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Grosser Stromausfall Was passiert bei einem «Blackout» in der Schweiz?

Im Zuge der Diskussionen um die Volksinitiative «Blackout stoppen» im Parlament wird vermehrt vor dem Szenario eines grösseren Stromausfalls gewarnt. Doch was ist ein «Blackout» genau und was passiert, wenn es eintritt?

Das Szenario: In der nationalen Risikoanalyse «Katastrophen und Notlagen Schweiz» hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz das Szenario eines grossen Stromausfalls skizziert. Es wird dabei davon ausgegangen, dass Gewitterstürme Frequenzschwankungen im Netz verursachen und der Strom in Teilen Europas, auch im schweizerischen Mittelland, ausfällt. Der Ausfall dauert in dem Szenario 2–3 Tage. Bis sich die Situation für die Bevölkerung und die Wirtschaft normalisiert hat, würde es gemäss dem Szenario danach aber noch mehrere Tage bis Wochen dauern.

«Blackout» oder «Strommangellage»?

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Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz unterscheidet in den Gefährdungsdossiers zwischen zwei unterschiedlichen Szenarien: dem «Stromausfall», respektive «Blackout», und der «Strommangellage».

Demnach spricht man von einem «Stromausfall», wenn die Versorgung mit elektrischer Energie unvorhergesehen ausfällt. Von einem «Blackout» spricht man, wenn die Stromversorgung in einem Netz vollständig zusammengebrochen ist. Ein «Stromausfall» oder «Blackout» kommt unerwartet und ist oft von kurzer Dauer, rund 5 bis 7 Tage.

Demgegenüber handelt es sich bei der «Strommangellage» um eine längerfristige Stromunterversorgung, die meist über Wochen absehbar ist und rund 5 bis 16 Wochen dauern kann.

Ein Stromausfall kann sowohl während einer Strommangellage und damit zusammenhängend auftreten als auch unabhängig davon.

Das alles fällt aus: Da Pumpen nicht funktionieren, kann die Trinkwasserversorgung aussteigen. Lebensmittelgeschäfte bleiben vorerst geschlossen. Der Mobilfunk fällt nach rund einer halben Stunde aus, die meisten Menschen haben keine Kommunikationsmöglichkeiten. Der Strassenverkehr ist beeinträchtigt, weil Verkehrsleitsysteme ausfallen, Strassentunnel sind aus Sicherheitsgründen gesperrt. Auch der öffentliche Verkehr ist stark eingeschränkt. Zudem sind die Notrufzentralen und Einsatzkräfte ausgelastet. Es müssen Menschen aus Liften, Tunneln und Luftseilbahnen gerettet werden. Um die Bevölkerung zu unterstützen, richten die Einsatzorganisationen Notfalltreffpunkte ein.

Hochspannungsmast mit Stromleitungen vor bewölktem Himmel.
Legende: Ein grösserer Stromausfall passiert meist unerwartet. Ursache können etwa technische Probleme, Unwetter, Cyberangriffe oder auch ein Frequenzabfall durch Produktionsverlust sein. Keystone / CHRISTIAN BEUTLER

Todesopfer und Verletzte: In dem Szenario geht das Bundesamt für Bevölkerungsschutz von etwa 320 Todesopfern und mehreren Tausend Verletzten aus. Vor allem am ersten Tag häufen sich demnach Verkehrsunfälle, weil die Verkehrsregelungsanlagen ausfallen. Spitäler können auf Notstromaggregate zurückgreifen, doch es kommt zu Todesfällen von Personen, die ausserhalb von Spitälern von lebenserhaltenden Maschinen abhängig sind. Kerzen verursachen abends und nachts Brände, und da Kühlschränke ausfallen, erkranken einige Personen an Lebensmittelvergiftungen. Zudem stehen Alters- und Pflegeheime vor grossen Herausforderungen, etwa weil die Kühlung von Medikamenten ausfällt.

Das will die Initiative «Blackout stoppen»:

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Die Volksinitiative «Blackout stoppen» zielt letztlich darauf ab, das 2017 vom Stimmvolk beschlossene Neubauverbot von Kernkraftwerken wieder aufzuheben.

Konkret will die Initiative in der Bundesverfassung festhalten, dass die Stromversorgung jederzeit sichergestellt sein muss und der Bund die Verantwortung dafür trägt. Dabei sollen alle klimaschonenden Arten der Stromerzeugung zulässig sein.

Die Gegnerinnen und Gegner argumentieren unter anderem, dass AKW nicht rechtzeitig gebaut werden könnten, staatliche Subventionen bräuchten und dass der Entscheid, das Neubauverbot aufzuheben, den Ausbau von erneuerbaren Energien bremsen würde.

So reagiert die Bevölkerung: Eine Katastrophe wie ein Blackout sei immer ein Lackmustest, respektive ein Stresstest, für die Bevölkerung, sagt Matthias Holenstein, Experte für Risikomanagement und Geschäftsführer der Stiftung Risiko-Dialog: «Wie die Menschen reagieren, hängt davon ab, wie es der Bevölkerung geht und auch wie es um das Vertrauen in die Behörden steht.» Privilegierte Personen hätten es in solchen Situationen meist einfacher als weniger privilegierte, insofern seien nicht alle Menschen gleichermassen von den Folgen betroffen. Konkret geht Matthias Holenstein nicht davon aus, dass es in der Schweiz bereits an Tag eins eines «Blackouts» zu Szenarien wie Massenplünderungen kommt.

Vertrauen in die Behörden: Ein hohes Vertrauen in den Staat hat gemäss Matthias Holenstein Vor-, aber auch Nachteile. So könne es zu Spannungen kommen, wenn ein «Blackout» länger andauert und Grundbedürfnisse, wie soziale Kontakte, nicht erfüllt werden können: «Das Vertrauen in den Staat, gekoppelt mit der übersteigerten Erwartung, dass dieser alles sofort löst, kann die Verunsicherung in der Bevölkerung verstärken.» Denn der Staat könne in einer Katastrophensituation nicht alle Bedürfnisse befriedigen.

Info3, 8.6.2026, 17 Uhr;stal;wilh

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