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Flugabwehr Schweiz Das sind die Anwärter für den Schweizer Patriot-Ersatz

Die Schweiz soll ein neues Flugabwehrsystem erhalten. Es soll Raketen, Marschflugkörper und Drohnen auf lange Distanzen bekämpfen. Und es soll in Europa hergestellt werden. Gedacht ist das System als Ersatz oder als Ergänzung zu Patriot: Das US-amerikanische System verzögert sich um bis zu sieben Jahre und wird mindestens anderthalbmal so teuer. Der Bundesrat überlegt sich deshalb einen Abbruch der Patriot-Beschaffung.

Mindestens fünf Hersteller aus Frankreich, Deutschland, Israel und Südkorea haben dem Verteidigungsdepartement (VBS) dargelegt, welche Systeme sie bis wann und zu welchem Preis liefern könnten. Dem Vernehmen nach gewichtet das VBS eine rasche Lieferung sehr stark. Denn zurzeit ist die Schweiz laut Armeechef Benedikt Roos gegen Raketen, Marschflugkörper und Drohnen praktisch ungeschützt. Bereits im Juni dürfte der Bundesrat entscheiden, auf welches System er setzt.

Das VBS gibt die möglichen Hersteller nicht bekannt. Recherchen lassen aber Rückschlüsse zu. Im Rennen sind Systeme mit je unterschiedlichen Stärken – die Übersicht:

SAMP/T NG – der Favorit aus Frankreich?

Viele Beobachter setzen auf das System des französisch-italienischen Eurosam-Konzerns. Im Februar hatte Eurosam in der «NZZ am Sonntag» noch erklärt, man könnte die Schweiz innert drei Jahren beliefern. Als das Interesse des VBS aber konkreter wurde, bestätigte Eurosam gegenüber SRF sein Lieferversprechen nicht mehr. Ein Kauf in Frankreich könnte die schwierigen Beziehungen zu unserem westlichen Nachbarn kitten helfen: Vor fünf Jahren hat sich die Schweiz gegen den französischen Rafale-Kampfjet entschieden. Dies führte zu Verstimmungen. Denn der Bundesrat hatte Frankreich lange im Glauben gelassen, der französische Jet sei noch im Rennen – obwohl sich das VBS bereits für den F-35 entschieden hatte.

Diese Systeme könnten dereinst den Schweizer Himmel schützen

Die israelischen Abwehrsysteme – kriegserprobt, aber politisch heikel

Im Rennen sind die israelischen Systeme Arrow und David's Sling sowie allenfalls noch ein weiteres Produkt. Für die israelischen Angebote spricht, dass sie kriegserprobt sind. Allerdings wäre ein Kauf in Israel innenpolitisch kaum vermittelbar wegen der höchst umstrittenen Kriegsführung in Gaza und im Libanon. Ausserdem hat die Schweiz jüngst schlechte Erfahrungen mit Israels Rüstungsindustrie gemacht: Die Aufklärungsdrohne ADS-15 ist um Jahre verspätet und leistet deutlich weniger als versprochen. Auch bei der Lieferung von israelischen Funkgeräten kam es zu Qualitäts- und Terminproblemen.

Das deutsche Angebot – kaufen ab Reissbrett?

Eigentlich spricht viel für das System IRIS-T SLX der süddeutschen Herstellerin Diehl: Die Schweiz hat für die Abwehr auf mittlere Distanzen bereits das Schwestersystem IRIS-T bestellt. Wenn das VBS nun für die grosse Distanz ein System desselben Herstellers kauft, könnte dies Effizienzgewinne bringen. Allerdings ist dieses System erst in Entwicklung. Die Schweiz würde also – zugespitzt – Kriegsgerät ab Reissbrett kaufen. Ein Risiko.

Der Exot aus Südkorea

Noch nie hat die Schweiz Rüstungskäufe in Südkorea getätigt. Doch die dortige Rüstungsindustrie ist gross und beginnt, in Europa Fuss zu fassen. Im Rennen ist das System L-SAM des Herstellers Hanwha. Weil der Bundesrat auf ein System setzt, das in Europa produziert wird, müsste Hanwha für die Produktion einen Industriepartner in Europa finden. Im Bereich Artillerie hat Hanwha bereits eine Industriekooperation in Polen abgeschlossen. Wie dies für die Luftabwehr möglich wäre, ist offen. Die Hürde scheint gross.

SRF 4 News, 29.5.2026, 17 Uhr; herb

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