Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Dicke Post in der Stadt Zürich 20 Vorlagen: Eine Abstimmungsflut, die überfordert

Weltweit werden wir um unsere direkte Demokratie beneidet. Viermal im Jahr können wir an der Urne über Sachgeschäfte abstimmen. Doch das kann auch zu einer Anstrengung werden. Die Abstimmungsflut kann überfordern. Politiker fordern Anpassungen.

Das ist rekordverdächtig: zwei eidgenössische, fünf Abstimmungen auf kantonaler Ebene und in der Stadt Zürich dreizehn kommunale Vorlagen obendrauf. Eine direktdemokratische Herausforderung, die bei den Menschen auf der Strasse nicht überall gut ankommt. Die Meinungen gehen von «Das ist total gaga» bis «Wenn wir mitbestimmen können, dann sollte man das auch machen».

Strassenumfrage: Wie gehen Sie mit so vielen Vorlagen um?

Gaga, respektive schlicht viel zu viel. In dieses Lied stimmt auch die Stadtzürcher SVP ein. Aus Sicht des Co-Präsidenten Ueli Bamert ist bei 20 Vorlagen keine seriöse Auseinandersetzung mit den einzelnen Vorlagen möglich. «Es sind so viele verschiedene Abstimmungen, zu unterschiedlichsten Themen, über unterschiedlichste Beträge, über die wir abstimmen. Selbst politisch Interessierte verlieren die Übersicht.» Auf der anderen Seite hätten auch Parteien, Verbände oder Kampagnenleiter sehr Mühe, sich Gehör zu verschaffen bei einer solchen unglaublichen Menge an Vorlagen. Das müsse man wirklich verhindern.

SVP fordert fixe Menge an Vorlagen

Bei den Abstimmungen am Sonntag wird über gewichtige Themen entschieden: über eine Tramlinie etwa oder über einen Kredit für Fernwärme in der Höhe von mehr als zwei Milliarden Franken.

Eine Person in einem weissen Hemd sitzt an einem Tisch mit Papieren und spricht.
Legende: «Ein Lösungsansatz wäre, dass an einem Abstimmungssonntag nur noch eine bestimmte Anzahl von Vorlagen zugelassen wird», findet Ueli Bamert von der SVP. SRF

Dass bei dieser Flut an Vorlagen noch eine differenzierte Meinungsbildung möglich sei, dazu müssten auch die Fristen angepasst werden, findet der Co-Präsident der SVP der Stadt Zürich. «Aber das wäre für eine saubere, demokratische Meinungsbildung sinnvoll.»

Die Grünen fänden einen zusätzlichen Abstimmungssonntag sinnvoll

Mit Skepsis blicken auch die Grünen auf diese Flut von Abstimmungen. Gleichzeitig sei es auch ein positives Signal, sagt die Co-Präsidentin der städtischen Grünen, Anna-Béatrice Schmaltz. Denn es zeige, dass in Zürich in einer lebendigen Demokratie politisiert werde und sich Stadtrat und Parlament dafür einsetzten, dass Zürich lebenswert sei und bleibe. Darum gebe es auch so viele Projekte, über die abgestimmt werde. So bewege sich etwas in Zürich.

Person mit Brille schreibt an einem Schreibtisch mit Pflanzen im Hintergrund.
Legende: «Man könnte über einen zusätzlichen Abstimmungssonntag reden», sagt Anna-Béatrice Schmaltz von den Grünen. SRF

Eine andere Möglichkeit wäre, den Geldbetrag, über den das Parlament eigenständig entscheiden kann, heraufzusetzen. So bekäme das Parlament mehr Macht.

Das fände auch Daniel Kübler durchaus überlegenswert. Der Professor für Politikwissenschaft an der Universität Zürich und Leiter des Zentrums für Demokratie in Aarau ist überzeugt, dass die Stimmbevölkerung so entlastet werden könnte. Und dies sei ratsam.

«Stimmende suchen Abkürzungen»

Bei so vielen Vorlagen würden viele darauf verzichten, die Details der Abstimmungen genau anzuschauen. Und die Stimmenden würden versuchen, Abkürzungen zu finden. Und dies sei auch verständlich.

Mann im hellblauen Hemd vor einem Bücherregal.
Legende: Politikwissenschaftler Daniel Kübler: «Bei einer solch geballten Ladung an Abstimmungen, beginnen die Leute, sich an den Empfehlungen der Behörden oder an den Parolen der Parteien zu orientieren, damit sie nicht alle 150 Seiten durchlesen müssen.» SRF

In Zürich wird auf jeden Fall darüber debattiert, wie viel direkte Demokratie die Bevölkerung verkraftet – und wo Beteiligung in Überforderung kippt.

Übrigens: Trotz der vielen Vorlagen zeichnet sich für den Abstimmungssonntag auch in Zürich eine hohe Stimmbeteiligung ab.

Abstimmungsdossier

Box aufklappen Box zuklappen
Grafik
Legende: SRF

News und Hintergründe zu den Abstimmungen vom 14. Juni 2026.

Schweiz aktuell, 8.6.2026, 19 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel