Schreckliche Ereignisse wie die Brandkatastrophe von Crans-Montana prägen besonders jene, die sie unmittelbar miterlebt haben: Überlebende, Rettungskräfte oder Ersthelferinnen und -helfer. Bei vielen sind Stressreaktionen die Folge. Einige erleiden aber auch eine längerfristige Belastungsstörung, wenn sie mit einem traumatischen Ereignis wie Verletzung oder Tod konfrontiert werden.
Wiederkehrende Bilder
Ein solches Erlebnis könne alle prägen, die es miterlebt oder auch nur davon erfahren hätten, sagt Andreas Witt, Chefpsychologe an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Bern. Grundsätzlich könne man sagen: «Je direkter man es miterlebt hat, vielleicht einen Freund, eine Freundin verloren hat oder selbst verletzt wurde, desto höher ist das Risiko einer posttraumatischen Belastungsstörung.»
Ein typisches Symptom davon ist laut Witt, dass Bilder des Ereignisses sich einem immer wieder aufdrängen. Diese Bilder, sogenannte Intrusionen, seien sehr belastend. Ebenso die teils auftretenden «Flashbacks», bei denen das Ereignis erneut durchlebt werden müsse.
Es können Konzentrationsprobleme in der Schule und im Beruf auftreten. Aber auch Wutanfälle sind möglich, und häufig wird über Schlafstörungen berichtet.
Entsprechend versuchten die Betroffenen dann, solche Bilder zu vermeiden und zu verdrängen. Sie seien oft permanent angespannt. Das könne etwa dazu führen, dass sie viel schreckhafter seien, so Witt. «Es können Konzentrationsprobleme in der Schule und im Beruf auftreten. Aber auch Wutanfälle sind möglich, und häufig wird über Schlafstörungen berichtet.»
Zum Glück ist selbst bei solchen Extremereignissen nur der viel kleinere Teil der Menschen von andauernden Symptomen einer Traumafolgestörung betroffen.
Symptome wie Schlafstörungen, Trauer und sozialer Rückzug treten bei vielen Betroffenen nach belastenden Ereignissen auf. In der Zeit direkt nach dem Ereignis sei das eine normale Stressreaktion, sagt Judith Rohde, Oberärztin an der Psychiatrischen Uniklinik in Zürich.
«Zum Glück ist selbst bei solchen Extremereignissen nur der viel kleinere Teil der Menschen von andauernden Symptomen einer Traumafolgestörung betroffen», so Rhode. Das bedeutet dann, dass die Symptome über mehrere Wochen und Monate anhalten.
Dabei gibt es laut den Fachleuten auch Schutzfaktoren, die Folgestörungen verhindern können. Eine wichtige Rolle spiele das soziale Umfeld. Rhode wie auch Witt betonen jedoch, dass es immer auch Personen gibt, die auch sehr schlimme Erlebnisse relativ unbeschadet überstehen.
Die Therapie kann recht anstrengend sein und die Symptome können sich unter der Behandlung für eine Zeit lang auch verschlimmern.
Wenn die Symptome über längere Zeit anhalten, sei eine Therapie sinnvoll, sagt Andreas Witt: «Das sind in der Regel traumafokussierte Therapien, wo es wirklich darum geht, sich explizit mit dem Erlebnis auseinanderzusetzen. Also genau mit dem, was die Betroffenen eigentlich vermeiden wollten.»
Anstrengende Therapie
Eine posttraumatische Belastungsstörung könne aber gut behandelt werden, sagt auch Judith Rohde. In erster Linie werde sie mit Psychotherapie behandelt, es würden dabei nicht unbedingt Medikamente eingesetzt. Die Dauer einer Behandlung sei unterschiedlich, auch je nach Vorgeschichte der Betroffenen. In der Regel dauere die Behandlung aber mehrere Wochen. Und: «Die Therapie kann recht anstrengend sein und die Symptome können sich unter der Behandlung für eine Zeit lang auch verschlimmern.»
Wie in allen Bereichen der Psychotherapie sind laut Rhode auch bei den Traumabehandlungen die Kapazitäten knapp und Wartezeiten nicht ausgeschlossen. Es gebe aber Plätze, betont sie.