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Faszination Ungeziefer «Am Anfang dachte ich noch: Uh, das würde ich nie machen»

20 Jahre lang hat Gabi Müller die Schädlingspräventionsstelle der Stadt Zürich geleitet. Am Anfang ekelte sich die Expertin noch in gewissen Situationen, jetzt hat sie sich daran gewöhnt. Sie hat viel erlebt und hat neben Bettwanzen in einer Matratze auch schon ein grosses Messer entdeckt.

Gabi Müller

Leiterin der Schädlingsprävention der Stadt Zürich

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Schon fast dreissig Jahre lang unterstützt Gabi Müller die Stadtzürcher Bevölkerung – und bekämpft Motten, Schaben, Wanzen oder Wespen. In ihrer Funktion jagt sie auch Tigermücken. Diese sind 2016 erstmals in der Nähe des Hauptbahnhofs aufgetaucht.

SRF News: Viele Leute schaudert es, wenn es um Tiere geht, die krabbeln oder fliegen. Was lösen die Tiere bei Ihnen aus?

Gabi Müller: Bei mir lösen sie eigentlich kein unangenehmes Gefühl mehr aus. Am Anfang war das anders: Mein Kollege hatte auf seinem Pult kleine Dosen mit verschiedenen Proben, mit Insekten oder Kotproben. Und dann packte er sein Mittagessen aus und ich dachte: Uh, das würde ich nie machen. Aber dann habe ich mich daran gewöhnt. Heute bin ich fasziniert. Wenn man einem vergrösserten Käfer in die Augen schauen kann, dann sieht man, wie der aufgebaut ist. Auch Tigermücken sind extrem schöne Mücken.

Mehrere Mücken auf kariertem Papier.
Legende: Tigermücken sind extrem schön, sagt Gabi Müller. Keystone / Gaetan Bally

Welche Schädlinge waren damals aktuell?

Die harmlose Waldschabe, die von draussen reinkommt. Wir hatten Dörrobstmotten, das sind Vorratsschädlinge. Die Rattenbekämpfung mussten wir damals machen, Mäuse und andere Insekten. Aber nicht so viele wie heute, denn die invasiven Arten waren noch nicht da.

Zwei rote Schokoladenkugeln mit weissen Kreuzen.
Legende: Dörrobst-Motten, die Schokoladenkugeln befallen haben. ZVG/UGZ

Wie hat sich die Arbeit in den 30 Jahren verändert?

Früher kamen die Menschen in die Sprechstunde. Heute ist das leider nicht mehr so. Viele Leute fotografieren die Schädlinge und schicken uns einfach ein Mail. Was wir in den letzten Jahren gemerkt haben: Viele versuchen, mit KI die Tiere zu bestimmen, was dann nicht immer richtig rauskommt.

Was ist der Vorteil einer städtischen Fachstelle?

Die Stadt Zürich ist die einzige Stadt in der Schweiz mit einer solchen Fachstelle. Unsere Fachleute sind in Insektenkunde ausgebildet und können selbst Schädlinge bekämpfen. Wir können genau erklären, wie das geht. Oder wir konnten schnell reagieren, als zum Beispiel die Tigermücke kam. In anderen Städten musste zuerst diskutiert werden, wer dafür zuständig ist. Das Wichtigste bei invasiven Insekten ist, dass man sofort etwas dagegen unternimmt.

Bilder aus dem Alltag der Schädlingsbekämpfung

Es ist sehr heiss – können jetzt auch mehr tropische Insektenarten bei uns überleben?

Ja, das ist tatsächlich so. Noch 2015 wurde gesagt, die Tigermücke könne nicht überleben, denn die Winter seien zu kalt. Jetzt lebt sie in einigen Gemeinden und sogar in der Stadt Basel.

Gab es auch skurrile Momente während Ihrer Arbeit?

Ja, zum Beispiel bei Hausinspektionen. Wenn jemand weiss, dass es in einem Haus Bettwanzen hat, und der Vermieter nichts unternimmt, dann können wir vorbeigehen und an den Türen klingeln. Und wenn die Türe geöffnet wird, schauen wir, ob es diese Schädlinge hat. Es ist auch schon passiert, dass ich bei einer Bettwanzen-Inspektion unter der Matratze ein riesiges Messer fand. Da war ich schon froh, dass wir diese Inspektionen nicht alleine machen.

Was wird uns in Zukunft beschäftigen?

Am Zürichsee haben wir Bodentermiten gesehen. Mediterrane Pflanzen sind beliebt und es kann gut sein, dass die Bodentermiten mit dem Wurzelballen eines Olivenbaums in die Schweiz transportiert worden sind.

Das Gespräch führte Mayra Schmidt.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 27.6.2026, 17:30 Uhr ; 

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