Lange war der Verlauf klar: Junge Menschen zogen für Studium und Arbeit in die Stadt Basel – und später, bei der Familiengründung, aufs Land. «Bis vor Kurzem war das so», sagt Manuel Buchmann, Projektleiter beim Demografieunternehmen Demographic. Das Schweizer Unternehmen hat sich auf Bevölkerungsanalysen, Prognosen und demografische Forschung spezialisiert.
Wir beobachten klar: Immer weniger junge Familien ziehen aus Basel weg und aufs Land.
Doch dieser Trend habe sich in den letzten Jahren deutlich verändert. «Wir sehen eine interessante Trendänderung: Immer weniger junge Familien wandern aufs Land aus.»
Basel-Stadt gehört heute zu den jüngsten Kantonen der Schweiz – und dieser Vorsprung dürfte sich weiter vergrössern. Das liegt laut Buchmann daran, dass Basel als Stadt-Kanton viele junge Erwerbstätige, Studierende und internationale Zuwandernde anzieht. «Viele machen in Basel eine Ausbildung», sagt er.
Basel entlastet junge Familien spürbar: Tiefere Steuern und stark subventionierte Kinderbetreuung wirken.
Hinter der Entwicklung stehen laut Buchmann vor allem finanzielle Gründe. «Die Steuerbelastung ist mittlerweile in der Stadt weniger hoch als auf dem Land, und die Subventionierung der Kinderbetreuung kommt noch hinzu. Das ist für viele junge Familien attraktiv.»
Basel-Stadt gilt heute als einer der grosszügigsten Kantone bei der Kinderbetreuung. Seit der Reform von 2023 übernimmt der Kanton einen deutlich höheren Anteil der Betreuungskosten – je nach Einkommen können Familien mehrere Hundert Franken pro Monat sparen. Das macht das Leben in der Stadt für viele Eltern erstmals günstiger als im Umland.
Basel war einst eine «A‑Stadt»
Dass Basel heute junge Menschen anzieht, war nicht immer so. Vor 50 Jahren galt die Stadt als «A‑Stadt» – als Stadt der Alten, Armen und Arbeitslosen. Zwischen 1970 und Ende der 1990er-Jahre verlor Basel rund 20 Prozent seiner Bevölkerung.
In den 70er-Jahren gab es einen wirtschaftlichen Strukturwandel. Der Industriesektor verlor viele Arbeitsplätze.
Martin Lengwiler, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Basel, sagt dazu: «In den 70er-Jahren gab es einen wirtschaftlichen Strukturwandel. Der Industriesektor verlor viele Arbeitsplätze.» Die Folge: Die Menschen zogen weg, der Kanton schrieb Defizite.
Die Erholung setzte erst Ende der 1990er-Jahre ein. Die Politik habe damals viel getan, um die Stadt wieder attraktiver zu machen, so Lengwiler. «Stadtentwicklung, Förderung des Wohnungsbaus, Verkehrsberuhigung und Kulturförderung kamen aktiv ins Spiel.» Diese Massnahmen zeigten Wirkung: Die Bevölkerung wuchs wieder – und sie wächst bis heute.
Besonders auffällig ist, dass Basel bei jungen Menschen zunehmend beliebt bleibt. Immer mehr von ihnen entscheiden sich, in der Stadt zu bleiben, statt ins Umland zu ziehen.