Französischer Rap dröhnt durch die Turnhalle in Lausanne Nord. Zwei Spiele laufen gleichzeitig, auf dem Feld stehen gemischte Teams: Jugendliche, Polizistinnen und Polizisten. Es ist ein ungewohntes Bild – und eines mit Vorgeschichte.
Vor gut einem halben Jahr eskalierte die Lage in Lausanne. Jugendliche zündeten eine Busstation an und lieferten sich tagelang Strassenschlachten mit der Polizei.
Sie machten die Beamten verantwortlich für den Tod eines Jugendlichen, der auf der Flucht vor einer Kontrolle ums Leben kam. Kurz darauf wurden rassistische Chats aus dem Inneren der Polizei publik. Das Vertrauen war erschüttert.
Eine Frage des Vertrauens
In diesem Klima wurde ein gemeinsames Fussballturnier abgesagt. Zu gross war die Angst vor neuen Ausschreitungen. Es habe Gerüchte gegeben, Jugendliche wollten sich am Turnier an der Polizei rächen.
Das ist kein Turnier gegen die Polizei, sondern eines mit der Polizei. Wir wollen Brücken bauen.
Jetzt wird das Turnier wieder durchgeführt. Für Mario Scuderi vom Quartierverein ist die Idee klar: «Manchmal verteufeln die Jugendlichen hier die Polizei. Doch heute spielen alle zusammen. Das ist kein Turnier gegen die Polizei, sondern eines mit der Polizei. Wir wollen Brücken bauen.»
Lionel Imhof, bei der Lausanner Polizei für Multikulturalität verantwortlich, sagt: «Unmittelbar nach den Ausschreitungen wäre so ein Turnier wohl kontraproduktiv gewesen.» Heute, ein gutes halbes Jahr später, sei die Situation eine andere: «So ein Anlass hilft, Vertrauen wieder aufzubauen.»
Die Polizisten haben mehr Humor als ich dachte.
Um 18:49 Uhr ist Pause. Es ist Ramadan und die muslimischen Jugendlichen sollen Gelegenheit haben, das Fasten zu brechen.
Auch der 13-jährige Youssef hat eine Dattel in der Hand. Seine Teamkollegen haben ihn positiv überrascht: «Die Polizisten haben mehr Humor, als ich dachte.» Auch die 14-jährige Bintu sagt: «Hier zeigen sie mehr von sich. Auf der Strasse ist das nicht möglich.» Polizisten, die mitspielen, sehen das ähnlich.
Auf dem Feld wird wieder angepfiffen. Die Zweikämpfe sind intensiv, die Stimmung bleibt friedlich.
Nicht alle Jugendlichen nehmen teil
Aber sind das wirklich die Jugendlichen, die in der Polizei eine Feindin sehen? Polizist Lionel Imhof: «Es gibt schon auch skeptische Jugendliche hier in der Halle. Es sind wahrscheinlich aber eher die Älteren, die 16- bis 17-Jährigen, die im Publikum sitzen. Aber ich denke, auch das hilft, die Skepsis der Polizei gegenüber etwas zu reduzieren.»
Weder Imhof noch Mario Scuderi, der Vizepräsident des Fussballclubs, erwarten, dass dieses Turnier alle Spannungen zwischen Polizei und Jugendlichen verschwinden lässt. «Die organisierten Banden im Quartier nähmen an so einem Turnier kaum teil», sagt Scuderi. Und zu erwarten ist, dass auch bei den Polizisten die Aufgeschlosseneren auf dem Spielfeld stehen.
Schlusspfiff – doch der Abend ist noch nicht vorbei. Beim gemeinsamen Essen geht das Gespräch weiter. Hier sollen weitere Brücken gebaut werden zwischen Jugendlichen und der Polizei.