Das Szenario: In der nationalen Risikoanalyse «Katastrophen und Notlagen Schweiz» hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz das Szenario eines grossen Stromausfalls skizziert. Es wird dabei davon ausgegangen, dass Gewitterstürme Frequenzschwankungen im Netz verursachen und der Strom in Teilen Europas, auch im schweizerischen Mittelland, ausfällt. Der Ausfall dauert in dem Szenario 2–3 Tage. Bis sich die Situation für die Bevölkerung und die Wirtschaft normalisiert hat, würde es gemäss dem Szenario danach aber noch mehrere Tage bis Wochen dauern.
Das alles fällt aus: Da Pumpen nicht funktionieren, kann die Trinkwasserversorgung aussteigen. Lebensmittelgeschäfte bleiben vorerst geschlossen. Der Mobilfunk fällt nach rund einer halben Stunde aus, die meisten Menschen haben keine Kommunikationsmöglichkeiten. Der Strassenverkehr ist beeinträchtigt, weil Verkehrsleitsysteme ausfallen, Strassentunnel sind aus Sicherheitsgründen gesperrt. Auch der öffentliche Verkehr ist stark eingeschränkt. Zudem sind die Notrufzentralen und Einsatzkräfte ausgelastet. Es müssen Menschen aus Liften, Tunneln und Luftseilbahnen gerettet werden. Um die Bevölkerung zu unterstützen, richten die Einsatzorganisationen Notfalltreffpunkte ein.
Todesopfer und Verletzte: In dem Szenario geht das Bundesamt für Bevölkerungsschutz von etwa 320 Todesopfern und mehreren Tausend Verletzten aus. Vor allem am ersten Tag häufen sich demnach Verkehrsunfälle, weil die Verkehrsregelungsanlagen ausfallen. Spitäler können auf Notstromaggregate zurückgreifen, doch es kommt zu Todesfällen von Personen, die ausserhalb von Spitälern von lebenserhaltenden Maschinen abhängig sind. Kerzen verursachen abends und nachts Brände, und da Kühlschränke ausfallen, erkranken einige Personen an Lebensmittelvergiftungen. Zudem stehen Alters- und Pflegeheime vor grossen Herausforderungen, etwa weil die Kühlung von Medikamenten ausfällt.
So reagiert die Bevölkerung: Eine Katastrophe wie ein Blackout sei immer ein Lackmustest, respektive ein Stresstest, für die Bevölkerung, sagt Matthias Holenstein, Experte für Risikomanagement und Geschäftsführer der Stiftung Risiko-Dialog: «Wie die Menschen reagieren, hängt davon ab, wie es der Bevölkerung geht und auch wie es um das Vertrauen in die Behörden steht.» Privilegierte Personen hätten es in solchen Situationen meist einfacher als weniger privilegierte, insofern seien nicht alle Menschen gleichermassen von den Folgen betroffen. Konkret geht Matthias Holenstein nicht davon aus, dass es in der Schweiz bereits an Tag eins eines «Blackouts» zu Szenarien wie Massenplünderungen kommt.
Vertrauen in die Behörden: Ein hohes Vertrauen in den Staat hat gemäss Matthias Holenstein Vor-, aber auch Nachteile. So könne es zu Spannungen kommen, wenn ein «Blackout» länger andauert und Grundbedürfnisse, wie soziale Kontakte, nicht erfüllt werden können: «Das Vertrauen in den Staat, gekoppelt mit der übersteigerten Erwartung, dass dieser alles sofort löst, kann die Verunsicherung in der Bevölkerung verstärken.» Denn der Staat könne in einer Katastrophensituation nicht alle Bedürfnisse befriedigen.