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Fehler an Zürcher Herzklinik Tragen Klinikleiter zu viel Verantwortung?

Der Präsident des Vereins der leitenden Spitalärzte spricht über das breite Aufgabenfeld von Klinikleitern.

Ein Bericht, der am Dienstag veröffentlicht wurde, bringt schwerwiegende Verfehlungen in der Herzklinik am Universitätsspital Zürich ans Licht. Es geht um Vorkommnisse während der Amtszeit des ehemaligen Klinikdirektors Francesco Maisano, gegen den schwere Vorwürfe erhoben werden.

Nach dem Vorfall stellt sich generell die Frage, ob die Verantwortung, die Führungspersonen in Spitälern tragen, ein gesundes Mass überschritten hat. Die Einschätzung dazu von Prof. Karl-Olof Lövblad, der den Verein der leitenden Spitalärzte der Schweiz präsidiert.

Karl-Olof Lövblad

Professor für Radiologie, Präsident Leitende Spitalärzte Schweiz

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Karl-Olof Lövblad ist Professor für Radiologie an der Universität Genf und Leiter des Dienstes für neurodiagnostische und neurointerventionelle Radiologie an den Universitätsspitälern Genf (HUG). Er ist zudem Präsident des Vereins der Leitenden Spitalärzte Schweiz.

SRF News: Wie umfassend ist das Aufgabenfeld eines Klinikleiters, einer Klinikleiterin?

Karl-Olof Lövblad: Das Aufgabenfeld ist sehr gross. Der Klinikleiter ist zuständig für Lehre, Forschung, Dienstleistung und Administration. Gerade der Bereich Administration ist mit der Zeit sehr umfangreich geworden. Das bedeutet, Klinikleiter haben viel Verantwortung in extrem vielen Gebieten. Oft spezialisieren sie sich mit der Zeit, sei es auf Forschung, Lehre oder die administrative Arbeit, und geben Verantwortungen ab.

Wie viel Einfluss haben Personen in diesen Positionen letztlich?

Der Gestaltungsspielraum ist schon relativ gross. Man hat viel Verantwortung. Wenn man es gut macht, kann man den Mitarbeitenden Inputs und Impulse geben. Man muss aber auch Arbeiten abgeben können.

Der Skandal an der USZ-Herzklinik

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Eine Administrativuntersuchung hat an der Herzchirurgie des Universitätsspitals Zürich schwerwiegende Mängel und eine Übermortalität nachgewiesen. Der Bericht bestätigt Befürchtungen, die seit den ersten Medienberichten im Jahr 2020 kursierten.

Die am Dienstag in Zürich präsentierten Ergebnisse der unabhängigen Untersuchungskommission zeichnen ein düsteres Bild der Zustände an der Klinik für Herzchirurgie in den Jahren 2016 bis 2020.

Unter der Leitung des ehemaligen Bundesrichters Niklaus Oberholzer und des Herzchirurgen René Prêtre wurden die Vorkommnisse während der Amtszeit des ehemaligen Klinikdirektors Francesco Maisano aufgearbeitet. Der Bericht belegt ein schwerwiegendes Führungs- und Systemversagen auf mehreren Ebenen des Spitals.

Im Zentrum der Ergebnisse steht eine statistisch erhärtete Übersterblichkeit. Drei unabhängige Berechnungsmethoden ergaben, dass es im untersuchten Zeitraum bei rund 4500 Operationen zu 68 bis 74 Todesfällen mehr kam, als statistisch zu erwarten gewesen wäre.

Ist die Verantwortung teils auch einfach zu gross?

Ich bin da gespalten. Es ist klar: Die Verantwortung hat deutlich zugenommen. Ich denke, es kann sich zum Teil lohnen, diese Verantwortung auf mehrere Personen zu verteilen. Man muss aber aufpassen, dass es nicht zu internen Machtkämpfen führt. Denn dann hätte man ein Problem mit einem anderen ersetzt.

Es gibt einen Wettbewerb zwischen den Spitälern. Man setzt auf die profiliertesten Personen. Werden die Führungskräfte nach den richtigen Kriterien rekrutiert?

Die Spitäler müssen schon wählen können, welche Profile sie haben wollen. Es gibt immer auch Differenzen zwischen den Spitälern in ihrem Gebiet. Es braucht aber gewisse Standards. Das heisst, die Führungskräfte müssen auch ein gewisses Niveau in der administrativen Arbeit haben.

Wir haben immer empfohlen, dass die Leute Management-Kurse besuchen.

In Zukunft braucht es hier wohl eine bessere Begleitung für die leitenden Chefärzte, damit sie diese Standards erreichen. Wir haben immer empfohlen, dass die Leute Management-Kurse besuchen. Früher war es häufig so, dass man in der Medizin fast von einem Tag auf den anderen zum Chef oder Leiter befördert wurde. Manchmal waren einige Leute extrem gut im Umgang mit Menschen. Aber ab und zu war das nicht der Fall und dann kann es zu Problemen kommen.

Ärzte in OP-Kleidung gehen einen Krankenhausflur entlang.
Legende: Die Verantwortung, die Klinikleiterinnen und -leiter tragen, habe deutlich zugenommen. Zum Teil könne es sich lohnen, diese Verantwortung auf mehrere Personen zu verteilen, sagt Karl-Olof Lövbled. Keystone / GAETAN BALLY

Wird unterschätzt, wie wichtig diese Management-Kenntnisse sind?

Ja. Es wird von allen Seiten unterschätzt. Man sieht es ja in unterschiedlichen Fällen. Es braucht sehr viel, auch menschliche Fähigkeiten. Es wird verlangt, dass wir gute Leiter, Lehrer, Forscher, Dienstleister, Administratoren und dann vielleicht auch zwischenmenschlich exzellent sind in all diesen Bereichen. Das ist ab und zu relativ schwierig. Es gibt solche Leute. Das ist klar. Aber man kann die Leute wahrscheinlich auch ausbilden. Das braucht jedoch Zeit.

Das Gespräch führte Livia Middendorp.

Heute Morgen, 6.5.2026, 06:00 Uhr ; 

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