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Einbrüche in Waffengeschäfte So funktionieren die «Verbrechen auf Bestellung»

Es sind meist junge Männer aus Frankreich, die in Schweizer Waffengeschäfte einbrechen oder Luxusautos klauen. Die Hintergründe.

Sitten im Wallis, Höri im Kanton Zürich, Monte Carosso im Tessin und nochmals Sitten – in all diesen Orten wurde in den letzten Wochen in Waffengeschäfte eingebrochen. Diese Einbrüche sind mit grosser Wahrscheinlichkeit Verbrechen auf Bestellung, Verbrechen, die kriminelle Organisationen auslagern. «Dafür werden junge Erwachsene, aber auch Minderjährige missbraucht», sagt Berina Repesa vom Bundesamt für Polizei Fedpol.

300 bis 350 Verbrechen landauf, landab, Einbrüche in Waffengeschäfte, Autogaragen oder Bijouterien, fallen allein seit Anfang Jahr in diese Kategorie, schätzt das Fedpol. «Das ist eine erschreckende Zahl, denn es bedeutet auch, dass über 360 Jugendliche für Straftaten in der Schweiz rekrutiert wurden, darunter auch Schweizer Jugendliche», so Repesa.

Schnelles Geld, schnelle Autos

Die grosse Mehrheit kommt aber aus den Banlieues der französischen Grossstädte. Dort hört man französischen Rap. In den Songs geht es um Gangster und schnelle Autos, teure Uhren und schnelles Geld. Genau das, was man ihnen für einen Einbruch in der Schweiz verspricht.

Repesa skizziert, wie das System funktioniert: Da seien die Auftraggeber, dann die Rekrutierer, die auf Social Media tätig seien. Dann gebe es noch die Logistiker, die die Fahrzeuge zur Verfügung stellten oder die Zugtickets. Sie würden die Jugendlichen instruieren, wie sie an die Luxusautos kommen. «Und dann – am Ende dieser ganzen Kette – gibt es die Soldaten und Soldatinnen.» Meist junge Männer ohne Erfahrung.

Fast nur kleine Fische werden geschnappt

Das erleichtert die Arbeit der Polizistinnen zwar, weil sie oft dilettantisch vorgehen. Aber es macht ihre Verfolgung auch besonders gefährlich, sagt Christian Brenzikofer, Kommandant der Kantonspolizei Bern. «Sie sind dann mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde unterwegs – können aber kaum Auto fahren.» Man habe im Nachgang zu solchen Delikten schon sehr schwere Unfälle gehabt. Den Auftraggebern sei es egal, wenn die Täter erwischt werden. «Für ihre Auftraggeber sind sie eine Art Wegwerfdelinquenten», sagt denn auch Brenzikofer.

Feldpol-Sprecherin Repesa erklärt, dass hinter ihnen internationale Verbrecherorganisationen stecken. «Wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass in der Schweiz entwendete Waffen innerhalb von 24 Stunden in Marseille bei Bandenkämpfen aufgetaucht sind.»

Verstärkte Zusammenarbeit

Gegen diese internationalen Verbrechernetzwerke vorzugehen, sei für eine einzelne Kantonspolizei kaum möglich. Daher haben das Fedpol, das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit sowie verschiedene Kantonspolizeien eine Taskforce gegründet. Ein erster Erfolg waren Ermittlungen, die diesen Sommer zur Verhaftung eines Auftraggebers in Belgien geführt haben.

Allerdings bleibt den Schweizer Polizeikräften oft nur, die kleinen Fische zu verfolgen und sie festzunehmen. Auch das sei wichtig, sagt der Kriminologe Dirk Baier von der ZHAW, denn es spreche sich herum, dass man in der Schweiz auch überführt werden könne.

Das Grundproblem, dass in den französischen Banlieues viele junge Männer keine Perspektive sehen und daher bereit sind, Verbrechen zu begehen, kann die Schweiz laut Baier aber nicht lösen. Sie könne nur versuchen, ähnliche soziale Entwicklungen zu vermeiden. «Weil genau da ‹crime as a service› erfolgreich ist. Bei solchen jungen Männern, die sonst nichts zu verlieren haben.»

Echo der Zeit, 6.7.2026, 18:00 Uhr

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