- Das Nein-Komitee gegen die «Ernährungsinitiative» hat in Bern seine Argumente vorgelegt.
- Die Forderung nach einem Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent und die Umsetzung über staatliche Eingriffe in Konsum und Produktion seien kontraproduktiv, hiess es.
- Dies sei nur mit einschneidenden Eingriffen erreichbar, so das Nein-Komitee vor den Medien.
Die Ernährungsinitiative gefährde die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten, indem sie diese zu einer hauptsächlich veganen Ernährung zwingen wolle, schwäche die einheimische Produktion, verteuere Lebensmittel und kurble den Einkaufstourismus an, sagen die Gegner der Initiative.
Vertreter von Gewerbe und Nahrungsmittelindustrie kritisierten am Donnerstag vor den Medien die wachsende staatliche Bevormundung und Bürokratie. Ständerat Fabio Regazzi (Mitte/TI), Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes, sagte, die Initiative setze auf staatliche Lenkung statt Eigenverantwortung. Sie betreffe zudem nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch Tausende kleine und mittlere Unternehmen «entlang der gesamten Lebensmittelkette».
Auch für seine Ratskollegin Petra Gössi (FDP/SZ) ist eine staatliche Ernährungslenkung zum Scheitern verurteilt. Eine wirksame Umsetzung der Ziele der Initiative würde massive Einschränkungen im Verkauf bedingen und sei handelspolitisch riskant, so Gössi gemäss Mitteilung.
Kulinarisches Erbe in Gefahr
Gastrosuisse-Präsident Beat Imhof sagte laut Redetext, die Initiative «würde auch unser kulinarisches Erbe treffen. Fondue, Raclette, Trockenfleisch, Papet vaudois, Zürcher Geschnetzeltes.» Sie sei zwar gut gemeint, aber gefährlich. «Sie bedroht Wahlfreiheit, Regionalität, kulinarische Vielfalt, Wirtschaftlichkeit, Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit.»
Die Solothurner SP-Ständerätin Franziska Roth kritisierte die sozialen Auswirkungen. Eine nachhaltige Ernährung dürfe nicht zum Privileg von Gutverdienenden werden. Höhere Lebensmittelpreise würden vor allem Haushalte mit tiefen und mittleren Einkommen belasten.
Nationalrätin Christine Badertscher (Grüne/BE), Vizepräsidentin der Schweizer Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete, wies darauf hin, dass ohne grasfressende Nutztiere zwei Drittel der Landwirtschaftsflächen nicht für die Ernährung genutzt werden könnten. Die Initiative sei unrealistisch und gefährde die Berg- und Alpwirtschaft. Zudem könne man das Essverhalten der Menschen nicht mit einem Verfassungsartikel ändern.
Man wehre sich gegen «diese Mogelpackung» und den «Vegan-Zwang», wurde SVP-Vizepräsidentin und Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz zitiert. Einen Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent zu erreichen, sei fragwürdig. Die Schweizer Landwirtschaft gehöre bereits bisher zu den nachhaltigsten der Welt.
Ins gleiche Horn stiess Bauernpräsident und Mitte-Nationalrat Markus Ritter (SG). Er sei für eine starke Landwirtschaft und für eine sichere Versorgung – aber gegen einen «Vegan-Zwang» und das utopische Ziel von 70 Prozent Selbstversorgungsgrad.
Urheberin der Trinkwasserinitiative
Die Ernährungsinitiative mit dem offiziellen Titel «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser» kommt am 27. September vors Volk. Dahinter stehen Franziska Herren vom Verein «Sauberes Wasser für alle» sowie sechs weitere Personen.