- Die Schweizer Stauseen sind deutlich weniger gefüllt als sonst zu dieser Jahreszeit üblich.
- In den letzten 20 Jahren waren sie nie so leer wie jetzt.
- Das zeigen neueste Zahlen des Bundes.
- Der Bund sieht kurz- und längerfristig kein Problem in der Versorgungssicherheit der Schweiz.
Die Speicherseen sind aktuell zu 46 Prozent gefüllt, wie das Bundesamt für Energie in seinem wöchentlichen Bericht mitteilt. Damit liegen die Pegel um 16.4 Prozent tiefer als durchschnittlich zum selben Zeitpunkt in den letzten 20 Jahren.
Gründe für die tiefen Pegel bei den Schweizer Stauseen sind unter anderem der geringe Schneefall im Winter und die aktuelle Trockenheit. Gemäss Zahlen des Bundes gehört der Frühling 2026 im landesweiten Mittel zu den trockensten Frühlingen seit Messbeginn 1864.
Generell können die Speicherseen etwa 20 Prozent der Nachfrage im Winterhalbjahr decken.
Trotzdem dürfte kein Engpass in der Stromversorgung zu erwarten sein, sagt Andreas Jöckel von der Eidgenössischen Elektrizitätskommission Elcom. Er schränkt aber gleichzeitig ein, dass es noch relativ früh sei, dies zu prognostizieren. Es hänge von den Niederschlägen der nächsten Monate ab.
Auch der Energiekonzern Alpiq rechnet damit, dass sich die Speicherseen noch füllen werden. Der Konzern ist unter anderem an den Stauseen Grand Dixence, Emosson und Gougra im Wallis beteiligt. Wegen der zwischenzeitlichen Hitzeperiode hätten sich diese Stauseen letztens doch wieder gut gefüllt, teilte Alpiq auf Anfrage von Nachrichtenagenturen vor einer Woche mit. Sie sind stark von Zuflüssen von Gletschern abhängig.
Weniger Gletscherwasser in Zukunft
Aktuell können Speicherseen wie jene im Wallis noch auf Gletscherwasser zählen, das sie befüllt. Doch mit dem Abschmelzen der Gletscher könnte diese Quelle nach und nach versiegen.
Die Situation könne in den nächsten Jahrzehnten bereits kritisch werden, sagt Glaziologe Matthias Huss von der ETH Zürich. «In zehn, zwanzig, dreissig Jahren werden wir bei gleichen Hitzewellen wie aktuell deutlich weniger Wasser haben, das vom Gletscher abfliesst», sagt Huss.
Doch auch für die Zukunft sei das kein Problem für die Versorgungssicherheit, sagt Andreas Jöckel von der Elcom. Speicherseen könnten lediglich etwa 20 Prozent der Nachfrage im Winterhalbjahr decken. Es sei nicht entscheidend, wenn die Speicherseen künftig vielleicht nicht mehr ganz gefüllt werden, so Jöckel.