Anwohnerinnen und Anwohner eines Luzerner Quartiers sind aufgebracht: In ihrer Nachbarschaft will die Stadt ab März einen Aufenthaltsplatz für Crack-Süchtige schaffen. Sie will dafür ein Baugesuch eingeben. Mehrere Personen planen, sich mit Einsprachen zu wehren.
Dies schildert eine Person, die Anfang Monat am entsprechenden Infoanlass der Stadt Luzern teilgenommen hat und anonym bleiben will. Tobias König, Co-Präsident des Quartiervereins Säli-Bruch-Obergütsch, bestätigt: «Die Reaktionen aus dem Quartier sind überwiegend negativ.» Die Situation sei schon heute teils schwer tragbar. Insbesondere rund um den Kasernenplatz.
«Anwohnende berichten uns, dass da häufig Briefkästen leergeräumt werden oder Menschen in Tiefgaragen und Hauseingängen übernachten und Fäkalien zurückbleiben.» Das sei eine grosse Einschränkung der Lebensqualität, sagt König. «Die Angst ist nun, dass sich das verstärkt.»
Crack löst in Luzern Heroin ab
Crack beschäftigt vielerorts. In Städten wie Genf, Lausanne und Chur haben sich laut Sucht Schweiz offene Drogenszenen gebildet, in denen vor allem Crack eine Rolle spielt. In Luzern hat sich der Crack-Konsum laut den Behörden seit Sommer 2023 akzentuiert. «Crack-Konsumierende machen heute bis zu 85 Prozent aus», sagt Christian Wandeler, Sicherheitsmanager der Stadt Luzern. Der Anteil Intravenös-Konsumierender – etwa Heroin-Abhängiger – sei verschwindend klein geworden.
Die Crack-Szene konzentriert sich vor allem auf den Bahnhofplatz. «Es gibt relativ viele Beschwerden», sagt Wandeler. «Vor allem am Feierabend, wenn Pendlerinnen und Pendler auf Drogenabhängige treffen.»
Crack-Konsumierenden den Rückzug zu ermöglichen, ist eine der wirksamsten Massnahmen.
Um mit den Herausforderungen rund um Crack besser umgehen zu können, haben Stadt und Kanton Luzern ein Paket mit 16 Massnahmen geschnürt. Dazu gehört ein Aufenthaltsplatz für Crack-Süchtige. «Crack-Konsumierenden den Rückzug zu ermöglichen, ist eine der wirksamsten Massnahmen», sagt Wandeler. Das würden schweizweite Erfahrungen zeigen.
Die Stadt hat den Platz zusammen mit der Polizei, gassennahen Institutionen und dem Kanton evaluiert. Geplant ist, einen Sicht- und Lärmschutz zu installieren. Der Hinterhof befindet sich in der Nähe des Drop-in, einer ambulanten Behandlungs- und Abklärungsstelle für opioid- oder mehrfachabhängige Menschen.
«Das Drop-in öffnet um 16 Uhr, von da an verschiebt sich die Drogen-Szene in dieses Quartier», sagt Christian Wandeler. Daher soll der Hinterhof von 17 bis 21 Uhr für Süchtige zugänglich sein und in dieser Zeit durch die SIP betreut werden. Die Abkürzung steht für ein Team aus Fachleuten für Sicherheit, Intervention und Prävention. «Die SIP wird dafür sorgen, dass sich die Szene nach der Schliessung nicht ins Quartier verschiebt.»
Quartierverein befürchtet Handel und Kriminalität
Trotz dieser Massnahmen: Die Anwohnerschaft ist kritisch. «Der Platz wird kein Problem lösen, sondern versteckt es bloss», sagt Tobias König, Co-Präsident des Quartiervereins. «Der offene Handel findet weiterhin statt, ebenso die Beschaffungskriminalität. Uns fehlen Massnahmen, die diese Probleme adressieren.»
Sicherheitsmanager Christian Wandeler sagt: «Es ist extrem schwierig, den richtigen Ort zu finden.» Aus Sicht der Stadt könne man mit dem Hinterhof nicht nur auf öffentlichen Plätzen eine bessere Situation schaffen. «Sondern auch das Quartier entlasten, weil es die Leute hierhin kanalisiert.»