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Debatte zum Pflanzenschutz Ständerat entscheidet über umstrittene Pestizid-Vorlage

Der Ständerat diskutiert über eine schnellere Zulassung von Pestiziden. Umweltverbände warnen vor den Konsequenzen.

Das ist das Problem: Bäuerinnen und Bauern führen einen harten Kampf gegen diverse Schädlinge, die ihre Kulturen gefährden. Der Schädlingsdruck ist gestiegen – durch den Klimawandel, aber auch weil alten Pflanzenschutzmitteln die Zulassung entzogen wurde oder sie vom Markt genommen wurden. Gleichzeitig gibt es in der Schweiz einen Engpass bei der Zulassung von neuen Mitteln: Beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen sind 500 Gesuche für Pflanzenschutzmittel hängig, das Amt kommt nicht nach mit der Bearbeitung. Das Problem ist erkannt, wie es gelöst werden soll, ist jedoch umstritten.

Vereinfachte Zulassung teils schon in Kraft

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Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln wurde erst kürzlich bereits vereinfacht. Am 1. Dezember 2025 ist die revidierte Pflanzenschutzmittelverordnung in Kraft getreten. Damit kann für Pflanzenschutzmittel, die in einem Nachbarland der Schweiz bewilligt sind, ein vereinfachtes Zulassungsverfahren beantragt werden. Es gibt aber einige Unterschiede zur parlamentarischen Initiative von Philipp Bregy. So gilt etwa keine maximale Frist von einem Jahr für die Zulassung.

Im Rahmen des EU-Pakets ist zudem vorgesehen, dass die Schweiz eingebunden wird in das Zulassungssystem von Pflanzenschutzmitteln der EU. Die Schweiz könnte dort dann aktiv mitwirken bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln.

Das wird gefordert: Der Ständerat diskutiert am Donnerstag über eine Parlamentarische Initiative, die Mitte-Nationalrat Philipp Matthias Bregy eingereicht hatte. Sie fordert, dass Pestizide, die in einem unserer Nachbarländer, in Belgien oder den Niederlanden zugelassen sind, auch in der Schweiz zugelassen werden sollen. Der Nationalrat hat sich bereits für das Anliegen ausgesprochen. Die Behörden sollen noch höchstens ein Jahr Zeit haben, um die entsprechenden Mittel in einem vereinfachten Verfahren auch in der Schweiz zuzulassen. Sie sollen auf eine Zulassung verzichten können, wenn ein Mittel beispielsweise eine Gefahr für den Gewässerschutz darstellt.

Landwirtschaftliche Maschine besprüht Feld mit Wasser.
Legende: Die vereinfachte Zulassung von Pestiziden in der Schweiz wird derzeit kontrovers diskutiert. Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

Umweltverbände warnen: Linke Parteien sowie die GLP und Umweltverbände stellen sich gegen die Parlamentarische Initiative. Sie warnen davor, dass die Schweiz damit zu einem Sammelbecken für Pestizide werde. Der WWF etwa schreibt in einer Stellungnahme, dass die Schweiz so die Entscheidungshoheit verliere, wenn sie die Zulassungsentscheide von anderen EU-Ländern übernehme: «Sie müsste künftig alle Zulassungen automatisch übernehmen – selbst dann, wenn ein Produkt nur in einem einzigen EU-Land zugelassen wäre.» in der EU könne schliesslich weiterhin jedes Land eigene Regeln festlegen.

Weiterer Vorschlag auf dem Tisch

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Der Ständerat entscheidet am Donnerstag noch über einen weiteren Vorstoss, der die Zulassung von gewissen Pflanzenschutzmitteln zu vereinfachen will. Diesen hat zum einen ebenfalls Mitte-Nationalrat Philipp Matthias Bregy eingereicht, zum anderen auch Grünen-Nationalrätin Christine Badertscher. Der Vorstoss findet somit auch bei der Ratslinken Anklang.

Er fordert, dass für jene Pflanzenschutzmittel ein beschleunigtes Verfahren gelten soll, die Wirkstoffe mit geringen Risiken für Mensch und Umwelt enthalten. Im Nationalrat wurde der Vorstoss bereits angenommen.

Knackpunkt Notfallzulassungen: Für Kritik sorgt insbesondere auch, dass die Schweiz mit der Vorlage auch Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel aus den sechs EU-Ländern übernehmen soll. Notfallzulassungen werden dann erteilt, wenn Kulturen in der Landwirtschaft akut gefährdet sind und mit regulär zugelassenen Mitteln nicht ausreichend bekämpft werden können. Notfallzulassungen seien jedoch für Ausnahmesituationen gedacht, schreibt der WWF: «Wenn also die Schweiz Notfallzulassungen automatisch übernehmen würde, wäre das eine Carte Blanche für Pestizide ohne reguläre Prüfung – auf Kosten von Gewässern, Natur, Trinkwasser und Gesundheit.»

Das sagt der Bauernverband: Der Schweizer Bauernverband schreibt auf Anfrage, dass die Vorlage für ihn sehr wichtig sei. Vor allem weil sie festschreiben würde, dass Gesuche für Mittel, die bereits in einem der sechs EU-Länder zugelassen sind, innerhalb von einem Jahr behandelt werden müssten. Heute würden Gesuche mehrere Jahre auf eine Zulassung warten. Die Behörden könnten so ihre Kräfte besser einsetzen und «sich auf die spezifischen Schweizer Zusatzauflagen, beispielweise auf den Gewässerschutz, konzentrieren». Gemäss dem Bauernverband würde das auch der Umwelt helfen, weil so Mittel mit besserem Umweltprofil auf den Markt kommen könnten.

SRF 4 News, 3.3.2026, 8 Uhr

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