Warnungen vor Engpässen bei Flugbenzin werden zurzeit lauter. Die Kerosinkosten sind seit Beginn des Irankriegs weltweit stark gestiegen. Fluggesellschaften streichen tausende Flüge, senken ihre Gewinnprognosen oder erhöhen die Preise für Flugtickets. Rohstoffhändler warnen davor, dass die wahre Krise noch komme.
Wie spüren die Freizeitfliegerei, private Jet-Anbieter und ein Regionalflughafen wie Bern-Belp die Verwerfungen, die der Irankrieg bringt?
Engpässe im Sommer
Im Moment würden sie in Bern noch keine Auswirkungen spüren, sagt Flughafen-Chef Urs Ryf. Sie stünden aber in Kontakt mit den Treibstofflieferanten. «Die nächsten vier Wochen sind gemäss den Lieferanten sichergestellt», so Ryf.
Er gehe jedoch davon aus, so der CEO von Bern-Belp, dass es bereits diesen Sommer zu Engpässen komme. Weil die Lieferketten so stark gestört seien. Sollte in Bern das Kerosin ausgehen, dann würde das publiziert, damit die Kunden, die Fluggesellschaften, Bescheid wüssten, sagt Ryf. Doch allzu akut werde es kaum, dank der Pflichtlager der Schweiz.
Doch sollte die Schweiz auf Treibstoff aus den Pflichtlagern zurückgreifen müssen, dann könnte dieser priorisiert abgegeben werden. Laut Urs Ryf wohl zuerst an Rettung und Regierung, dann eher für Langstreckenflüge und weniger für Kurzstrecken- und Privatflüge. Viel entscheidender für die Flüge ab Bern sei, ob die Zieldestination genug Flugbenzin zur Verfügung stellen könne. Dort könnte die Verfügbarkeit weniger gesichert sein, als in der Schweiz.
Werde wegen der hohen Treibstoffpreise das Fliegen teurer und gebe es weniger Buchungen, dann falle das auf den Flughafen zurück. «Weil wir auf jeden Passagier ab Bern eine Taxe erheben», so Flughafen-Chef Ryf.
Stabile Nachfrage bei privaten Jet-Flügen
Anbieter von privaten Luxusflügen sind zum Beispiel Swiss Luxury Services oder Simply Jet. Rami Mustapha, Gründer von Swiss Luxury Services, sagt, auch sein Unternehmen spüre den Irankrieg. «Insbesondere beobachten wir eine erhöhte Volatilität bei den Kerosinpreisen, welche sich direkt auf die Charterkosten auswirkt.» Zwar sei Flugbenzin derzeit an den meisten europäischen Standorten verfügbar, er nehme jedoch eine zunehmende Sensibilität im Markt wahr.
Steigende Treibstoffkosten würden die Gesamtflugkosten verteuern, was in gewissen Fällen zu einer sorgfältigeren Planung seitens der Kunden führe, so Rami Mustapha.
Dennoch zeige sich die Nachfrage im Bereich der privaten Luftfahrt insgesamt weiterhin stabil, so Swiss Luxury Services. «Unsere Klientel ist naturgemäss weniger preissensibel als jene im kommerziellen Linienverkehr.» Faktoren wie Flexibilität und Zeitersparnis würden entscheidende Argumente bleiben.
Yann-Guillaume Jaccard, CEO von Simply Jet, pflichtet dem bei. Bei Preisen für Flüge in einem Privatjet, die zwischen 4000 und 12'000 Euro pro Flugstunde kosten, ist es offenbar für viele seiner Kunden okay, mehr für einen Flug zu bezahlen. Doch es gebe auch Kreise, die preislich nun an ein Limit kämen, so Jaccard.
Schwierige Zeiten
Für die Zukunft ist der CEO von Simply Jet nicht sehr optimistisch. Man stecke in einer «Deadlock-Situation», sagt er. Die Lage im Iran und damit die Situation auf dem Treibstoffmarkt sei verfahren. Rami Mustapha von Swiss Luxury Services klingt optimistischer. Er geht davon aus, dass die private Luftfahrt nicht grundsätzlich unter Druck geraten werde.