Über tausend Tätlichkeiten gibt es jedes Jahr in den Amateurligen auf Schweizer Fussballplätzen. Darunter auch immer wieder mal krasse Fälle.
Klar ist: Die Mehrheit der Fussballspiele verläuft ruhig und fair. Dennoch handeln die regionalen Fussballverbände, damit die Zahlen nicht weiter steigen.
Positive Bilanz von Bodycams
Der Solothurner Fussballverband testet als schweizweit erster regionaler Verband den Einsatz von Bodycams bei Schiedsrichtern. Nach einem Jahr ist das Fazit gut.
Die Schiri-Bodycam
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Bild 1 von 2. Eine kleine Kamera soll den Schiri schützen: In heiklen Momenten kann der Schiedsrichter die Kamera betätigen. Das Bild wird einige Sekunden rückwirkend aufgezeichnet. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 2. Wird die Kamera betätigt, ertönt ein Geräusch. Dies reiche häufig bereits, um die Situation zu beruhigen und Diskussionen zu unterbinden. Bildquelle: Solothurner Fussballverbamd / Bodycam-Aufnahme.
Marc Häni von der Wettspielkommission sagt: «Wir haben weniger Gelb-Rote und weniger Rote Karten wegen Vergehen am Schiedsrichter.» Und auch die Betroffenen zeigen sich zufrieden. «Es hat etwas gebracht. Man fühlt sich sicherer, ist mehr akzeptiert», sagt Schiedsrichter Janik Lüscher.
Die Hemmschwelle steigt, daher bringt die Bodycam etwas.
Die Testphase läuft im Sommer aus. Dann plant der Verband, sich fix etwa 25 Bodycams anzuschaffen. Kostenpunkt: ca. 14’000 Franken. Die Reaktion der Spieler ist unterschiedlich. Von «Die Hemmschwelle steigt, daher bringt die Bodycam etwas» bis zu «Das realisiert man nicht. Wir spielen wie immer».
Kameras zum Schutz aller
«Wir wollen den ganzen Sport schützen. Spieler, Zuschauer, nicht nur die Schiedsrichter», sagt Philipp Stomeo vom Fussballverband Region Zürich. Ab Sommer werden die ersten Zürcher Sportplätze deshalb mit fixen Kameras ausgestattet. Die KI verfolgt das Spiel.
Das ist wieder mehr Überwachung, das ist nicht gut.
Ob man dadurch die Zahl der Vorfälle reduzieren könne, sei schwierig zu sagen. Aber man erhofft sich Vorteile bei der Aufklärung, weil man im Nachgang Videomaterial zur Verfügung hat.
Bis zu 2000 Franken zahlt der Verband an die Clubs bei einer Installation. Ein weiterer Vorteil gegenüber der Bodycam sei, dass mit einer fixen Kamera sämtliche Spiele auf einem Sportplatz aufgenommen werden können. Bei den Fans ist die Rückmeldung gemischt.
«Das ist wieder mehr Überwachung, das ist nicht gut. Man sollte mehr in die Prävention investieren, in die Ausbildung der Trainer», meint Marco Tettamonti. Ein anderer Fan findet hingegen: «Das würde mich nicht stören. Ich bin anständig und habe nichts zu verstecken.»
Selbst ist der Mann
Nichts von technischen Hilfsmitteln hält der Präsident des aargauischen Fussballverbands, Luigi Ponte. Dort setzt man auf Menschen. So gehen Funktionäre vor Ort und begleiten die Spiele und begutachten die Schiedsrichter. «Die Spieler kennen mich. Wenn ich vor einem Match durchlaufe, sagen sie: ‹Oh, Ponte ist da. Da ist einer, der schaut hin.› Das hilft mehr als jede Kamera», findet Ponte.
Der Präsident als Aufpasser
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Bild 1 von 2. Im Aargau setzt man auf Kommunikation. Verbandsfunktionäre schauen den Schiedsrichtern und Spielern zu. Auch der Präsident, Luigi Ponte, steht selbst immer wieder als Beobachter neben dem Platz. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 2. Luigi Ponte kennt man in der Szene. Spieler, Trainer und Clubpräsidenten freuen sich jeweils über den Besuch. Häufig trifft der ehemalige Schiedsrichter Ponte auf alte Weggefährten. Bildquelle: SRF.
Ein Trainer meint zur Präsenz des Präsidenten: «Wir freuen uns immer, wenn er kommt. Aber ich glaube, die Spieler realisieren das während des Spiels nicht.» Im Moment laufe es jedoch sehr gut. Es gebe derzeit weniger Vorfälle, findet der Trainer.