Die Opfer von Frauenhandel seien sehr unterschiedlich, sagt Fanie Wirth von der Fachstelle für Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ): «Das Alter der Opfer variiert von sehr jung bis über 60 Jahre alt – und sie stammen aus insgesamt über 80 Ländern.»
Auffällig viele Opfer kämen allerdings aus Osteuropa: aus Rumänien, Ungarn oder Bulgarien. Eines hätten diese Frauen gemeinsam, so Wirth: «Sie sind strukturell benachteiligt. Weil sie zum Beispiel keinen Zugang zu Bildung oder zu Arbeitsanstellungen in ihren Herkunftsländern haben, finanziell abhängig sind oder weil sie für ihre ganze Familie Geld verdienen müssen.»
228 Opfer von Frauenhandel hat die Fachstelle FIZ, die im Auftrag von Bund und Kantonen arbeitet und als gemeinnütziger Verein organisiert ist, letztes Jahr betreut. Eine Zahl, die seit Jahren steigt. Wirth wertet dies einerseits als gutes Zeichen, «insofern, dass die Sensibilisierung steigt – die Personen also eher erkannt werden.» Andererseits zeige dies natürlich auch, dass die Dunkelziffer nochmals viel höher sei und dass der Menschenhandel in der Schweiz ein akutes Problem bleibe, so Wirth weiter.
Nur ein Bruchteil der Fälle wird überhaupt erst erkannt
Ein grosser Teil dieser Migrantinnen landet in der Sexarbeit, viele aber auch in privaten Haushalten, wo sie mehr oder weniger von der Schweizer Gesellschaft abgeschottet sind. «Ihre einzigen sozialen Kontakte sind die Täterinnen und Täter. Sie kennen das System nicht. Sie kennen ihre Rechte nicht. Sie kennen keine Unterstützungsangebote», sagt Wirth. Sich Hilfe zu holen, sei für die Opfer deshalb schwierig.
Die Frauen, die von der FIZ betreut werden, wurden der Fachstelle zugewiesen, beispielsweise von der Polizei oder von Rechtsvertretern aus dem Asylsystem. Unentdeckte Fälle dürfte es daher noch viel mehr geben, sagt Wirth: «Es ist ein Bruchteil der Personen, die wir tatsächlich identifizieren können.»
Forderung nach mehr Sensibilisierung
Um die Situation zu verbessern, schlägt Wirth vor, die Abhängigkeit der Frauen von den Täterinnen und Tätern zu verringern. Dies könne beispielsweise durch mehr legale Möglichkeiten für Sexarbeit oder eine stärkere Kontrolle der Arbeit in privaten Haushalten erreicht werden. Zudem sei eine verstärkte Sensibilisierung der Bevölkerung notwendig, um künftig mehr Fälle von Frauenhandel erkennen zu können.