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ETH-Labor in Zug Mit Staubsauger und Socke ein Problem der Industrie lösen

In Zug sollen ETH-Studierende an Innovationen für die Wirtschaft tüfteln. Die neue «Learning Factory» kostet 110 Millionen Franken.

Ein Roboterarm saugt Schrauben aus einer kleinen Kiste, schiebt sich ein Stück nach rechts und lässt die Schrauben in ein anderes Fach fallen. Möglich wird dies durch ein am Roboter montiertes Staubsaugerrohr, über das ein Netz gespannt ist, das einer Socke gleicht.

Männer arbeiten mit Roboter und Laptop an Tisch mit Schrauben.
Legende: Jago Irányi (links) steuert den Roboter über den Laptop. Keystone/Urs Flüeler

Jago Irányi hat diese Konstruktion zusammen mit Mitstudierenden entwickelt – und das Programm geschrieben, das dem Roboter die Befehle gibt. Der ETH-Student absolviert in Zürich einen Master in Robotik und forscht in diesem Rahmen auch in der «Learning Factory».

Das neue Lern- und Forschungszentrum auf einem Industrieareal in der Stadt Zug läuft aktuell im Pilotbetrieb. Geplant ist ein Neubau auf dem Areal, in dem das Labor fix installiert ist.

Dem Projekt von Jago Irányi liegt ein reales Problem des Schraubenhandels- und Logistikunternehmens Bossard zugrunde: «Heute bringt ein Lieferroboter die Schrauben zur Montagestation. Hineinlegen muss man sie aber von Hand», sagt Jago Irányi.

Lagerregale voller Kartons und eine Holzpalette.
Legende: Der neue Roboter soll den Transport zwischen Lager und Montagestation dereinst einfacher machen. Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

«Kleines, feines Material, zum Teil auch aus Plastik, kann eine Roboterhand nicht greifen.» Deshalb seien sie auf die Idee mit dem Netz auf dem Staubsauger gekommen, das den nötigen Unterdruck für das Ansaugen der Teile erzeugt.

Ein Spielplatz

Jago Irányi gefällt es, dass er in Zug an Lösungen für konkrete Probleme tüfteln kann. Er arbeitet gratis, fühlt sich aber nicht ausgenützt – im Gegenteil: «Das hier ist eine einmalige Gelegenheit, um zu lernen. Es ist ein Spielplatz, auf dem man auch Fehler machen darf.»

Rendering eines Gebäudekomplexes mit Bäumen und Gehweg im Vordergrund
Legende: Eine Visualisierung der «Learning Factory». Ab 2035 soll sie in einem Neubau auf dem «Tech Cluster»-Areal in der Stadt Zug Platz finden. Kanton Zug

110 Millionen Franken kostet das geplante Zentrum. Werden alle Gelder gesprochen, soll es bis 2035 im Vollbetrieb sein. Neun im Kanton Zug ansässige Unternehmen sind Teil davon, darunter neben der Firma Bossard auch der Haushaltsgerätehersteller V-Zug oder das Baustoffunternehmen Holcim. Weiter sind die ETH Zürich und der Kanton und die Stadt Zug beteiligt.

Öffentliche Hand trägt den Grossteil der Kosten

Box aufklappen Box zuklappen

In gut zehn Jahren soll das Lern- und Forschungszentrum in der Stadt Zug vollständig in Betrieb gehen. Die Kosten für den Aufbau und die ersten zehn Betriebsjahre belaufen sich auf 110 Millionen Franken.

50 Prozent davon trägt der Kanton Zug, 25 Prozent die Stadt Zug. Der Kantonsrat Zug und der Grosse Gemeinderat der Stadt Zug müssen den Kredit noch genehmigen. In der Stadt Zug gibt es auf jeden Fall auch eine Volksabstimmung dazu, auf Kantonsebene ist dies auch möglich.

16.6 Millionen Franken, also 15 Prozent der Gesamtkosten, steuern die beteiligten Unternehmen bei, die ETH Zürich zahlt 10 Prozent.

Neben der Nähe zur Industrie setzt das geplante Lern- und Forschungszentrum auf die Verbindung von Theorie und Praxis. Die Studierenden der ETH arbeiten mit Lernenden und Fachleuten aus den beteiligten Unternehmen zusammen.

Silberner Roboter mit Logo zwischen blauen Behältern
Legende: Der Roboter dient als Prototyp. Zentral ist die Idee, die in der Industrie weiterentwickelt werden kann. Keystone/Urs Flüeler

Jago Irányi ist von diesem Konzept überzeugt: «Ich kann mich unmittelbar mit einem Spezialisten aus der Branche austauschen, und wir kommen schnell zu Lösungen. Diese Möglichkeit habe ich unter Studierenden nicht.»

Komische Ideen

«Am Anfang haben die Studierenden zum Teil Ideen, die für uns komisch anmuten», sagt Urs Güttinger, der beim Unternehmen Bossard die technische Abteilung führt. Nach ein, zwei Monaten wachse aber das Verständnis für die Bedürfnisse der Industrie.

Mann am Computer mit Bossard-Paket im Vordergrund.
Legende: Die Bossard AG mit Sitz in der Stadt Zug produziert sogenannte Verbindungstechnik, sprich Schrauben, Muttern oder Klammern. Bossard AG

Und manchmal seien es gerade die aussergewöhnlichen Ideen, die zum Erfolg führten: «Der Roboter mit dem Staubsauger als Greifer wirkte am Anfang auch komisch. Am Ende war er der einzige, der funktionierte.»

Urs Güttinger verspricht sich von der Beteiligung an der «Learning Factory» innovative Produkte, die sein Unternehmen an den Markt bringen kann: «Wir sind ein sehr traditionelles Unternehmen, neue Gedanken und Inspirationen tun uns gut.»

Stadtansicht mit Wohngebäuden und Herbstbäumen.
Legende: Per Ende 2025 waren im Kanton Zug so viele Firmen eingetragen wie noch nie. Keystone/Urs Flüeler

Der Kanton Zug als grösster Geldgeber habe vor allem Interesse an einem ETH-Standort im Kanton, sagt die Regierungsrätin Silvia Thalmann-Gut. «Es ist ein Bildungsprojekt, mit dem wir das Wissen aus der Hochschule zu unseren Industrieunternehmen bringen.»

Das Projekt für das Lern- und Forschungszentrum ist auf zehn Jahre angelegt und wird danach allenfalls verlängert und ausgebaut.

Regionaljournal Zentralschweiz, 16.3.2026, 17:30 Uhr ; 

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