Reto Gurtner fährt auf den Skiern durch «sein» Skigebiet. Skifahren begeistert ihn: «Skifahren – und der Wintersport generell – haben nach wie vor eine unwahrscheinliche Faszination. Weil man zwischen Fliegen und Floaten ist. Eine perfekte Kombination.»
Der Wintersport ist sein Geschäft. Der 70-Jährige ist Verwaltungsratspräsident der Weissen Arena Gruppe. Das grosse Skigebiet ist der Wirtschaftsmotor der drei Gemeinden Flims, Laax und Falera im Kanton Graubünden. Mit rund 1400 Angestellten im Winter ist die Gruppe auch der grösste Arbeitgeber.
Region steht hinter dem Skigebiet
Der Rückhalt in der Region ist gross. Dies zeigte sich im Herbst 2025. Die drei Gemeinden stimmten über die Übernahme der Infrastruktur des Skigebiets für 95 Millionen Franken ab. Das Resultat fiel mit über 85 Prozent Ja-Stimmen in Flims und je rund 93 Prozent in Laax und Falera sehr deutlich aus.
Der Deal: Die Weisse Arena Gruppe wird die Infrastruktur weiter betreiben und bezahlt den Gemeinden einen Pachtzins.
Reto Gurtner hat das Skigebiet gross gemacht. Übernommen hatte er es von seinem Vater. Heute gehören zum Unternehmen mit sechs Tochterunternehmen unter anderem verschiedene Hotels und die Ski- und Snowboardschule.
Bei Problemen bleibt er ruhig
Immer wieder investierte die Weisse Arena unter Reto Gurtner. Es läuft aber nicht immer alles nach Plan. Als er gerade für den Fernsehbeitrag von SRF in der neuen Gondelbahn FlemXpress sitzt, bleibt die Bahn plötzlich stehen. Es gibt immer wieder Probleme mit der Bahn, die 80 Millionen Franken gekostet hat.
Der Verwaltungsratspräsident bleibt gelassen: «Man nervt sich nur über Dinge, die man beeinflussen kann. Wenn ich etwas nicht beeinflussen kann, wieso soll ich mich da ärgern?» Auch kurz darauf, in einem Gespräch mit einem Gast, der sich durchaus über den Stillstand der Bahn nervt, bleibt Reto Gurtner ruhig.
Per Du mit dem Chef
Bei seinem Personal scheint der Chef beliebt. Der Leiter einer Snowboardschule sagt: «Er fordert viel, aber man kann auch viel von ihm lernen.» Und ein Skilehrer fügt an: «In der Weissen Arena sagen sich alle Du. Auch dem Reto.»
Verfechter von hohen Ticketpreisen
Verschiedene Male hat sich Reto Gurtner öffentlich dazu geäussert, dass die Ticketpreise seiner Meinung nach durchaus höher sein könnten. Und das, obwohl die Weisse Arena zu den teuersten Skigebieten der Schweiz gehört. Je nach Tag liegt der Preis bei rund 100 Franken.
Die hohen Preise sind laut Gurtner gewollt. Wenn sie auf tiefe Preise setzten würden, kämen zu viele Leute: «Unser Skigebiet hat eine Limitierung, die wir uns selber gegeben haben, sie liegt bei 15'000 Personen.» Wären die Preise tiefer, wäre «das Chaos total». Sein zweites Argument: Mit tieferen Preisen würde die Weisse Arena den kleinen Skigebieten die Gäste wegnehmen.
Auf die richtige Zielgruppe gesetzt
Schon früh erkannte Reto Gurtner das Potenzial rund um die Snowboard- und Freestyle-Szene. Seit 20 Jahren ist die Weisse Arena – vor allem das Gebiet Crap Sogn Gion – bekannt und beliebt bei dieser touristischen Zielgruppe. Als Nächstes soll die Station für etwa 15 Millionen Franken erneuert werden. Das könnte auch wieder zu höheren Ticketpreisen führen.
Es wird also weitergebaut und verändert am Skigebiet. Auf kurze Sicht hätte Reto Gurtner aber vor allem einen Wunsch: eine grosse Portion Schnee. Denn er habe das Skigebiet um Weihnachten herum noch selten so grün gesehen.