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Ermittlungen in Crans-Montana Ex-Bundesanwalt Lauber: «Ein grosses Versäumnis»

Der ehemals oberste Strafverfolger der Schweiz, Ex-Bundesanwalt Michael Lauber, kritisiert das Strafverfahren in Crans-Montana scharf. Er wirft den Behörden schwere Fehler vor, die der Glaubwürdigkeit der gesamten Schweizer Justiz schadeten.

Michael Lauber

Ehem. Bundesanwalt, heute Sprecher der christkath. Kirche Schweiz

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Michael Lauber war acht Jahre Bundesanwalt der Schweiz. Im August 2020 ist er nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zurückgetreten. Ihm wurde vorgeworfen, er habe im Zusammenhang mit einem vertraulichen, nicht protokollierten Treffen mit Fifa-Präsident Gianni Infantino nicht die Wahrheit gesagt. Das Strafverfahren gegen Lauber wurde 2023 eingestellt, die Ermittlungen fanden keine Hinweise auf strafbares Verhalten. Seit Ende 2024 ist Michael Lauber Sprecher der christkatholischen Kirche Schweiz.

SRF News: Sie kritisieren die Ermittlung in Crans-Montana. Wieso?

Michael Lauber: Mich stören drei Punkte: die Kommunikation, die Obduktionen und die Haft. Die Kommunikation war am Anfang viel zu technisch und hat die Gefühle im Land, wie Wut, Chaos, Unverständnis, nicht aufgenommen. Es fehlte an Empathie und einer klaren Orientierungshilfe, um zu erklären, was die Rolle der Staatsanwaltschaft ist und was man erwarten kann. Dadurch entstand der Eindruck, das Schweizer Justizsystem sei langsam und handle nicht zugunsten der Opfer. Das schadet der Reputation der gesamten Justiz.

Person mit weissem Hemd lächelt vor einer verschwommenen Fensterkulisse.
Legende: Der ehemalige Bundesanwalt Michael Lauber im Gespräch mit Radio SRF. SRF / David Karasek

Aber das Strafverfahren im Untersuchungsteil ist nicht öffentlich. Das heisst, eine Staatsanwaltschaft unterliegt dem Amtsgeheimnis.

Nicht zu kommunizieren, ist keine Option. Ein Strafverfahren ist zwar geheim, aber man erfüllt eine öffentliche Funktion. Es gibt Momente, in denen man kommunizieren muss.

Man hätte alle Opfer obduzieren müssen. Die Angehörigen haben ein Anrecht darauf, dass mit aller Macht herausgefunden wird, warum ihre Liebsten nicht mehr am Leben sind.

Wie beurteilen Sie, dass zunächst offenbar nur 2 von 41 Opfern obduziert wurden?

Das ist ein grosses Versäumnis.

Die Barbetreiber hätten sofort in Haft genommen werden müssen, um Beweismittel zu sichern und Verdunkelung zu verhindern.

Wieso?

Ein Brand mag als Todesursache offensichtlich erscheinen, aber woran die einzelnen Menschen wirklich gestorben sind, weiss man nur durch eine Obduktion. Man hätte alle obduzieren müssen. Die Angehörigen haben ein Anrecht darauf, dass mit aller Macht herausgefunden wird, warum ihre Liebsten nicht mehr am Leben sind. Das kann man nicht mehr nachholen. Zudem hätten die Barbetreiber sofort in Haft genommen werden müssen, um Beweismittel zu sichern und Verdunkelung zu verhindern. Stattdessen wurde erst auf öffentlichen Druck reagiert.

Hätten Sie als Bundesanwalt gewollt, dass man Sie von aussen so hart kritisiert?

Das ist doch unzählige Male passiert, das gehört zum Geschäft. Ich äussere mich hier, weil mir daran liegt, dass die Institutionen glaubwürdig funktionieren. Ein Strafverfahren ist die härteste Massnahme des Staates. Wenn man sie anwendet, dann muss man sie mit aller nötigen Härte am Anfang und absolut glaubwürdig führen.

Nur weil ich kritisiert wurde, bin ich keine Persona non grata und habe meine Meinungsfreiheit.

2020 mussten Sie die Bundesanwaltschaft wegen der Fifa-Affäre verlassen. Man warf Ihnen damals vor, mit Ihren nicht deklarierten Treffen mit dem Fifa-Präsidenten Infantino den Ruf der Schweiz zu schädigen. Sind Sie mit Ihren eigenen Verfehlungen der Richtige, der sich jetzt einmischt?

Nur weil ich kritisiert wurde, bin ich keine Persona non grata und habe meine Meinungsfreiheit. Dass ich für meine Äusserungen hier kritisiert werde, nehme ich in Kauf. Dieses Ereignis ist zu schlimm und die Fehler sind zu wichtig, als dass ich nichts dazu sage. Meine Kritik ist sachlich, ich greife niemanden persönlich an. Das ist der Unterschied zu dem, was bei mir passiert ist.

Das Gespräch führte David Karasek.

Tagesgespräch, 2.6.2026, 13 Uhr ; 

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