Plattformen wie Instagram oder Tiktok sind für viele Kinder und Jugendliche längst Alltag. Studien zeigen jedoch, dass soziale Medien die Hirnentwicklung negativ beeinflussen und Konzentration, Lernfähigkeit sowie die psychische Gesundheit beeinträchtigen können.
‹Asoziale› Medien sind von Anfang an als Suchtprodukte konzipiert worden und deshalb sollten wir sie gleich behandeln wie andere Suchtprodukte auch.
Länder wie Australien oder Frankreich haben den Gebrauch für Kinder und Jugendliche deshalb verboten. Weitere Länder wie Dänemark, Spanien oder Italien planen ebenfalls Massnahmen. Ähnliche Forderungen werden auch in der Schweiz immer lauter.
So plädiert etwa Thomas Minder, Präsident des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter, für ein Social-Media-Verbot für Minderjährige. Auch Peter G. Kirchschläger, Ethikprofessor an der Universität Luzern, befürwortet ein Verbot. Er bezeichnet soziale Medien als «asoziale Medien», weil sie von Anfang an als Suchtprodukte konzipiert worden seien.
«Deshalb sollten wir sie gleich behandeln wie andere Suchtprodukte auch», sagt Kirchschläger. So würde etwa auch bei Tabak oder Alkohol der Zugang bis zu einem gewissen Alter verboten.
Sollen Eltern Verantwortung übernehmen?
Auch in der Politik wird ein solches Verbot diskutiert. Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider sagte, sie könne sich ein Verbot vorstellen. Der Bundesrat arbeitet aktuell an einem Bericht, wie Kinder und Jugendliche besser geschützt werden können.
Es ist ein unüberwindbares Spiel gegen massive Geschäfts-Kapitalinteressen, wo wir mit raffiniertesten psychologischen Tricks an der Nase herumgeführt werden.
Für den Grünen-Nationalrat Gerhard Andrey aus dem Kanton Freiburg ist die Situation «eine grosse Frustration und Überforderung bei Eltern und Jugendlichen». Er ist Mitgründer einer Digitalagentur und selbst Vater von zwei Kindern und verweist auf die Jugendsession, bei der das Jugendparlament den Schutz im Internet als eine der wichtigsten Forderungen formulierte. «Es kommt auch von den Jungen her.»
Laut Andrey ist es eine Frage der Sorgfaltspflicht. Algorithmen stifteten einen dazu an, Dinge zu tun, die nicht gut für einen sind. Zudem profitierten Unternehmen von Hetze, von Hass und von Häme. «Das ist ein unüberwindbares Spiel gegen massive Geschäfts-Kapitalinteressen, wo wir mit raffiniertesten psychologischen Tricks an der Nase herumgeführt werden», sagt Andrey.
Die Zürcher SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann, die sich schon länger mit der Thematik beschäftigt und sich dazu öffentlich geäussert hat, betont hingegen auch die positiven Seiten. «Social Media kann bei Kindern Neugier wecken, kann sie verknüpfen, kann ihnen helfen, Identität zu finden oder Wissen anzueignen», sagt sie.
Ein Verbot gehe in Richtung Überwachung. «Das ist die schädliche Nebenwirkung dieser Altersbeschränkung für uns alle», sagt Steinemann. «Kinder haben auch Rechte und wir können ihnen nicht einfach in der Freizeit einen Teil der digitalen Welt vorenthalten», sagt sie. Eine Regulierung liege in der Verantwortung der Eltern.
Verbot technisch möglich?
Zudem sieht Steinemann ein Verbot als technisch nicht durchführbar – das zeigten Erfahrungen aus Australien. Altersverifizierung im Internet? «Das ist ganz einfach umgehbar», sagt sie.
Für Andrey hat die Schweiz mit der E-ID «tolle Vorarbeit» geleistet, um einen anonymen Altersnachweis im Netz zu schaffen. Ein Verbot möge zwar technisch anspruchsvoll sein, sei aber durchaus möglich, sagt der Präsident der Allianz «Pro e-ID». Helfen könnten etwa auch die Erfahrungen in der EU, die «einen guten Schritt weiter ist».