- Die Winterthurer Extremismus-Fachstelle hat im vergangenen Jahr 13 Mal die Stadtpolizei beigezogen.
- Dies, weil jemand Hinweise auf Gewaltbereitschaft oder Selbstgefährdung machte.
- Den Messerangriff am Hauptbahnhof konnte sie nicht verhindern.
Seit bald zehn Jahren berät die Fachstelle Schulen, Eltern, Lehrerbetriebe und Behörden bei einem Verdacht auf Radikalisierung einer Person. «Leider kann auch die beste Prävention tragische Vorfälle nicht verhindern», schreibt der zuständige Stadtrat Nicolas Galladé (SP) im Jahresbericht der Extremismus-Fachstelle. Die Messerattacke vom 28. Mai habe alle erschüttert und für grosse Verunsicherung gesorgt.
Die Arbeit der Fachstelle für Extremismus und Gewaltprävention (FSEG) sei gerade im aktuellen Umfeld besonders wichtig. «Wir müssen am Ball bleiben und unsere Augen und Ohren offen halten.»
Jugendliche mit Gewaltfantasien
Während im Jahr 2022 noch 41 Beratungen durch die Fachstelle stattfanden, waren es letztes Jahr 58. In 13 Fällen zog die Fachstelle 2025 auch die Stadtpolizei bei, weil es Hinweise auf Gewaltbereitschaft oder Selbstgefährdung gab. Das war jeder fünfte Fall, wie die Leiterin der Fachstelle, Serena Gut, sagt. Im Vorjahr gab es erst drei solcher «sicherheitsrelevanten Anfragen».
In den meisten Fällen handelte es sich um bedrohliche Aussagen oder Gewaltfantasien von Jugendlichen. Ein Beispiel war etwa ein Schüler mit psychischer Vorerkrankung, der wiederholt ankündigte, er werde «am Abschluss allen zeigen, was er von der Schule halte».
Derzeit beschäftigt sich die Fachstelle auch mit Fragen zur «Manosphere», also problematischen Männlichkeitsbildern, die meist mit Frauenfeindlichkeit einhergehen. Im Alltag zeigt sich diese Entwicklung etwa mit zunehmend respektlosem Verhalten gegenüber Lehrerinnen.