anreist – ob gar US-Präsident Donald Trump kommt –, ist weiterhin unklar.
Gespräche «fazilitieren»
Das Schweizer Aussendepartement EDA schreibt in einer Stellungnahme, der Standort sei von den Mediatoren Pakistan und Katar sowie den beiden Kriegsparteien USA und Iran vorgeschlagen worden. «Die Schweiz fazilitiert diese Gespräche und schafft die diplomatischen Voraussetzungen, dass dieses Treffen in der Schweiz stattfinden kann.»
Die Wahl des Bürgerstocks scheint kein Zufall zu sein. 2024 fand hier die von der Schweiz organisierte Ukraine-Konferenz statt. Der Standort lässt sich leicht abschirmen und schützen. Der Bürgenstock sei darum eine logische Wahl, sagt Thomas Greminger. Er leitet das Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik.
Greminger weist darauf hin, dass Katar einer der Vermittler zwischen dem Iran und den USA sei. Die Hotel-Anlage gehört dem katarischen Staatsfonds. «Hier haben auch katarische Interessen mitgespielt», sagt er. Auf dem Bürgenstock arrangiert die Schweiz die Bühne für die Unterzeichnung der Absichtserklärung zwischen dem Iran und den USA. Aber Regie spielen andere Staaten wie Katar und Pakistan.
Die Rolle der Schweiz – ein «Caterer»?
Die Rolle der Schweiz ist also die des «Caterers», der das Mineralwasser und die Lachsbrötchen serviert. Den Applaus ernten aber andere. Laurent Goetschel widerspricht. Er leitet die Schweizer Friedensstiftung Swiss Peace. Man dürfe die Rolle des «Caterers» bei Verhandlungen und diplomatischen Treffen nicht unterschätzen.
Die Sicherheit müsse gewährleistet sein. Das Protokoll und die Abläufe müssen stimmen. «Das sind alles sehr wertvolle und wichtige Leistungen, die die Schweiz erbringen kann.» Das seien die viel gepriesenen guten Dienste der Schweiz, sagt Goetschel.
Gemäss Thomas Greminger könnten diese guten Dienste in Zukunft mehr nachgefragt werden. Die Welt sei polarisierter mit starker Rivalität unter den Grossmächten. Zudem sei das Vertrauen in multilaterale Institutionen gesunken. «Das öffnet ein Stück weit den Raum für bilaterale Anbieter, die hier in die Bresche springen können.»
Die Schweiz steht in Konkurrenz
Ein solcher «bilateraler Anbieter» könnte die Schweiz sein. Greminger wünscht sich von der Schweiz mehr finanzielle Ressourcen für solche Aufgaben. Der Spezialist für Friedensforschung und Laurent Goetschel sehen das gleich und weisen darauf hin: Die Schweiz sei nicht das einzige Land, das solche Mandate suche. Staaten wie Katar, die Türkei, Pakistan und grosse Staaten wie China interessierten sich für solche Vermittlerdienste. Staaten, die ein Interesse an Stabilität in ihrer Region hätten.
Neutralität nutzen
Mit der Übernahme von guten Diensten habe die Schweiz auch eine Antwort parat, sagt Greminger, wenn sie von europäischen Staaten in die Kritik gerate, sie unterstütze die Ukraine militärisch nicht. «Die Schweiz ist gehalten, die Vorteile dieser Neutralität auszuschöpfen», sagt er. Sowohl für Goetschel als auch für Greminger ist das eine Kompensation für das Abseitsstehen bei der Militärhilfe für die Ukraine.