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Hilfe im neuen Alltag Warum diese Frau für viele Ukrainerinnen so wichtig ist

Zwischen Kriegserinnerungen und Bürokratie: Eine Psychologin gibt Geflüchteten Struktur, Verständnis und neuen Halt.

Die eine Hand auf der Brust, die andere auf dem Bauch: Gut 20 Menschen sitzen nebeneinander im Kreis. Ihre Augen: geschlossen. Sie atmen tief ein und aus. Langsam, regelmässig. Mit bewussten Atemtechniken versuchen sie, psychische Blockaden zu lösen.

Mehrheitlich Frauen kommen einmal die Woche im Kirchgemeindehaus im Zürcher Seefeld zusammen, um mit Psychologin Olena Zakharova an einer Gruppentherapie teilzunehmen.

«Heute sind viele Menschen gekommen», sagt Zakharova. Dies könnte auch damit zu tun haben, dass sich der Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar jähre. «Viele von uns tragen Schmerzen in sich. Und wenn wir uns dem Datum nähern, brauchen wir Unterstützung.»

In der Schweiz angekommen, wollte sie sofort helfen

Zakharova floh selbst vor vier Jahren aus der Ukraine in die Schweiz. Sie betreute traumatisierte Kinder, arbeitete in einer Klinik und erlebte russische Bombardierungen in Mariupol am eigenen Leib. Kaum in Zürich angekommen, wollte sie ihren Landsfrauen helfen.

Dafür sei sie sehr dankbar, sagt etwa Anastasiia Ivanova, die erst kürzlich zum Gruppentreff gestossen ist. «Es ist wichtig für mich, neue Leute kennenzulernen.» Seit bald vier Jahren ist Ivanova in der Schweiz und sagt: «Wir haben eine schwierige Zeit und es ist wichtig, positiv zu denken.»

Svitlana Lakei kommt schon seit rund zwei Jahren zum Treffen. «Olenas Techniken helfen sehr», sagt sie. «Wir atmen, wir malen, wir besprechen wichtige Themen.» Sie wolle sich schnell integrieren und dabei sei Olena eine grosse Unterstützung.

Nach dem Krieg warten weitere Hürden

Es zeigt sich: Es sind nicht nur Erlebnisse aus dem Krieg, die es zu verarbeiten gilt. Die Menschen brauchen auch Hilfe, um sich in der Schweiz zurechtzufinden. Erfahrungen werden ausgetauscht, um grosse Hürden wie die deutsche Sprache, die Bürokratie oder die Wohnsituation zu meistern.

«Wir hatten ein gutes Leben. Wir wollten unser Land nicht verlassen», sagt Olena Zakharova. «Nun aber müssen wir eine neue Mentalität verstehen, eine neue Sprache lernen. Das macht Schwierigkeiten.» Es brauche Zeit, sich an einem neuen Ort zurechtzufinden.

Frau mit lockigem Haar, lächelnd, sitzt vor Pflanze.
Legende: Der Krieg, der Alltag in der Schweiz: Olena Zakharova hilft Ukrainerinnen, mit alten und neuen Belastungen umzugehen. SRF

Zakharova kümmert sich um alltägliche Probleme. «Vielen Leuten wurde es zum Beispiel verboten, mit Tieren in einer Wohnung zu leben», erzählt sie. «Sie mussten sie in ein Heim geben.» Eine Katze abzugeben, die einen «durch den Krieg begleitet hat», das tue weh.

Als Psychologin wolle sie die Menschen stabilisieren. «Ich versuche, Lösungen zu finden», sagt sie. «Und wenn die Menschen wieder lachen können, dann gibt das auch mir ein gutes Gefühl.»

Auch vier Jahre nach Kriegsausbruch gibt es zu tun

Dass es bei den Geflüchteten aus der Ukraine ein Bedürfnis nach psychologischer Aufarbeitung gebe, sei ihm schnell klar gewesen, sagt Christian Kistler. Beim Zürcher Quartierverein Riesbach kümmert er sich seit 2022 um die Ukraine-Hilfe und hat Olena Zakharova bei ihrem Gruppentreff unterstützt.

Ich kenne Frauen, die zu viert in einem Zimmer leben müssen.
Autor: Christian Kistler Quartierverein Riesbach

Zuerst sei es vor allem um Soforthilfe gegangen, dann seien schnell medizinische und psychologische Anliegen in den Vordergrund gerückt. Und hier habe Olena sofort Hand geboten.

Und nun – vier Jahren nach Kriegsausbruch – gebe es noch immer viel zu tun, sagt Kistler. «Ich kenne Frauen, die zu viert in einem Zimmer leben müssen.» Hier wolle man mentale Unterstützung bieten. «Es braucht Ausdauer», sagt Kistler. «Aber die bringen wir und auch die Ukrainerinnen mit.»

Glückskette ruft zu Spenden für die Ukraine auf

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Angesichts der humanitären Krise in der Ukraine sammelt die Glückskette Spenden für die betroffene ukrainische Bevölkerung. Millionen Menschen – vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen – sind bereits geflohen und suchen Zuflucht in den Nachbarländern oder in Gebieten im Landesinnern, die von Kämpfen verschont geblieben sind. Die Glückskette unterstützt geflüchtete Menschen über ihre Partnerorganisationen innerhalb der Ukraine, den Nachbarländern Polen, Rumänien, Moldau und Ungarn sowie in der Schweiz.

Spenden können unter www.glueckskette.ch oder auf das Postkonto 10-15000-6, Vermerk «Krise in der Ukraine», getätigt werden.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 24.2.2026, 17:30 Uhr ; 

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